Kleider machen Leute

Novelle

Reclam Universal-Bibliothek 7470

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Das literarische Motiv des Hochstaplers, die Verdeckung des Seins durch den schönen Schein - dies dient Keller zum Grundstoff seiner berühmten Erzählung, in der er den Umschlag vom romantischen-haltlosen Schein zu einer lebensgerechteren Humanität vorführt.
Text in neuer Rechtschreibung
Portrait
Gottfried Keller, 19. 7. 1819 Zürich - 15. 7. 1890 ebd. K. wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Sein Vater, ein Drechslermeister, starb 1824; seine Mutter ging 1826 eine zweite Ehe ein, die jedoch 1834 geschieden wurde. Im selben Jahr musste K. wegen eines Schülerstreichs die kantonale Industrieschule verlassen. Er ging als Lehrling zu einem Vedutenmaler, nahm Zeichenunterricht, las, dichtete und malte. 1840 ermöglichte ihm die Mutter das Studium an der Münchner Kunstakademie, das jedoch nicht zum Erfolg führte. Ende 1842 kehrte er nach Zürich zurück und fand Anschluss an die liberalen dt. Emigranten. Stipendien der Züricher Kantonalregierung und die Unterstützung der Mutter erlaubten K. 1848-49 Studien in Heidelberg, wo Ludwig Feuerbach und seine materialistische Philosophie grossen Eindruck auf ihn machten, und einen längeren Aufenthalt in Berlin (1850-55). Hier entstanden bedeutende Prosawerke, während er mit seinen dramatischen Plänen scheiterte. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz lebte K. von 1855 bis 1861 ohne Einkommen bei seiner Mutter und seiner Schwester Regula. 1861 wurde er zum Ersten Stadtschreiber des Kantons Zürich gewählt, 1876 legte er das p¿ichtbewusst ausgeübte Amt nieder, um sich ausschliesslich seinen literarischen Arbeiten zu widmen. Er schloss Freundschaft mit dem Maler Arnold Böcklin und unterhielt durch eine ausgedehnte Korrespondenz freundschaftlichen Verkehr mit P. Heyse und Th. Storm. K. gehört mit seinen beiden Romanen und den meist zu Zyklen zusammengeschlossenen Novellen und anderen kleineren Erzählformen zu den grossen Erzählern des bürgerlichen Realismus. Sein autobiographisch geprägter Roman Der grüne Heinrich, der in zwei Fassungen vorliegt, nimmt die Tradition des Bildungsromans auf, doch lässt die Bildungsgeschichte des Helden - eine Folge von Hoffnungen und Enttäuschungen - keine aufsteigende Tendenz erkennen. So verweigert die erste Fassung folgerichtig den Kompromiss zwischen gesellschaftlichen Forderungen und individueller Selbstverwirklichung in der Art des Wilhelm Meister, während sich die Zweitfassung mit ihrer versöhnlichen Schlussperspektive gesellschaftlichnützlicher Tätigkeit der Linie des Goetheschen Gattungsmodells nähert. Die grosse Spannweite seines Erzählens wird bereits in seinem ersten und bekanntesten seiner Zyklen sichtbar, den im ¿ktiven Schweizer Ort Seldwyla angesiedelten Novellen, Märchen und Beispielgeschichten, die vom Grotesken zum Tragischen, vom Komisch-Heiteren zum Satirischen reichen. Ihre Einheit gewinnen sie durch den Keller-Ton (Th. Fontane) mit seiner vom Gegenständlichen ausgehenden Ausdrucksvielfalt, seinen unmerklichen Übergängen von arabeskenreicher Verspieltheit zu hintergründiger oder aggressiver Satire, seiner Ironie und seinem Humor. Weitere Facetten seiner Erzählkunst zeigen die erotisch-weltlichen Kontrafakturen und Parodien frömmelnder Legendenvorlagen in den Sieben Legenden, die in den Züricher Novellen nicht ohne pädagogische Absicht unternommenen Versuche, durch den Blick auf geschichtliche Beispiele den Wert bürgerlichen Gemeinsinns, zeitlos gültiger Ordnungen und wahrer Menschlichkeit sichtbar zu machen und die um die Antithese von Sein und Schein kreisenden Liebesgeschichten des Sinngedichts, bei dem der Rahmen selbst zur Novelle wird. K.s Distanzierung von der Entwicklung der Gegenwart, die bereits in der Hinwendung zur Geschichte in den Züricher Novellen deutlich geworden war, ¿ndet ihre düstere Fortsetzung in seinem zweiten Roman, Martin Salander, einer Abrechnung mit dem gründerzeitlichen Kapitalismus und dem Schwindelgeist einer hohlen Fortschrittsideologie, die die alten demokratischen Ideale von 1848 aufgegeben hat und jeder moralischen und geschichtlichen Grundlage entbehrt. K.s Lyrik steht im Schatten des erzählerischen Werks. In den 40er-Jahren inspirierte ihn die politische Lyrik der Zeit (G. Herwegh, A. Grün); nach der Enttäuschung von 1848 trat dann die Naturlyrik in den Vordergrund, die im Begreifen der Schönheit und der Fülle der Erde auch die Religionskritik Feuerbachs re¿ektiert. Seine letzte Sammlung enthält an Neuem neben dem bekannten Abendlied v. a. K.s Fest- und Gelegenheitsdichtungen, mit denen sich K. am öffentlichen Leben seiner Heimat beteiligte. In: Reclams Lexikon der deutschsprachigen Autoren. Von Volker Meid. 2., aktual. und erw. Aufl. Stuttgart: Reclam, 2006. (.) - © 2001, 2006 Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart.
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Beschreibung

