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Baba Dunjas letzte Liebe

Roman. Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2015

(52)
Wenn ich mich in meinem Alter noch über Menschen wundern würde, käme ich nicht mehr zum Zähneputzen.«
Alina Bronsky lässt in ihrem neuen Roman eine untergegangene Welt wieder auferstehen. Komisch, klug und herzzerreissend erzählt sie die Geschichte eines Dorfes, das es nicht mehr geben soll – und einer aussergewöhnlichen Frau, die im hohen Alter ihr selbstbestimmtes Paradies findet.
Baba Dunja ist eine Tschernobyl-Heimkehrerin. Wo der Rest der Welt nach dem Reaktorunglück die tickenden Geigerzähler und die strahlenden Waldfrüchte fürchtet, baut sich die ehemalige Krankenschwester mit Gleichgesinnten ein neues Leben im Niemandsland auf. Wasser gibt es aus dem Brunnen, Elektrizität an guten Tagen und Gemüse aus dem eigenen Garten. Die Vögel rufen so laut wie nirgends sonst, die Spinnen weben verrückte Netze, und manchmal kommt ein Toter auf einen Plausch vorbei. Während der sterbenskranke Petrov in der Hängematte Liebesgedichte liest und die Melkerin Marja mit dem fast hundertjährigen Sidorow anbandelt, schreibt Baba Dunja Briefe an ihre Tochter Irina, die Chirurgin bei der deutschen Bundeswehr ist. Doch dann kommt ein Fremder ins Dorf – und die Gemeinschaft steht erneut vor der Auflösung. Auf kleinem Raum gelingt Alina Bronsky voller Kraft und Poesie, voller Herz und Witz eine märchenhafte und zugleich fesselnd gegenwärtige Geschichte.
Rezension
"Eine grosse Geschichte von Menschen und ihrem Mut, ihrer Kraft und ihrer Unbeugsamkeit (...) Am Ende des Romans, nach 154 Seiten, hätte ich das Buch am liebsten umarmt." Christine Westermann WDR, Frau TV, Christine Westermann
Portrait
Alina Bronsky, geboren 1978 in Jekaterinburg/Russland, lebt seit Anfang der Neunzigerjahre in Deutschland. Ihr Debütroman 'Scherbenpark' wurde zum Bestseller, fürs Kino verfilmt und ist inzwischen beliebte Lektüre im Deutschunterricht. Es folgten die Romane 'Die schärfsten Gerichte der tatarischen Küche' und 'Nenn mich einfach Superheld'. 'Baba Dunjas letzte Liebe' wurde für den Deutschen Buchpreis 2015 nominiert. Die Rechte an Alina Bronskys Romanen wurden in 15 Länder verkauft. Sie lebt in Berlin.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband gebundene Ausgabe
Seitenzahl 160
Erscheinungsdatum 17.08.2015
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-462-04802-5
Verlag Kiepenheuer & Witsch
Maße (L/B/H) 196/123/17 mm
Gewicht 224
Verkaufsrang 34.340
Buch (gebundene Ausgabe)
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Kundenbewertungen


Durchschnitt
52 Bewertungen
Übersicht
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10
4
0
0

starke Bilder einer untergegangenen Welt...
von einer Kundin/einem Kunden am 25.08.2015

Für Baba Dunja, den sterbenskranken Petrow, die Melkerin Marja, die Gawrilos und den fast hundertjährigen Sidorow scheint es egal , ob sie ein Jahr mehr oder weniger leben. Sie kehren zurück nach Tschernow in ihre leerstehenden Häuser und versuchen ihr altes Leben wieder aufzunehmen. Ein beschwerliches Leben und eine... Für Baba Dunja, den sterbenskranken Petrow, die Melkerin Marja, die Gawrilos und den fast hundertjährigen Sidorow scheint es egal , ob sie ein Jahr mehr oder weniger leben. Sie kehren zurück nach Tschernow in ihre leerstehenden Häuser und versuchen ihr altes Leben wieder aufzunehmen. Ein beschwerliches Leben und eine zerbrechliche Gemeinschaft , die voller Humor beschrieben wird und eine tiefe Nachdenklichkeit zurück lässt. Baba Dunja erzählt böse in sperrigen Bildern und doch voller Wärme - und sie hat viel zu erzählen , von Jegor ihrem nichtsnutzigen Mann, den sie geliebt hat , von ihrer Tochter Irina, die Pakete aus Deutschland schickt, die sie in einem beschwerlichen Marsch aus dem nächsten Ort abholt und von ihrer unbekannten Enkelin, der sie lange Briefe schreibt. Die Welt scheint fast in Ordnung, kaum fassbar nach dem Reaktorunglück von 1986, bis ein viel greifbares Unglück hereinbricht : Fremde erreichen das Dorf, ein Vater strandet mit seinem kleinen Mädchen , was einer Katastrophe gleich kommt und die Auflösung dieser Gemeinschaft bedeutet ! Ein beeindruckendes starkes Buch , was anrührend poetisch ist und einen lange nicht mehr loslässt !

