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NiWa aus Euratsfeld Unsere Top-BuchhändlerInnen

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Meine Bewertungen

Viraler Agenten-Thriller-Verschwörungs-Kram

NiWa aus Euratsfeld , am 20.06.2019

In Kenia erkranken zwei amerikanische Touristen an einem ebolaähnlichen Virus. In Deutschland erwacht ein Mann in einem Hotel. Er erinnert sich an nichts. In Atlanta wird eine Epidemologin des CDC nach Kenia gerufen. Eine Pandemie beginnt.

"Pandemie. Extinction 1" ist der Auftakt der Extinction-Reihe. Es handelt sich um einen Wissenschaftsthriller, der von Action und einer weltumspannenden Verschwörung geprägt ist.

Wenn ein Thriller von Viren, Epidemien oder gar Pandemien erzählt, ist sofort mein Interesse geweckt. Besonders wenn es um weltweite Krankheitsfälle geht, werde ich neugierig. Denn in der 'kleinen' Welt der Gegenwart, wundere ich mich, dass die Menschheit die Viren relativ gut im Griff hat. Ein Urlaubsziel hier, eine Geschäftsreise da - und ganz unscheinbar ist ein Virus im Gepäck.

Allerdings setzt Riddle weniger auf die Ausbreitung viraler Infekte sondern voll und ganz auf mysteriöse Verschwörungstheorien. Von diesem Hergang war ich schnell enttäuscht, aber vor diesem Kritikpunkt möchte ich beim Anfang beginnen:

In Kenia kommt es bei zwei amerikanischen Touristen zu einer Viruserkrankung, die der hiesige Arzt noch nicht gesehen hat. Zwar erinnern die Symptome an Ebola, doch die entsprechenden Tests sind negativ. Dennoch ist klar, dass die Krankheit hochansteckend und absolut tödlich ist.

Somit tritt der CDC auf den Plan. Dabei handelt es sich um eine Gesundheitsbehörde, die stets weltweit auf die Viren blickt. Epidemologin Payton Shaw wird mit ihrem Team nach Kenia geschickt, wo sie sich des Virus' annimmt.

Gleichzeitig erwacht ein Mann in einem Berliner Hotelzimmer, der sich bald als Protagonist der Handlung entpuppt. Er leidet unter dem Bourne-Syndrom. Man hat ihm sein Gedächtnis geraubt. Gleichzeitig verfügt er über Fähig- und Fertigkeiten, neben denen sogar James Bond alle Farbe verliert.

Auf Protagonist Desmond hätte ich von Vornherein verzichten können. Ich mag keine Superhelden-Allüren und die Bourne-Kiste habe ich schon lange durch. Desmonds Geschichte nimmt sehr viel Raum in diesem Thriller ein. In Rückblenden ist man von kleinauf in seinem Leben dabei. Man erfährt, wie seine Kindheit war, welche Schicksalsschläge er hinter sich hat, und warum dieser Mann ohne Gedächtnis aus ihm geworden ist. Es tauchen nach und nach mehr Erinnerungen auf, die den nächsten Schritt in der Handlung bereiten.

Die Handlung fokussiert sich also nicht auf die Pandemie sondern auf den Agenten-Thriller-Verschwörungs-Kram. Natürlich ist das vollkommen in Ordnung, ich hatte mir allerdings eine andere - realistischere - Richtung erhofft.

Aus unterschiedlichen Perspektiven erlebt man die Fänge der Verschwörung in Afrika, Europa und natürlich in den USA. Die Welt wehrt sich gegen den Virus und ist ihm zudem hilflos ausgesetzt. Dabei kämpfen die handlungstragenden Figuren gegen die Krankheit an, während sie den Hintergründen - aus Machtspielchen und Intrigen - auf die Schliche kommen.

Endgültig übertrieben hat der Autor meiner Meinung nach damit, dass nach und nach totgeglaubte Menschen auferstehen. Bei der ersten Person habe ich noch ein Auge zugedrückt, doch als sich dieses Verhalten spätestens beim zweiten Mal als Riddles Stilmittel zeigt, habe ich tatsächlich die Augen verdreht.

Regelrecht enervierend empfand ich die vielen Zufälle, damit die Geschichte im Endeffekt ein Gesamtbild ergibt. Meiner Meinung nach hätte sich dieser Thriller - gerade auf der Beziehungsebene - weniger Konstruktion und damit mehr Glaubhaftigkeit verdient.

Bevor mein Eindruck zur Schimpf-Tirade verkommt, muss ich unbedingt sagen, dass es mir trotzdem im Großen und Ganzen gefallen hat. Der Verschwörungshintergrund ist zwar nicht meins, das Gedankenspiel an sich fand ich dennoch interessant. Wenn ich über Actionheld Desmond hinwegsehe, und die Wiederauferstehungs-Rate außer Acht lasse, bleibt ein solider Thriller, der packend zu lesen ist.

Pandemie - Die Extinction-Serie 1 - A. G. Riddle
Pandemie - Die Extinction-Serie 1
von A. G. Riddle
(3)
eBook
Fr. 12.90

Die Borden-Morde

NiWa aus Euratsfeld , am 16.06.2019

Massachusetts 1892. Lizzie Borden findet ihren Vater zerstückelt auf dem Sofa liegen. Kurze Zeit später wird die Leiche ihrer Stiefmutter Abby gefunden. Die Opfer wurden mit einer Axt erschlagen. Doch wer außer Lizzie Borden kommt als Täter in Frage? Das Haus war abgeschlossen, ihre Schwester verreist, und das Dienstmädchen scheint ein Alibi zu haben.