Produktdetails

Einband Taschenbuch
Seitenzahl 72
Erscheinungsdatum 2000
Serie Reclam Universal-Bibliothek 7470
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-007470-1
Verlag Philipp Reclam Jun.
Maße (L/B/H) 154/101/6 mm
Gewicht 42
Verkaufsrang 109
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Kundenbewertungen

Durchschnitt
8 Bewertungen
Übersicht
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2

Einfach Toll!!!
von einer Kundin/einem Kunden aus Nonnweiler am 06.07.2005

Ich habe dieses Buch in der Schule im Rahmen des Deutschunterrichtes gelesen. Es mag vielleicht nicht besonders spannend sein, aber es ist ja auch kein Krimi. Ich finde es faszinierend wie die Dummheit der Bürger von Goldach dargestellt wird und wie die Bürger von Seldwyla es den Goldachern zeigen.

Literrarisches Meisterwerk
von einer Kundin/einem Kunden aus Bremerhaven am 11.06.2005

Diese Lektür ist sowohl für den Privat- als auch für den Schulgebrauch interessant zu lesen. Der Autor zeigt mit diesem Buch, wie leicht man sich durch die Art und das Aussehen fremder Menschen täuschen lassen kann. Ich kann dieses Buch einfach nur weiter empfehlen!

Von gutem Stoff
von Polar aus Aachen am 26.09.2008

Klassiker, die in Schulbüchern landen, haben es schwer, noch als Geschichte wahrgenommen zu werden. Wenn gar der Titel zu einem Bonmot angewachsen, jeder weiß, was damit gemeint ist, wirkt die Geschichte verstaubt, antiquiert, erscheint einem Kellers Sprache umständlich formuliert zu sein. Wer unbelasteter an die Novelle herangeht, erlebt einen... Klassiker, die in Schulbüchern landen, haben es schwer, noch als Geschichte wahrgenommen zu werden. Wenn gar der Titel zu einem Bonmot angewachsen, jeder weiß, was damit gemeint ist, wirkt die Geschichte verstaubt, antiquiert, erscheint einem Kellers Sprache umständlich formuliert zu sein. Wer unbelasteter an die Novelle herangeht, erlebt einen Spaß, darf an dem Leben eines Hochstaplers teilnehmen, der geschickt mit der Vorstellung von Bürgerlichkeit, Spießertum jongliert. Der Schneider hätte sein Spiel sicher länger durchgehalten, wäre ihm die Liebe, die Moral nicht dazwischen gekommen. Kellers amüsante Novelle lediglich als Maß für Schulaufsätze, Folien für Philosophiebetrachtungen zu nehmen, raubt ihr jene Kraft, die sie auszeichnet, den schelmischen Blick zur Seite, den sprachlich ausgeschmückten Stil. Er hält seinen Lesern einen Spiegel hin. Wer hineinschauen mag, wird glänzend unterhalten und darf von sich behaupten, er sei ja nicht so.


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