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Ellbogen

Roman

(18)
Sie ist siebzehn. Sie ist in Berlin geboren. Sie heisst Hazal Akgündüz. Eigentlich könnte aus ihr eine gewöhnliche Erwachsene werden. Nur dass ihre aus der Türkei eingewanderten Eltern sich in Deutschland fremd fühlen. Und dass Hazal auf ihrer Suche nach Heimat fatale Fehler begeht. Erst ist es nur ein geklauter Lippenstift. Dann stumpfe Gewalt. Als die Polizei hinter ihr her ist, flieht Hazal nach Istanbul, wo sie noch nie zuvor war. Warmherzig und wild erzählt Fatma Aydemir von den vielen Menschen, die zwischen den Kulturen und Nationen leben, und von ihrer Suche nach einem Platz in der Welt. Man will Hazal helfen, man will mit ihr durch die Nacht rennen, man will wissen, wie es mit ihr und mit uns allen weitergeht.
Portrait
Fatma Aydemir wurde 1986 in Karlsruhe geboren. 2007 bis 2012 studierte sie Germanistik und Amerikanistik in Frankfurt am Main. Seit 2012 lebt sie in Berlin und ist Redakteurin bei der taz. Als freie Autorin schreibt sie daneben für zahlreiche Zeitschriften, unter anderem Spex und das Missy Magazine. Bei Hanser erschien 2017 ihr Debütroman Ellbogen.
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Beschreibung

Produktdetails


Format ePUB i
Kopierschutz Ja
Erscheinungsdatum 30.01.2017
Sprache Deutsch
EAN 9783446255951
Verlag Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
eBook
Fr. 23.00
inkl. gesetzl. MwSt.
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
18 Bewertungen
Übersicht
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8
1
0
0

Hart, krass & schockierend ...
von Sharon Baker von sharonbakerliest aus Mönchengladbach am 02.04.2018
Bewertet: gebundene Ausgabe