"Seht, was ich getan habe" ist ein historischer Roman, der sich mit den Borden-Morden in Fall River, Massachusetts auseinander setzt. Die Erzählung beruht auf einer wahren Begebenheit und wurde von der Autorin in Szene gesetzt.

In der Ortschaft Fall River hat sich ein grausiger Doppelmord ereignet. Das Ehepaar Borden wurde ermordet in ihrem Haus aufgefunden. Die Bordens hinterlassen zwei erwachsene Töchter: Lizzie und Emma, wobei nur Lizzie als Täterin in Frage kommt.

Sarah Schmidt zieht dazu vier Perspektiven heran. Sie erzählt aus der Sicht von Lizzie, Emma, Bridget und Benjamin.

Lizzie Borden ist die jüngere Schwester und zum Zeitpunkt der Morde um die 30 Jahre alt. Sie findet den Leichnam ihres Vaters. Sein Gesicht ist blutüberströmt, viele Züge sind gar nicht mehr vorhanden, wutentbrannt muss der Täter auf ihn losgegangen sein.

Emma Borden ist derweil bei einer Freundin zu Gast. Die ältere der Borden-Schwestern kehrt sofort ins Elternhaus zurück als sie von dem Unglück erfährt.

Bridget, das Hausmädchen, hat nichts Ungewöhnliches im Haus bemerkt. Sie ist mit ihrem eigenen Leid, dem Heimweh nach Irland, beschäftigt, und versucht, so rasch wie möglich den Fängen der Bordens zu entkommen.

Benjamin ist ein Vagabund. Er schleicht um das Haus der Bordens herum, weil er den Vater die Leviten lesen soll. Diesen Auftrag hat er vom Onkel der Borden-Schwestern erhalten.

Anhand dieser Figuren taucht man in die Atmosphäre im Hause Borden ein. Als Leser sieht man die Ereignisse aus der Sicht von Lizzie und Emma, wobei sich mir nur ein vages Bild ergeben hat. Die Autorin versucht die Beziehung zwischen den Schwestern, innerhalb der Familie und die Stimmung im Haus einzufangen. Was ihr meinem Empfinden nach nicht gelungen ist. Sämtliche Erlebnisse und Gedanken sind nebulös, teilweise sogar abstrakt, und haben auf mich einen verschwommenen Eindruck gemacht.

Die Schwestern empfand ich als bizarr, weil sie als erwachsene Frauen beim Vater und der Stiefmutter leben. Leider gibt es nicht einmal ansatzweise eine Erklärung dafür. Es wird zwar eine starke Bindung zwischen Lizzie und Emma in den Raum gestellt, diese wird jedoch durch ihre beschriebenen Gedanken widerlegt, was für mich nicht nachvollziehbar ist.

Die Figur Benjamin scheint frei erfunden. Sie symbolisiert wohl eine unbekannte Ereigniskette, die es genauso gut gegeben haben kann. Denn immerhin wurde Lizzie Borden vom Gericht frei gesprochen. Wenn sie es nicht gewesen ist, dann muss ein Unbekannter ins Haus eingedrungen sein.

Bridgets Rolle ist mir nicht klar. Einerseits sorgt sie dafür, dass die Familie Borden als Ganzes betrachtet wird, andrerseits bietet ihre Perspektive weder Erklärungen noch Einblicke, die ein deutlicheres Bild ergeben.

Zusätzlich irritiert haben mich Sonderbarkeiten, wie zum Beispiel, dass die ganze Familie eine Lebensmittelvergiftung hat, und weiterhin munter von der verdorbenen Hammelsuppe isst. Danach kotzen sie alles aus, nur um wieder die ranzige Brühe zu löffeln. Diese Hammelsuppe steht so zentral im Raum, dass ich mich frage, ob sie als Sinnbild für die Verdorbenheit der Familie steht.

Obwohl ich etliche Kritikpunkte äußere, habe ich das Buch gern gelesen. Der Ablauf der Ereignisse war - trotz manch traumähnlicher Einschübe - fesselnd und lesenswert, ich hatte mir aber eine konkretere, handfestere Geschichte erhofft.

Unterm Strich ist „Seht, was ich getan habe“ ein historischer Roman, der die Morde am Ehepaar Borden und die mögliche Täterschaft der Tochter Lizzie aus den Perspektiven unmittelbar Beteiligter thematisiert. Es bleibt ein interessantes Gedankenspiel mit historischen Eckdaten, das mich trotz fesselnder Momente nicht völlig überzeugt.

Seht, was ich getan habe - Sarah Schmidt
Seht, was ich getan habe
von Sarah Schmidt
(34)
Buch (gebundene Ausgabe)
Fr. 29.90

Achtbare Fortsetzung

NiWa aus Euratsfeld , am 15.06.2019

In Chicago sind die Winter kalt. Daher herrschen hier seit Monaten arge Minustemperaturen, die selbst umliegende Gewässer zufrieren lassen. Eine eingefrorene Mädchenleiche wird in einem See entdeckt. Doch wie kann es sein, wenn das Mädchen erst wenige Wochen verschwunden ist? Ist The-Fourth-Monkey-Killer wieder am Werk?

"Das Mädchen im Eis" ist der zweite Teil der Reihe um den Four Monkey Killer oder 4MK genannt, der mit seinen Opfern knallharte Spielchen spielt.