Hat Ihnen diese Empfehlung geholfen?
Ein absoluter Geheimtipp!
von einer Kundin/einem Kunden am 26.09.2017

Ein sprachlich sehr gelungenes und inhaltlich überaus berührendes Buch. Trotz- oder vielleicht gerade wegen der ungewöhnlichen Ausgangslage der Geschichte ein großes Lesevergnügen. Traurig und lebensbejahend zugleich!

Hat Ihnen diese Empfehlung geholfen?
Ein wunderbares Büchlein
von Xirxe aus Hannover am 03.10.2016

Baba Dunja, die nun wirklich keine 82 Jahre mehr ist ;-) kehrt zurück in ihr Heimatdorf Tschernowo, das in der Todeszone von Tschernobyl liegt. Sie ist die Erste, die sich dort, in ihrem alten Haus, wieder niederlässt, doch nach und nach steigt die Zahl der BewohnerInnen. Es sind meist... Baba Dunja, die nun wirklich keine 82 Jahre mehr ist ;-) kehrt zurück in ihr Heimatdorf Tschernowo, das in der Todeszone von Tschernobyl liegt. Sie ist die Erste, die sich dort, in ihrem alten Haus, wieder niederlässt, doch nach und nach steigt die Zahl der BewohnerInnen. Es sind meist Alte, die Jüngsten um die 60 Jahre, zum Teil schwer krank, die nichts fürchten, auch nicht den Tod. Jede/r lebt dort sein Leben, eine wirkliche Gemeinschaft gibt es nicht. Gemüse und Obst werden im eigenen Garten angebaut, was man sonst so braucht und nicht selbst herstellen kann, wird von der kärglichen Rente im nächsten Städtchen Malyschi gekauft. Es könnte ein Idyll sein, doch Baba Dunja, die Ich-Erzählerin, ist sich der prekären Situation durchaus bewusst: Sie (wie auch der Rest in Tschernowo) strahlt mittlerweile selbst wie ein kleines Atomkraftwerk und ein Happy End ist bestimmt nicht zu erwarten. Wie sollte es in ihrem Alter auch aussehen? Denn eines ist gewiss: der Tod. Und diesem in Tschernowo zu begegnen, ist das Schlechteste nicht. Baba Dunja erzählt nicht nur von ihrem Leben im Dorf, sie erinnert sich auch an ihr Leben davor, das voller Mühsal war und darin bestand, für andere da zu sein: ihre Kinder Irina und Alexej; ihren Mann Jegor; die Kranken, die sie als medizinische Hilfsschwester behandelt hat. Nun kann sie zum erstem Mal in ihrem Leben das tun, was sie will: leben und sterben in Tschernowo. Ihrer Tochter Irina, die als Chirurgin in Deutschland lebt, ein Kind hat und nicht verstehen kann, weshalb ihre Mutter dorthin zurückgekehrt ist, schreibt sie beruhigende Briefe. Zitat: "Mädchen", sagte ich, "guck mich an. Siehst Du, wie alt ich bin? Und das alles ohne Vitamine und Operationen und Vorsorgeuntersuchungen. Wenn sich jetzt irgendetwas Schlechtes in mir einnistet, dann lasse ich es in Ruhe. Niemand soll mich mehr anfassen und mit Nadeln pieksen, wenigstens das habe ich mir verdient." Alina Bronskys Schreibstil trifft den Tonfall dieser alten Baba Dunja wunderbar: gelassen, durch nichts zu erschüttern und immer noch voller Lebensfreude. Sie weiß um die guten und schlechten Seiten der Menschen, verurteilt niemanden und nimmt das Leben wie es kommt - doch ohne sich sagen zu lassen, was sie zu tun hat. Zufälligerweise habe ich gerade zuvor das Buch Eierlikörtage: Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre gelesen - das genaue Gegenteil eines Lebens im Alter. Dort wohl versorgt im Altenheim, alles läuft nach Plan: Essen, Trinken, Unterhaltungsprogramm, sofern es eines gibt. Ohne Eigeninitiative (die nicht unbedingt gerne gesehen wird) nichts als gepflegte Langeweile. Wie erfrischend hingegen das Leben in der Todeszone, ohne dass es verklärt wird. Wenn man mich fragen würde, wo ich lieber meine letzten Tage verbringen möchte, wäre die Antwort klar: Tschernowo ;-)

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