Hazal lebt in Berlin mit ihren türkischen Eltern und ihren Bruder zusammen. Ihr Leben besteht momentan nur aus dem nicht gemeldeten Job bei ihrem Onkel, dem begleitenden Unterricht und dem Kiffen. Außerdem steht bald ihr Geburtstag an und ihre Volljährigkeit will sie mit ihren Mädels richtig feiern. Nur verläuft... Hazal lebt in Berlin mit ihren türkischen Eltern und ihren Bruder zusammen. Ihr Leben besteht momentan nur aus dem nicht gemeldeten Job bei ihrem Onkel, dem begleitenden Unterricht und dem Kiffen. Außerdem steht bald ihr Geburtstag an und ihre Volljährigkeit will sie mit ihren Mädels richtig feiern. Nur verläuft der Tag so ganz anderes, als gedacht und endet in einer Katastrophe. Für Hazal steht fest, sie muss weg, raus aus dem Elternhaus, raus aus ihrem Leben, raus aus Deutschland. So flieht sie zu ihrer Internetbekanntschaft nach Istanbul, wo sie noch nie war. Aber ist das wirklich besser? Kann Hazal endlich zu sich selber finden? Oder wird ihr Gewissen ihr ins Leben reden? Dieses Buch habe ich schon so oft gesehen, aber immer wieder weggelegt, da das Thema ja nicht unbedingt leichte Kost ist. Außerdem sind unsere Nachrichten voll mit schockierenden, da möchte man nicht auch noch seine Freizeit damit verbringen, oder? Anderseits ist es wichtig sich mit dem Hier und Jetzt zu beschäftigen, hinter die Fassade zu gucken und zum Nachdenken angeregt zu werden. So ist dieses Buch, bei meinem Buchclub vorgeschlagen worden und nun gelesen. Ob es mich nachdenklich gemacht hat, erzähle ich euch nun. Die Geschichte um Hazal ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil widmet sich ihren Leben in Deutschland und das ist alles andere als toll, sondern extrem trostlos. Hazal ist eine junge Frau und wird im ersten Kapitel beim Klauen erwischt, hier schimmert schon durch, dass sie einfach nur alle Klischees bedienen möchte. Sie hat keine Zukunftspläne, wird von ihren Eltern extrem klein gehalten und fühlt sich durch ihr Gefängnis einsam, allein, nutzlos und ungeliebt. Die Eltern haben sich nichts zusagen, fühlen sich fremd und können mit ihren Gefühlen nicht umgehen, das übertragen sie natürlich auf ihre Kinder. Der Sohn ist der kleine King, der alles darf, aber Hazal hat zu Hause zu bleiben und sich, um den Haushalt zu kümmern. Dabei sieht Hazal, das es auch anders gehen kann, dass man eine Ausbildung machen, sich frei fühlen und leben kann, als Mädchen, aber sie darf nicht. Beziehungsweise wartet darauf, dass das Leben zu ihr kommt, weil sie selber nichts in die Hand nimmt. Diese angestaute Wut, der Druck der Familie, die Einsamkeit in Leben, ist unglaublich spürbar beschrieben und lässt keinen Leser kalt. Der zweite Teil ist dem Ausbruch gewidmet, nachdem es in Deutschland zu ihrem Geburtstag zu einem Gewaltverbrechen gekommen ist, ist Hazal geflohen. Sie findet bei Mehmet, ihrem Internet Freund einen Unterschlupf und versucht, die Dinge in ihrem Leben klarzusehen, neu zu formen und irgendwie weiterzumachen, aber ist die Türkei, dafür der beste Ort. Die Autorin lässt nämlich die Unruhen, die Kämpfe und die Politik einfließen und das dieses Land keineswegs frei und grenzenlos ist, spürt Hazal bald am eigenem Körper. Hin und her gestoßen zwischen Familie, Kulturen und Traditionen sucht dieses junge Mädchen ihren Platz. Aber was genau möchte sie? Welche Träume hat sie? Welche Zukunft wünscht sie sich? Diese Geschichte ist ein Abziehbild unserer Gesellschaft, überfordert, hilflos und machtlos. Immigration, ein Thema was uns ständig beschäftigt und diesmal aus der Sicht eines jungen Mädchens erzählt. Ich kann es gar nicht richtig in Worte fassen, wie mich die Geschichte zurückgelassen hat, geschockt, sprachlos, überfordert, aber auch sehr nachdenklich. Der Mensch verurteilt gern sehr schnell und lässt sich ungern vom anderen überzeugen, das dieser Weg nie der richtige ist, ist auch jedem klar, aber trotzdem brechen die Grenzen schlecht auf. Hier ist so ein Beispiel, Hazal ist rotzfrech, kifft und ihr Ausdruck alles andere als damenhaft, aber woher kommt das. Es ist Wut, auf die Eltern, die Gesellschaft, auf ihr ganzes Leben, die Perspektivlosigkeit und der Umstand, das ihre Träume nicht zählen, aber rechtfertig es diese Tat. Ich bin unschlüssig und auch mit dem Ende nicht ganz glücklich, aber auf jeden Fall nachdenklich. Ich glaube, mehr wollte die Autorin auch gar nicht. Sie möchte aufmerksam machen, bedient sich dabei einer derben Sprache, lässt oft rotzige Ausdrücke fallen, aber auch gleichzeitig die Ohnmacht des eigenen Lebens spüren. Sehr krass, stark, eigenwillig, hart und kompromisslos erzählt Fatma Aydemir diese Geschichte, lässt ihren Leser wirklich einen Gefühlsausbruch nach dem anderen mitfühlen. Die Tiefschläge der Ellbogen miterleben und einen aufgewühlt zurück. Dieses Buch, so bewegend eindringlich erzählt, lässt einen doch ungläubig nachdenklich zurück.

von einer Kundin/einem Kunden am 22.06.2017
Bewertet: anderes Format

Ein Buch, über eine junge Deutsch-Türkin, die an ihrer Heimatlosigkeit zerbricht!