Ich habe zu diesem Buch gegriffen, weil mich der erste Band absolut begeistert hat. Darin gibt 4MK sein Debüt als Serienkiller, der Leser lernt den Hauptermittler Porter kennen, und J. D. Barker weiß mit gekonntem Erzählstil, geschickten Perspektiven und ungewöhnlicher Dynamik durch das Tagebuch des Killers zu überzeugen.

Diesmal wird eine Mädchenleiche in einem zugefrorenen See gefunden. Was auf den ersten Blick - bis auf den abscheulichen Tatbestand - nicht ungewöhnlich wirkt, wird bei genauerer Betrachtung äußerst mysteriös. Ella Reynolds - die Leiche - ist erst wenige Wochen vermisst, während der See bereits monatelang zugefrorenen ist.

Allein schon dieses Rätsel gemeinsam mit der Polizei zu lösen hat mir großen Spaß gemacht. Es wird eifrig analysiert, Theorien werden aufgestellt, neue Indizien kommen hinzu, bis sich ein Steinchen ins andere fügt, und ein überzeugendes Mosaik ergibt.

Im Gegensatz zum ersten Fall kommt 4MK kaum zu Wort. Mir haben bei "The Fourth Monkey. Geboren, um zu töten" im Besonderen die Tagebucheinträge gefallen. Sie hatten ein bisschen Coming-of-Age-Charakter auf düsterem Niveau. Darauf muss man diesmal verzichten, obwohl es relativ spät in der Story zu einer ähnlichen Herangehensweise des Autors kommt.

Ermittler Sam Porter rückt in den Mittelpunkt. Diesmal zieht er sein eigenes Ding durch, wobei er zum Glück weitab von den gängigen Klischees unterwegs ist. Man erfährt mehr über seine Motivation, seine Geschichte und wie es ihn zur Polizei von Chicago getrieben hat. Diese Zwischentöne sind exzellent eingebaut, ohne den Schwung aus der eigentlichen Handlung zu nehmen.

Die Handlung entspricht einem großartigen Thriller, der von der Serienmörderjagd, interessanten - wenn auch grausigen - Ereignissen und mysteriösen Fragen lebt. Mir hat's etwas an spannenden Wendungen gefehlt, die mir am ersten Teil imponiert haben. Der Autor hat sich zwar redlich Mühe gegeben und einen soliden Thriller geschrieben, kann aber mit seiner Steilvorlage am Reihenbeginn nicht ganz mithalten.

Wen dieses Buch interessiert, muss unbedingt wissen, dass 4MK nichts für empfindliche Leser ist. Es gibt abstoßende Verstümmelungen, Grauen erregende Leichenfunde und abscheulich-ausweglose Situationen, die man aus der Opfer-Perspektive erlebt.

Schlussendlich ist „Das Mädchen im Eis“ eine achtbare Fortsetzung, die durch den Rätsel-Charakter und die Zwischentöne der Figuren zu überzeugen weiß. Wer 4MK bereits kennt, sollte sich seinen weiteren Werdegang nicht entgehen lassen.

Bisher in der The-Fourth-Monkey-Reihe erschienen:
1) The Fourth Monkey. Geboren, um zu töten
2) Das Mädchen im Eis. The Fourth Monkey

The Fourth Monkey - Das Mädchen im Eis - J. D. Barker
The Fourth Monkey - Das Mädchen im Eis
von J. D. Barker
(16)
Buch (Paperback)
Fr. 15.90

Brutaler Hardcore-Thriller

NiWa aus Euratsfeld , am 10.06.2019

In Houston, Texas geht ein Serienkiller um. Der Houston Hacker metzelt auf brutal-bestialische Weise - sodass selbst den beteiligten Ermittlern die Luft wegbleibt. Die Jagd nach dem blutrünstigen Mörder beginnt.

Als Leser steigt man fast augenblicklich bei Tod, Blut und Gewalt ein. Während kurz die aktuelle Situation in Houston beschrieben wird, befindet man sich auch schon an der Seite des Killers. Eine Besonderheit dieses Werks ist, dass der Killer selbst zu Wort kommt. Es wird in unterschiedlichen Perspektiven erzählt, und dem Houston Hacker wird ein eigener Part eingeräumt.

Dennoch hatte ich keine Ahnung, wer der Houston Hacker ist. Denn es könnte tatsächlich jeder der Beteiligten sein.

Hanson ist die Hauptfigur. Dem altgedienten Ermittler gehen die Morde zu Herzen, beim Anblick der Opfer dreht sich sein Magen um. Wahrscheinlich liegt es daran, dass er selbst Familie - eine Frau und eine Tochter - hat.

Joe ist Hanson als Partner zur Seite gestellt. Der Polizist durchdenkt den Fall und wundert sich, warum die Morde Hanson gar so an die Nieren gehen.

Journalist Barlowe profitiert eindeutig vom Geschehen. Er schreibt eine Krimi-Kolumne im hiesigen Blatt, und es ist von Vorteil, dass ihm der Houston Hacker Briefe schickt.

Lansdale balanciert das Dreieck aus Täter, Polizei und Journalismus gekonnt aus - ohne dabei einen typischen Thriller zu schreiben. Obwohl die Handlung nicht neu erfunden ist - denn er lehnt sich offensichtlich an Jack the Ripper an - setzt er seine Figuren perfekt in Szene, sodass hoher Nervenkitzel allein aufgrund des Rätselns besteht. Wenn man dezente Hinweise, Situationen und Bemerkungen durchdenkt, merkt man sofort, dass hier kein roter Faden in Richtung eines bestimmten Täters besteht. Bis zum Ende hin ist es Spannung pur, mit der Lansdale seine Leser fängt.

