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Werke. Gesamtausgabe Band 1

Spruchlyrik. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch

Reclam Universal-Bibliothek 819

Der erste Band dieser Werkausgabe, die nicht länger auf Lachmanns Edition aufbaut, sondern die Texte wieder unmittelbar aus den Handschriften gewinnt, enthält die Spruchdichtung: jene über 120 Strophen, die aus heutiger Sicht Walthers eigenster Beitrag zur Lyrik des Mittelalters sind. In ihnen geht es um Weltbetrachtung, um Belehrung und Ermahnung, Lob und Schelte und um engagierte Stellungnahmen zur Reichspolitik, zur Politik der Fürsten und der Kirche.
Die vielschichtigen und beziehungsreichen Texte werden in einem ausführlichen Kommentar erläutert.
Rezension
Der ausführliche Kommentar gibt nicht nur Hinweise zu philologischen Fragen, zu Form, Überlieferung und Verständnisproblemen einzelner Stellen. Die Erläuterungen liefern auch wertvolle Handreichungen für die Erhellung des historischen Hintergrunds und die Interpretation der Strophen, wobei Schweikle stets die wichtigsten Deutungsvorschläge in der bisherigen Forschung anführt und überdies Angaben zu weiterführender Lektüre macht. In einer ausführlichen, ebenso materialreichen wie gut lesbaren Einleitung stellt der Herausgeber Leben, Werk und Bedeutung Walthers von der Vogelweide vor. Überdies skizziert er die (...) Überlieferung, die formalen und stilistischen Eigentümlichkeiten dieses einzigartigen Oeuvres. Auf diese Weise wendet sich das Bändchen nicht nur an ein speziell gebildetes Fachpublikum, sondern auch an Leser, die Interesse an der Literatur und der Geschichte, vor allem aber Freude an der reizvollen Kombination aus beidem haben. Rhein-Neckar-Zeitung
Portrait
Walther von der Vogelweide, um 1170 - um 1230. Nach eigener Angabe lernte W. in Österreich singen unde sagen. Über Geburtsort und Stand gibt es keine sicheren Angaben; ungeklärt ist, ob sein Beiname Herkunfts- oder Künstlername ist. Bis 1198 war er dem Hof des Babenberger Herzogs Friedrich I. in Wien verbunden; nach dem Tod seines Gönners verliess er Wien und hielt sich - wie sich aus seiner Sangspruchdichtung schliessen lässt - an den Höfen des Stauferkönigs Philipp (1198- 1201) und des Welfen Otto IV. (1212/13) sowie im Umkreis Kaiser Friedrichs II. (ab etwa 1213), dem er in einem Spruch um 1220 für ein Lehen dankte, und verschiedener Fürsten- und Adelshöfe (z. B. bei Hermann v. Thüringen) auf. Der einzige sichere ausserliterarische Beleg zeigt ihn in der Umgebung des Bischofs von Passau, Wolfger v. Erla, der Walthero cantori de Vogelweide am 12. 11. 1203 bei Zeiselmauer (in der Nähe Wiens) fünf grosse Schillinge für einen Pelzrock auszahlte. Nach einer Notiz in einer Handschrift des 14. Jh.s soll W. im Kreuzgang des Würzburger Stifts Neumünster begraben sein. W. war bereits im Mittelalter als grösster dt. Minnesänger und Sangspruchdichter anerkannt. Er führte die Spruchdichtung an das formale Niveau des Minnesangs heran, erweiterte das traditionelle moralisch-didaktische Themenspektrum und machte dabei die Spruchdichtung zu einem Medium der Diskussion aktueller politischer Fragen und der grundsätzlichen politischen Orientierung (z. B. in den 'Reichstonsprüchen ') sowie z. T. ätzender politischer (z. B. antipäpstlicher) wie persönlicher Polemik und Satire. Als Minnesänger begann er - etwa um 1190 - im Stil Reinmars und der Hohen Minne; er löste sich jedoch bald von dieser Konzeption - sichtbar etwa in der so genannten 'Walther-Reinmar-Fehde' - und erprobte Auswege aus den stereotyp gewordenen Situationen der klagenden Minne. Er setzte dem Konzept der einseitigen Liebe (und dem ästhetisierenden Leiden Reinmars) die Forderung nach (möglicher) Gegenseitigkeit der Liebe entgegen, wobei die Skala von Liedern mit Anklängen an die Pastourelle und ihrer Darstellung der Liebe zu einer sozial nicht ausgezeichneten Frau in einer idyllischen Natur bis zu Liedern der eine 'Herrin' verehrenden 'Hohen Minne' reicht. Darüber hinaus gibt es differenzierende Lieder, die in der höfischen Sphäre bleiben, doch den Begriff Frau (wîp) über den Standesbegriff Herrin (frouwe) stellen und ein liebendes Entgegenkommen möglich erscheinen lassen. Eine 'Entwicklung' wird man trotz der verschiedenen Akzentuierung des Liebesthemas kaum annehmen können. Neben den Liebesliedern stehen Klagen über den Verfall rechter höfischer Kunst und Lieder mit religiöser Thematik, die v. a. dem Spätwerk angehören, darunter ein streng sakraler Marienleich, Lieder mit Kreuzzugsmotiven, Lieder des Rückblicks, Gedichte der Weltabsage.
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Beschreibung

Produktdetails


Einband Taschenbuch
Herausgeber Günther Schweikle, Ricarda Bauscke-Hartung
Seitenzahl 550
Erscheinungsdatum 01.01.1994
Serie Reclam Universal-Bibliothek 819
Sprache Deutsch
ISBN 978-3-15-000819-5
Verlag Philipp Reclam Jun.
Maße (L/B/H) 150/95/24 mm
Gewicht 248
Auflage 3. Auflage (verbessert und erweitert 2009)
Buch (Taschenbuch)
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