Ein Blick in unsere unmittelbare Nachbarschaft. Horizonterweiternd.
von einer Kundin/einem Kunden am 26.05.2017

Ein interessantes, da ausnehmend vielschichtiges Romandebut der jungen Deutschtürkin Fatma Aydemir. Erzählt wird die Geschichte der in Berlin lebenden 18jährigen Hazal, die mit ihren drei Freundinnen "ihren Platz im Leben sucht". Und dabei auf Widerstände stößt wie alle Nicht-Deutschtürken es sich mit Sicherheit denken können, weil darüber wieder und... Ein interessantes, da ausnehmend vielschichtiges Romandebut der jungen Deutschtürkin Fatma Aydemir. Erzählt wird die Geschichte der in Berlin lebenden 18jährigen Hazal, die mit ihren drei Freundinnen "ihren Platz im Leben sucht". Und dabei auf Widerstände stößt wie alle Nicht-Deutschtürken es sich mit Sicherheit denken können, weil darüber wieder und wieder berichtet wurde im Zuge diverser vermeintlicher Fehlentwicklungen - und doch ist Neues dabei zu erlernen. Es verbietet sich dabei beinahe an dieser Stelle all die nach Klischee anmutenden Stolperfallen herunter zu rattern, die Hazil wieder und wieder in die Knie zwingen: Schwierigkeiten einen Job zu kriegen, spätpubertäre Minderwertigkeitskomplexe, einen wortkargen, brutalen Vater, einen jüngeren Bruder der zum Macho und Pascha erzogen wird, Joint und Parties, Straßenkrawall, Sehnsucht nach der ersten großen Liebe. Die Besonderheit von "Ellbogen" ist in Aydemirs kompromisslos ehrlicher Schreibe zu finden, die keine Seite verschont, niemandem einen eindeutigen Schwarzen Peter zuschiebt, all die Zerrissenheit einer sich nach Selbstverwirklichung sehnenden jungen Frau schildert und gerade dadurch gleichsam durch die Hintertür versöhnt, Türken mit Kurden, Deutsche mit Menschen "mit Migrationshintergrund", Arme mit Reichen, Frauen mit Männern. Aydemir beschönigt nichts, als es zum Äußersten kommt - Hazal und ihre Freundinnen verprügeln in einem U-Bahnhof einen betrunkenen Studenten, und treten ihn ins Gleisbett, wo er kurze Zeit später von einer U-Bahn überrollt wird - ergreift sie für niemanden Partei, ja lässt ihre nach Istanbul flüchtende Protagonistin sogar auffallend kalt und reuelos werden. Und bringt den Leser gerade so dazu ihr innerlich beizupflichten. Zu begreifen wie es dazu kommen kann, dass mittelprächtig gebildete junge Deutschtürkinnen nicht so werden können, nein so werden müssen wie Hazil. Warum auch Aggressivität letztlich eine Darstellungsform von gesellschaftlicher Notwehr ist. Und so ist "Ellbogen" so vieles zugleich: Ein emanzipatorischer Frauenroman, den zuvorderst Männer lesen sollten. Ein Jugendbuch, dem sich in erster Linie Erwachsene widmen sollten. Ein Text, der mit wenigen Sätzen und Anspielungen verdeutlicht welchen speziellen Zerreißproben die türkische Community auch, aber nicht nur in Zeiten eines Erdogan ausgeliefert ist. Und nicht zuletzt ein lebensechter, enorm wirklichkeitsnaher Ausritt in die Niederungen einer gescheiterten Integrations- und Gerechtigkeitspolitik, in der sich keinesfalls nur Deutschtürkinnen wiederfinden werden. Kurzum: ein kleiner Gesellschaftsroman, der in knapper, oftmals aggressiver, niemals aber plumper Gossenrhetorik daherkommt. Einer Sprache, die genug Platz für viele überraschend intelligente und sensible Einsichten lässt und uns mit der vermeintlichen Slangsprache in Berlin lebender Jugendlicher verschont. Flüssig und spannend zu lesen und - besonders wichtig: definitiv horizonterweiternd.


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