An dieser Stelle muss ich unbedingt vor den brutalen Szenen warnen. Joe R. Lansdale ist ein facettenreicher Autor, ein beispielloser Schriftsteller, der dem Mainstream mit jedem Werk den Stinkefinger zeigt. Diesmal besticht er nicht durch Humor, sondern lässt den Leser durch Blut und Eingeweide waten - was für den Hardcore-Faktor dieser Story steht.

Schon im Vorwort weist Andrew Vachss darauf hin, dass der Leser ein blutrünstiges Werk in den Händen hält:

„Sollten Sie auf der Suche nach etwas Nettem sein, suchen Sie weiter“. (S. 7)

Denn Lansdale schreibt bildgewaltig und drastisch. Metallener Geschmack breitet sich aus, der Geruch der Eingeweide haftet an den Fingern und das Blut tropft zähflüssig zwischen den Seiten hervor. Und damit sind eher die harmloseren Szenen gemeint, weil einem bei den wirklich schlimmen Abschnitten tatsächlich der Appetit vergeht.

„Akt der Liebe“ ist Lansdales Debüt. Schon damit hat er gezeigt, dass er sich keinem Genre ergeben will. Obwohl es von der Handlung her ein klassischer Serienkiller-Thriller ist, hebt er sich durch bestialisch-blutige Details und einem filmreifen Showdown von anderen Romanen des Genres ab.

Meiner Meinung nach ist dieses Werk eher für robuste Leser geeignet, die nicht unbedingt den charakteristischen Thriller bevorzugen, sondern dem Außergewöhnlichen eine Chance geben.

Akt der Liebe - Joe R. Lansdale
Akt der Liebe
von Joe R. Lansdale
(7)
eBook
Fr. 9.90

Ein China-Krimi

NiWa aus Euratsfeld , am 07.06.2019

Mitten im Innenhof des Zentralen Theaterinstituts in Peking stürzt eine Studentin vom Dach eines Wohnheims herab. Eindeutig ist, dass es kein Selbstmord war. So ermittelt Kommissarin Xiang in ihrem ersten Fall in der Pekinger Mordkommission.

Es stellt sich heraus, dass Mordopfer Xian Fang ein zweites Gesicht hatte, das Kommissarin Xiang in das Pekinger Rotlichtmilieu bis hin zu hochrangigen politischen Akteuren führt. Für Xiang steht ihre Karriere auf dem Spiel, während sie immer tiefer in die Geschichte des Mordopfers gerät.

In "Beijing Baby" steht nicht die Krimihandlung im Mittelpunkt, sondern dieser Roman lebt von der lebendigen chinesischen Kulisse, die fernab von gängigen Klischees an den Leser vermittelt wird.

Volker Häring bedient sich drei zentraler Figuren, anhand dieser ein Blick auf das gegenwärtige China geworfen wird.

Xiang ist frisch von der Provinz in die chinesische Hauptstadt gekommen. Hier arbeitet sie mit dem altgedienten Kollegen Wang zusammen, welcher den ehrwürdigen Traditionen der Mao-Zeit hinterher trauert. Xiang und Wang könnten gegensätzlicher nicht sein. Die junge Frau Xiang steht für die Moderne, das Neugierige und Offene, während der alte Wang mit eigenbrötlerischem Charme in seinen Traditionen verwurzelt ist.

Hinzu kommt der deutsche Student Phillip, der am Zentralen Theaterinstitut studiert. Er nimmt nicht nur eine tragende Rolle in der Krimi-Handlung ein, sondern hilft dem westlichen Leser, die chinesische Kultur zu verstehen, weil seine Perspektive viele Gepflogenheiten erklärt.

Anhand dieser Figuren-Konstellation schafft Volker Häring ein reges Bild des Pekinger Lebens, des Alltags und der Arbeit des Polizei-Apparats. Häring thematisiert den Generationenkonflikt, die Schnelllebigkeit und sprachliche Entwicklungen genauso wie politische Veränderungen, Einmischungen und Vorschriften.

Besonders gut hat mir der Einblick in die chinesische Online-Welt gefallen. Es ist für mich kaum vorstellbar, dass die Chinesen mit dem Internet auf vorgegebene Dienste beschränkt sind. Egal ob Google, Facebook oder Tinder - für diese Services gibt es ein chinesisches Pendant, das seine Bürger vor westlichem Einfluss schützt.

Wie bereits erwähnt, ist der kriminalistische Anteil des Romans eher bescheiden, und fängt ausschließlich die Stimmung des chinesischen Lebens ein. Obwohl Xiang und Wang ermitteln, haben sie rasch die Decke erreicht, weil sie auf politischen Widerstand stoßen. Ihre Arbeit ist auf wenige Verhöre, verzweifelte Mutmaßungen und übermütige verdeckte Ermittlungen beschränkt, die eher durch Zufall als durch Können zu einer Spur führen.

Nichtsdestotrotz hat mir dieser China-Krimi richtig gut gefallen. Ich mochte den Einblick ins chinesische Denken, die Art und Weise wie diese Gesellschaft ihre Kultur zwischen Tradition und Moderne lebt, und ich habe das Hintergrundwissen als ansprechend und aufschlussreich empfunden.

