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"Arisierung" in Kärnten

Die Enteignung jüdischen Besitzes in Hitlers Mustergau

„Arisierungsakten“… Sie sind oft die einzigen schriftlichen Quellen, die uns über das Schicksal und die Lebensumstände der jüdischen Opfer Auskunft geben. Kein weiterer Schritt der Judenverfolgung wurde von den Nationalsozialisten minutiöser dokumentiert. Wollten sie doch sichergehen, alles Vermögen der jüdischen Bevölkerung abschröpfen zu können. Für diesen Zweck waren alle Informationen über den beruflichen aber auch familiären Alltag der Opfer von Nutzen. Nachdem diese ihres Besitzes beraubt worden waren, waren sie aus bürokratischer Sicht uninteressant geworden. Genau hier setzt das Buch `„Arisierung“ in Kärnten` an und liefert einen tiefen Einblick in die unterschiedlichen Täter-Opfer-Verhältnisse, die in Kärnten – wie im restlichen Österreich – erst durch die Wucht der nationalsozialistischen Machtübernahme möglich werden konnten. Im Gegensatz zu den bisherigen historiographischen Untersuchungen, die sich mit Enteignungen in Kärnten beschäftigt haben, bringt das Buch gesellschaftliche Muster aber auch individuelles Verhalten beim Raubzug gegen die jüdische Bevölkerung ans Licht. …und Restitutionsanträge: Auch in den Aufzeichnungen über die Versuche der jüdischen Opfer, ihr geraubtes Hab und Gut wiederzuerhalten, finden sich tiefe Einblicke in deren Schicksale sowie Schilderungen der NS-Methoden beim Raubzug.
Wie alle gesellschaftlichen Phänomene speiste sich auch der nationalsozialistische Antisemitismus aus der Überzeugtheit und der Handlungsbereitschaft seiner Individuen. Verschiedenste Untersuchungen des Phänomens „Arisierung“ untermauern diesen Ansatz. Im Buch wird am Beispiel des „Gaues Kärnten“ (dem das heutige Osttirol angehörte) gezeigt, wie staatliche Order kombiniert mit dem Einsatz von profitgierigen „Ariseurinnen“ und „Ariseuren“ eine nahezu lückenlose Beraubung der Kärntner jüdischen Bevölkerung ermöglichte. Aufgrund der geringen Anzahl von Jüdinnen und Juden vor Ort musste das „Feindbild Jude“ mit dem „des Slowenen“ kombiniert werden um den erwünschten Wirkungsgrad innerhalb der nichtjüdischen Bevölkerung zu erreichen. In Bezug auf „Arisierungen“ heisst dies, dass den Kärntnerinnen und Kärntnern eine „ökonomische Umstrukturierung“ nicht nur auf Kosten der slowenischen sondern auch der jüdischen Minderheit schmackhaft gemacht wurden. Den einen Teil der Beute strich der Fiskus anhand von Vermögensbeschlagnahmungen und abstrusesten Steuerforderungen ein. Den anderen teilten sich die „Auriseurinnen“ und „Ariseure“ (meist „Alte Kämpfer“ bzw. KonkurrentInnen der jüdischen Unternehmer) untereinander auf.
Im Dreiergespann der Verfolgungsmassnahmen Entrechtung – Enteignung – Ermordung, kommt der zweiten eine immense Bedeutung zu. Das Buch versucht sowohl die Mechanismen als auch die Tragweite von Enteignung bzw. Raub des jüdischen Besitzes in den Jahren 1938 bis 1945 und für den lokal begrenzten Raum Kärnten aufzuschlüsseln. Daneben werden die gesellschaftlichen und politischen Folgen des „Arisierungsvorhabens“ für die Zeit nach 1945 dargelegt; eine defizitäre „Wiedergutmachung“ beschrieben.
Portrait
Alexander Verdnik, Historiker, geb. 1982 in Wolfsberg im Lavanttal. Studium der Geschichte in Graz. Diplomarbeit zum Thema „Lagerstadt Wolfsberg“. Dissertation zum Thema „Arisierung“ in Kärnten. Verfasser von Artikeln für die jüdische Kulturzeitschrift „David“. Forschungsschwerpunkte Geschichte des Nationalsozialismus, Jüdische Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert (Schwerpunkt Österreich) und Wissenschaftskommunikation.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Kunststoff-Einband
Seitenzahl 230
Erscheinungsdatum 28.01.2014
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-902878-22-9
Reihe Kitab Zeitgeschichte
Verlag KITAB
Maße (L/B/H) 236/159/20 mm
Gewicht 453
Abbildungen mit 28 Abbildungen
Auflage 1. Auflage
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