Wer sich für die chinesische Kultur interessiert oder polizeiliche Ermittlungen außerhalb der westlichen Normen anstellen will, dem kann ich „Beijing Baby“ auf jeden Fall empfehlen, weil es informativ und gut zu lesen ist.

Beijing Baby - Volker Häring
Beijing Baby
von Volker Häring
(7)
eBook
Fr. 13.00

Panther und Löwe

NiWa aus Euratsfeld , am 04.06.2019

Markus ist ein Jäger, der in einschlägigen Nachtclubs auf der Pirsch nach williger Beute ist. Bis er in die Augen eines anderen Jägers blickt, und ein spannendes Spiel beginnt.

Mit "Irgendwie Top" hat Chris P. Rolls einen intensiven Gay-Romance-Roman geschrieben, der den Leser mitten in die prickelnde Jagd von gefährlichen Raubtieren versetzt.

Markus ist jedes Wochenende auf der Jagd. Ein One-Night-Stand reiht sich an das andere. Dank seines guten Aussehens ist ihm willige Beute gewiss. Doch dann fällt ihm der attraktive Alex auf, der ebenfalls ein Jäger ist.

Ab sofort geht ihm der anziehende Mann nicht mehr aus dem Kopf. Kann es sein, dass er selbst zur Beute wird? Ein knisterndes Spiel zwischen Löwe und Panther beginnt, das nicht nur die beiden Männer bannt, sondern auch den Leser von der ersten Begegnung an in den Fängen hat.

Ich weiß kaum, wo ich beginnen soll. Mir hat es extrem gut gefallen, wie langsam und ausführlich die Annäherung zwischen Markus und Alex beschrieben ist. Anfangs kratzt man als Leser an der Oberfläche und dringt mit jedem weiteren Kapitel weiter in die Charaktere vor. Die Männer lernen sich kennen, verstehen, und sind sich anfangs sicher, dass sie gemeinsam auf Jagd gegangen sind. Aber dann lädt sich die Stimmung auf, es knistert bei jedem Atemzug und die Funken sprühen, sobald sie sich gegenüberstehen.

Die Handlung wird aus Markus' Perspektive erzählt, der neben der ungewohnten sexuellen Anziehung seinen Lebensentwurf zu überdenken hat. Zum ersten Mal fragt er sich, wie es wohl ist, eine Beziehung zu haben, einem Partner zu vertrauen, und sich vollkommen auf einen anderen Menschen einzulassen. Gleichzeitig traut er Alex nicht, der vielleicht nur den anderen Jäger erlegen und damit imponieren will.

Auf diese Weise spannt sich die gesamte Handlung über die Annäherung zweier Raubtiere, die sich gegenseitig die Krallen zeigen, die Lefzen hochziehen und gefährlich die Zähne blecken. Autorin Chris P. Rolls hat aus der Liebesgeschichte dieser Männer tatsächlich ein fesselndes Spiel zwischen Panther und Löwen kreiert. Zwei ebenbürtige Gegner stehen sich gegenüber und erkennen, dass sie gar keine Feinde sondern sogar viel mehr als Freunde sind.

Diese Stimmung ist großartig und packend beschrieben. Rolls lässt den Leser Zweifel, Sehnsucht und Ängste der Figuren spüren, gibt ihnen einen sanften Stups, bringt sie zum Schnurren, nur um zwischendrin die Krallen zu wetzen.

Dabei hat sie ihre Figuren menschlich und glaubhaft kreiert. Markus und Alex reagieren überfordert auf die ungewohnte Situation, lassen sich im Liebestaumel nach und nach darauf ein, und entdecken, dass Liebe viel mehr als Sex sein kann.

Es gibt nur einen Punkt, der mich gestört hat. Markus pflegt deplatzierten Umgang mit seinem Bruder Tim, was mir einfach nicht gefällt. Hier hat die Autorin meinem Empfinden nach übertrieben, und der Story zu viel Drama verliehen.

Unbedingt anmerken muss ich noch, dass es sich bei dieser Love-Story um Romantik zwischen Männern mit expliziten Szenen handelt. Die erotischen Passagen sind meiner Meinung nach geschmackvoll beschrieben, und weder obszön noch vulgär umgesetzt.

Wer sich auf die intensive Liebesgeschichte zweier Raubkatzen einlassen will, sollte sich unbedingt mit Panther und Löwe auf Jagd begeben, weil es ein packendes Leseerlebnis und eine richtig schöne Story ist.

Irgendwie Top - Chris P. Rolls
Irgendwie Top
von Chris P. Rolls
(1)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 26.90

Abrupte Kapitel & spannender Stil

NiWa aus Euratsfeld , am 31.05.2019

In Berlin treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Er erdrosselt seine Opfer und lässt sie als befremdliche Kreation zurück. Die Opfer stehen in keiner Verbindung zueinander. Einzig, ein dezenter Hinweis zeigt der Polizei, wer als Nächstes an der Reihe ist.

Rebecca schaut einer glücklichen Zukunft entgegen. Sie ist jung und verliebt. Das Leben könnte schöner nicht sein. Bis sie die Lügen ihres Lebensgefährten entdeckt, und in ihr eine schreckliche Vorstellung keimt.

"Stille Schwester" ist der zweite Teil um Kommissar Henry Frei, der in Deutschlands Hauptstadt ermittelt. Gemeinsam mit seiner Kollegin Louisa Albers ist er diesmal dem niederträchtigen Serienmörder auf der Spur.

Die Handlung ist in zwei hauptsächliche Erzählstränge aufgeteilt. Im Zentrum stehen Ermittler Henry Frei und wie er sich durch seinen Berufsalltag quält. Gemeinsam mit Louisa Albers ermittelt er in dem Fall um diesen Serienmörder, der für die Polizei einen direkten Hinweis auf das nächste Opfer hinterlässt. Dennoch schafft es die Polizei nicht, den Killer zu stellen. Eine Tatsache, die den Berliner Beamten ordentlich zu knabbern gibt.

Martin Krist platziert den Leser so, dass man sich wie ein stiller Beobachter fühlt. Beim Lesen habe ich das Gefühl, in den authentischen Polizei-Alltag einzutauchen. Es gibt keine Superhelden, keine unnatürlichen Action-Szenen und auch ein absolut überlegener Bösewicht ist nirgends zu sehen. Dennoch ist der Krimi fesselnd und packend erzählt, weil Krist gekonnt mit den Erzählsträngen spielt, und auch nicht das Privatleben des Protagonisten nach Schema F erzählt.

Henry Frei ist glücklich verheiratet und hat zwei Kinder. Ich freue mich sehr, dass diese Figur nicht dem gängigen Krimi-Klischee entspricht. Dabei ist sein Privatleben mit feinen Besonderheiten ausgeschmückt, die interessant zu lesen sind und der Figur an sich Lebendigkeit verleihen.

Die Nuancen des Arbeitsalltags sind geschickt verarbeitet. Es gibt genau so viele Zwischentöne, wie die Story braucht, um glaubhaft zu sein. Deshalb hatte ich wohl auch das Gefühl, auf der Rückbank des Wagens zu sitzen, während Albers und Frei ihre nächste Station ansteuern.

Der zweite Erzählstrang stellt Rebecca in den Vordergrund. Der jungen Frau liegt die Welt zu Füßen, bis sie ihren Irrtum bemerkt. Anfangs glücklich verliebt, später von Zweifeln geplagt, geht sie - glaubwürdig illustriert - ihren Alltag an.

Die Krimi-Handlung an sich ist nicht neu, profitiert aber deutlich von Krists erfrischendem Stil. Wie schon erwähnt, schwenkt man zwischen den Hauptsträngen hin- und her, was das Spannungslevel auf eine packende Stufe hebt. Man suchtet von einer Seite zur nächsten und es wird einen aufgrund der abrupten Kapitelübergänge keine Pause gegönnt.

Am Schluss wird das Gesamtbild schlicht in Szene gesetzt, und die Handlung endet von einem Moment auf den anderen. Es ist tatsächlich so, als ob Krist dem Leser die Tür vor der Nase zuknallt. Mir gefällt’s.

Weniger gefallen hat mir, dass manche Punkte ins Leere verlaufen sind. Einerseits bleibt dadurch Raum für den nächsten Teil. Andrerseits waren es Kleinigkeiten, die mich brennend interessiert hätten, und die wahrscheinlich nicht weiter ausgearbeitet werden.

Dennoch stehen die spannende Handlung, der fesselnde Stil und die abrupten Kapitel für ein besonderes Krimi-Erlebnis, das ich definitiv empfehlen kann.

Stille Schwester - Martin Krist
Stille Schwester
von Martin Krist
(5)
eBook
Fr. 4.90

Ausuferndes Insel-Setting

NiWa aus Euratsfeld , am 30.05.2019

Noa liegt am Strand einer paradiesischen Insel. Seine Freundin Selina ist direkt neben ihm. Und sie stirbt.

"Die Insel" läuft unter dem Label Horror-Roman, der meiner Meinung nach nicht hält, was das Genre an sich verspricht.

Noa ist am Strand dieser Insel wie aus dem Urlaubsprospekt: Der feine Sand, die Palmen, das Rauschen des Meers, unter der Oberfläche das bunte Korallenriff - es könnte paradiesischer nicht sein. Wenn seine Freundin Selina neben ihm nicht im Sterben läge, und das norwegische Paar nicht allein auf dieser Insel wäre.

Steen Langstrup schnappt sich ein atemberaubendes Setting, bei dem die Lust auf den Urlaub kommt. Der Strand, die Korallen, die salzige Prise vom Meer, der Geruch nach Sonnenmilch und tropische Temperaturen laden zum Träumen ein. Doch rasch wandelt er das traumhafte Ambiente in einen horrormäßigen Albtraum um: Das norwegische Paar wird allein auf der Insel zurückgelassen, während Selina eindeutig im Sterben liegt!

Nach Selinas Tod - kein Spoiler, weil Selina auf der ersten Seite stirbt - wird Noa von den hiesigen Behörden in Verwahrung genommen. Die Mär von der Korallenvergiftung kauft ihm keiner ab. Sie wissen nicht, wie er zur Insel gekommen ist. Und eine Mitarbeiterin vom norwegischen Konsulat setzt alle Hebel in Bewegung, um ihm die Todesstrafe zu ersparen.

Der Horror-Charakter der Story findet sich auf zwei Ebenen. Zuerst liegt es am realistischen Hergang, der wohl jedem Urlauber Angst einjagt: Ein Unglück geschieht und man findet sich im Gefängnis in einem Land, wo es die Todesstrafe gibt. Zudem baut Langstrup am Ende einen weiteren genreüblichen Horror-Effekt ein, der mich leider nicht mehr überzeugen konnte.

Die Geschichte um die Insel selbst nimmt den größten Raum in der Handlung ein. Langstrup verliert sich in detaillierte Beschreibungen des Strands, des Korallenriffs und beim Lesen hatte ich das Gefühl, mir wird jedes Sandkorn persönlich vorgestellt.

Außerdem werden zentrale Szenen ständig wiederholt. Wer dieses Buch nicht gelesen hat, kann sich kaum vorstellen, wie oft man Selina beim Sterben zusieht beziehungsweise wie häufig Noa ihre Leiche beschreibt. Schauderhaft! Die Handlung kommt dadurch nicht voran.

Gut gefallen haben mir die Gesprächssituationen mit der Mitarbeiterin vom Konsulat. Damit kam etwas Schwung ins Geschehen, das Interesse wird geweckt und man möchte schon wissen, wie es weitergeht.

Nachdem ich den Strand dieser Insel in seinen Facetten bewundern durfte und ich gespannt auf den abschließenden Verlauf der Story war, wurde mir der Schluss vor die Füße geworfen. Und das war's. Ich hatte das Gefühl als ob ich mit einer Schaufel niedergeschlagen werde, als ich beim Wörtchen 'Ende' angekommen bin.

Das Buch besteht nicht nur aus Noas Verzweiflung und Selinas Tod, sondern es sind weitere Kurzgeschichten des Autors angefügt. Diese Geschichten sind alle gleich aufgebaut: Eine langgezogene Handlung, die nur mäßig die Spannung hält, und ein plumpes Ende, das eher irritiert statt fasziniert.

Steen Langstrup wird oftmals mit Stephen King verglichen. Diesem Vergleich hält er meiner Meinung nach nicht Stand. Während King durch seinen detaillierten Stil in die Tiefe geht, bleibt Langstrup mit ausufernden Beschreibungen an der Oberfläche hängen - was an Langeweile kaum zu überbieten ist.

Ich finde es schade, dass ich das Buch nicht besser bewerten kann, weil ich es so gerne mögen wollte, und die Idee an sich richtig gut finde.

Alles in allem kann ich diesmal keine Empfehlung aussprechen, außer an Leser, die sich Langstrups Insel unbedingt genauer ansehen wollen.

Die Insel - Steen Langstrup
Die Insel
von Steen Langstrup
(5)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 15.90

Ein düster-fesselnder Roman

NiWa aus Euratsfeld , am 26.05.2019

Nachts wird Emely von Dämonen geplagt. Weder die Schrecken ihrer Kindheit noch die religiöse Obsession ihres Vaters lässt sie zur Ruhe kommen. Obwohl diese Zeit hinter ihr liegt, schafft sie es nicht, den boshaften Nachtmahr zum Schweigen zu bringen. Als das Schicksal erneut seinen dunklen Schatten über ihr Leben wirft, gerät die Jugendliche völlig aus der Bahn.

"Nachtangst. Das Wesen der Stille" ist ein feiner Horror-Roman und das Debüt-Werk von Emely Dark, die sich in diesem Buch selbst als Protagonistin sieht.

Die relativ komplexe Geschichte beginnt mit Emelys Kindheit. Als Leser lernt man die Schrecken dieser jungen Jahre kennen: Den gewalttätigen, wahnhaft religiösen Vater, die nächtlichen schaurigen Besucher und Emelys Angst, die sich in jeder Faser ihres Körpers festsetzt.

Als Jugendliche scheint sie dieser Zeit entkommen und langsam entwachsen zu sein. Dem Vater entflohen, ein neues Leben in Sicht, schließt sie Freundschaften und verliebt sich. Doch gerade noch im siebenten Himmel, schlägt sie ein brutaler Schicksalsschlag nieder, der ihr Furcht und Wahn eindringlich spüren lässt.

Protagonistin Emely ist ein faszinierender Charakter. Zurückgezogen, desillusioniert, teilweise ernüchtert, und dennoch hoffnungsvoll geht sie ihren Weg im Leben an. Egal, wie sehr sie versucht, ein normaler Teenager zu sein, die religiösen Wahnvorstellungen über Hexen, Wiedergänger und Satanismus ihres Vaters, holen sie ständig ein.

Das Mädchen sehnt sich nach Stille und Geborgenheit, wird aber nachts von schaurigen Träumen und Visionen bedroht. Dieser Teil nimmt den Horror-Aspekt des Geschehens ein, der sich teilweise in Emelys Realität streckt.

Die Handlung ist ungewöhnlich und komplex. Neben Emelys Kindheit, geht es um ihre Familie, wie sie die Beziehung zu ihrem Vater verdaut, und trotz ihres Versuchs ein normales Leben zu führen, sie teils gruselige Mystik davon abzuhalten bedroht.

Autorin Emely Dark geht damit speziell auf Jugendliche am Rand allseits beliebter Cliquen ein. Sie thematisiert das schüchterne Mädchen ebenso wie den verwahrlosten Jungen, wobei sie zeigt, warum diese Menschen so geworden sind. Gleichzeitig versucht sie, ihre Figuren auf einen guten Weg zu bringen, und ihnen die Richtung in ein besseres Leben zu weisen. Trotzdem gibt es keinen Kitsch und kaum ein Klischee, sondern es liest sich erfrischend neu, weil sie das Thema sehr geschickt in Szene setzt.

Ganz ohne Kritik komme ich nicht aus. Manche Situationen wurden mir zu gewollt herbeigeführt, und mancher Übergang war für mich nicht nachvollziehbar. Zum Beispiel verstehe ich nicht, warum Emely überhaupt nicht mit ihrer Mutter über ihr Leben spricht.

Die Stimmung ist düster wie fesselnd zugleich. Emelys Ängste, Erwartungen und Hoffnungen, wie ihre Gefühlswelt sind absolut greifbar umgesetzt. Mich hat ihre Geschichte fasziniert, leicht gegruselt, und aufgrund des interessanten, ungewöhnlichen Plots beeindruckt.

Die Autorin hat für ein Debüt einen bemerkenswert flüssig-genialen Schreib- und Erzählstil bewiesen. Stellenweise hat sie mich an den Meister des Horrors persönlich erinnert, weil sie bildliche Vergleiche zieht und ihren Figuren Leben verleiht, was mich die Story nicht nur erleben sondern spüren lässt .

Im Endeffekt habe ich in „Nachtangst. Das Wesen der Stille“ einen auffallend prägnanten Horror-Roman gefunden, der aufgrund des ungewöhnlichen Plots sowie der düster-fesselnden Atmosphäre ein faszinierendes Werk und daher lesenswert ist.

Nachtangst - Das Wesen der Stille - Emely Dark
Nachtangst - Das Wesen der Stille
von Emely Dark
(6)
eBook
Fr. 3.40

Unter Paris

NiWa aus Euratsfeld , am 25.05.2019

Unter der Metropole Paris gibt es einen Ort, der die Dunkelheit birgt. Die Katakomben ziehen Abenteurer, Unternehmungslustige und Urban Explorers mit ihren finstren Gängen an. Weit über 400 Kilometer soll sich das unterirdische Tunnelsystem unter Paris erstrecken, wo sich auch manch abgrundtiefes Geheimnis verbirgt.

"Die Katakomben" ist als Teil der Reihe um die beängstigendsten Orte der Welt erschienen. Die Bände der Reihe können unabhängig voneinander gelesen werden.

Jeremy Bates hat mit diesem Horrorthriller das unterirdische Tunnelsystem von Paris ins Zentrum der Handlung gestellt, wo neben hunderte Jahre alter Gebeine neugieriges Leben herrscht, Partys gefeiert werden und sich mancher Waghalsige im eigenen Tod verirrt.

Dafür lässt der Autor eine Gruppe junger Menschen in die Katakomben steigen, weil sie dem Inhalt beziehungsweise die Besitzerin einer geheimnisvollen Videokamera auf den Grund gehen wollen.

Protagonist und Amerikaner Will wird von seiner französischen Bekanntschaft Danièle überredet, runter in die Katakomben zu steigen. Ihr Freund Pascal hat im Untergrund dieses schaurige Video gefunden, dem sie auf der Spur sind. Außerdem ist Kanadier Rob dabei, der ebenso neugierig auf die altehrwürdigen Kellerräume der französischen Metropole ist.

Nachdem der Grundstein der Handlung gelegt ist, gleitet das Vierergespann in die Katakomben ab. Gleich zu Beginn merkt man, dass unter der Stadt ordentlich Trubel herrscht, und die unterirdischen Gänge, Säle und Bauten laufend Besuch erhalten.

Diese Katakomben-Stimmung fängt Jeremy Bates authentisch ein. Als Leser erkundet man interessiert das nächtliche Treiben, begegnet mysteriösen Gestalten, neugierigen Kundschaftern und regelrechten Irren, die es sich da unten gemütlich machen.

Der Autor hat damit ein besonderes Gefühl für die Pariser Katakomben vermittelt. Mit Will schlängelt man sich durch sogenannte Katzenlöcher - ganz enge Passagen, bei denen man schon die Luft anhält - oder steht mitten in prunkvollen Sälen, wo einst Orgien gefeiert wurden.

Doch je weiter das Vierergespann nach vorne dringt, desto abgeschotteter sind sie von der Außenwelt. Dabei entdecken sie die Ursache alter Mythen und Legenden, ungeahnte Türen, natürlich eine Menge Gebeine, und stoßen auf ein abgehalftertes Geheimnis, das für den Horror-Anteil der Story steht.

Leider lässt die Handlung zu wünschen übrig. Obwohl anfangs die drückende Atmosphäre für Lesevergnügen sorgt, hat der Autor meiner Meinung nach nicht die Kurve gekriegt. Schon zur Mitte hin wird das 'Geheimnis' der Katakomben auf dem Silbertablett präsentiert, das noch dazu absolut lächerlich wirkt. Lässt man sich darauf ein, kann man dem Showdown noch eine angenehme Lesezeit abgewinnen, auch wenn der gesamte Ablauf weit hergeholt ist.

Neben der exzellenten Grundidee hat mir der Erzählstil gefallen. Einerseits lässt Bates seine Hauptfigur Will zu Wort kommen, ebenso geht er auf die Perspektiven der anderen Beteiligten ein, was die Lesedynamik antreibt. Zudem werden Zeitungsberichte eingestreut, die ein realistisches Bild der Gefahren abbilden und manchen Mythos in den Raum stellen.

„Die Katakomben“ kann ich zwar nicht aufgrund der Handlung empfehlen, trotzdem macht es Spaß, das unterirdische Paris zu erkunden. Wer sich auf dunkle Gänge, jahrhundertealte Gebeine und übertriebenen Horror einlassen kann, wird trotz besagter Kritik vergnügliche Lesestunden haben.

Die beängstigendsten Orte der Welt:
1) Suicide Forest
2) Die Katakomben

Die Katakomben - Jeremy Bates
Die Katakomben
von Jeremy Bates
(2)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 21.90

 
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