Warenkorb
 

Bewerter

Bibliomarie aus Düsseldorf Unsere Top-BuchhändlerInnen

Gesamte Bewertungen 507 (ansehen)


Meine Bewertungen

Ein spannender Ostseekrimi

Bibliomarie aus Düsseldorf , am 20.06.2019

Der Tod einer Frau erschüttert Boltenhagen und die Region. Es ist tragisch, war sie doch Patientin in einer Krebsklinik und es schien, sie hätte die Krankheit besiegt um nun einem Mörder in die Hände zu fallen.


Da es zwei ähnlich gelagerte Fälle gibt, wird Dr. Ernst Bender – auf seinen Titel legt er großen Wert – aus Schwerin in die kleine Gemeinde beordert. Wie es der Zufall will, die Polizeipsychologin Ruth Keiser verbringt hier einen Arbeitsurlaub um ihr Buch abzuschließen. Außerdem hat sich der Norderneyer Kollege Martin Zieger zusammen mit seiner Lebensgefährtin im kleinen Ferienpark eingemietet. Die Welt ist manchmal klein, aber hier wird das zufällige Aufeinandertreffen zum Glücksfall.


Der Ostsee Krimi „Letzte Hoffnung Meer“ bietet ein ganzes Spektrum an Emotionen. War doch das Opfer Patientin in einer der Reha Kliniken für Krebspatienten, wo Hoffnung und Verzweiflung dicht beieinander liegen. Gekonnt werden die Gefühle beschrieben, wenn der Arzt den Patienten die Diagnose mitteilen muss, oder wie Patienten immer wieder ein Hoffnung daraus ziehen, dass es den Anderen noch schlechter geht. Klar, dass die Patienten nach jedem Strohhalm greifen, auch wenn Therapien zweifelhaft und unerprobt sind.
Es ist ein ernstes Thema als Hintergrund eines spannenden Krimis, aber nicht bedrückend geschildert. Die Autorin geht sehr gekonnt damit um, sie beschönigt nie, lässt die Thematik aber auch nicht nur Folie sein.


Das gelingt ihr auch mit dem Spektrum ihrer handelnden Figuren, deren Charaktere sehr differenziert und tiefgründig dargestellt sind. Ich habe den Vorgängerband nicht gelesen, war deshalb ganz dankbar für das Personenregister am Anfang des Buches. Ruth Keiser, als Psychologin setzt man das fast voraus, war sehr reflektiert. Dr. Bender erschien mir skurril, aber in seinen Macken eigentlich sehr liebenswert und auf altmodische Weise charmant.


Ich habe das Ostseefeeling sehr genossen, vor allem durch die realen Schilderungen der Umgebung. Es ist ein gelungener Regionalkrimi, viel Atmosphäre, ein gutes Thema, sich stetig steigernde Spannung und eine sehr schlüssige Auflösung. Ganz besonders hat es mich gefreut, dass ich mit meinem eher aus dem Gefühl heraus entstandenen Verdacht auch noch richtig lag.

Letzte Hoffnung Meer - Anja Eichbaum
Letzte Hoffnung Meer
von Anja Eichbaum
(6)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 22.90

Beste Krimiunterhaltung

Bibliomarie aus Düsseldorf , am 20.06.2019

Helle Jespers ist eine Landpolizistin, übergewichtig und von Wechseljahrsbeschwerden geplagt. Aber ganz so in die Landei – Ecke, wie es der Kopenhagener Kollege Sören möchte, lässt sie sich nicht schieben.

Gunnar Larsen ist im Tivoli umgebracht worden, grausam entstellt und so zur Schau gestellt, dass es den Anschein hat, dass es etwas mit dem Pädophilie Milieu zu tun hat. Helle soll der Witwe die Todesnachricht überbringen und erste Fragen stellen, damit wäre der Part ihres Kleinstadt-Kommissariats erledigt. Aber Helles Gespür sagt etwas anderes, sie kennt den überaus korrekten und steifen Gunnar als Lehrer ihrer Kinder, er war immer auf der Seite der Schüler und nie war etwas Zweideutiges dabei. So beginnt sie selbst zu ermitteln und Spuren nachzugehen, die den Kopenhagenern entgangen oder zu unwichtig schienen.
Wie ein Terrier – so die Beschreibung ihres Mannes – verbeißt sie sich in die Ermittlung.

Der Titel „Helle und der Tote im Tivoli“ stellt Helle Jespers nicht von ungefähr an die erste Stelle. Die Figur dieser Kommissarin prägt den ganzen Krimi. Sie ist menschlich, mit all den Unzulänglichkeiten einer Frau in den mittleren Jahren, die Bequemlichkeit über Aussehen stellt. Dabei geerdet und voller Empathie für ihre Mitmenschen. Aktuelle Zeitbezüge fließen mit ein, wie der enorme Rechtsruck in Dänemark und dessen Auswirkungen auf ihre Arbeit.

Der Kriminalfall entwickelt eine ganz besondere Dynamik und selten habe ich Polizeiarbeit so gespannt und interessiert verfolgt, wie bei Helle und ihrem Team. Die Protagonisten neben Helle werden genauso liebevoll und menschlich dargestellt. Es gibt den temperamentvollen Jungspund, den desillusionierten und ausgebrannten Kollegen und die junge Mitarbeiterin mit Migrationshintergrund, also ein realistischer Querschnitt durch den Polizistenalltag. Der sehr angenehm zu lesende Stil hat mich überzeugt, die Sprache gefiel mir: unterhaltsam und niveauvoll.

Der Untertitel „der erste Fall…“ verspricht eine Reihe, die ich aufmerksam verfolgen werde.

Helle und der Tote im Tivoli - Judith Arendt
Helle und der Tote im Tivoli
von Judith Arendt
(13)
Buch (Paperback)
Fr. 24.90

Ganz nett

Bibliomarie aus Düsseldorf , am 15.06.2019

Weihnachten steht vor der Tür. Hamish Macbeth hat Männerschnupfen, zum Weihnachtsfest hat sich eine nervige Tante angesagt – da kommt der Vorschlag seiner alten Freundin Priscilla grade recht. Ihre Bekannte Jane betreibt ein Wellness Hotel auf der kleinen Insel Eileencraig und fühlt sich bedroht. Zwei seltsame Unfälle und die Weissagung einer Hellseherin, die ihr den nahen Tod prophezeit, haben sie verunsichert.
Constable Hamish hat eh Urlaub und gegen einen kostenlosen Hotelaufenthalt hat ein Schotte noch nie etwas einzuwenden gehabt. Als er allerdings die anderen Hotelgäste kennenlernt, bereut er seinen Entschluss doch. Eine bunte Mischung Exzentriker hat sich dort eingefunden, die Stimmung ist nicht unbedingt harmonisch, auch Janes Ex-Mann ist dabei. Die Bevölkerung der Insel hat wirklich nicht viel für die Hotelbesitzerin übrig, das merkt Hamish sehr schnell, es liegt aber wohl eher an ihrem Auftreten: zu kurze Röcke, zu tiefe Ausschnitte, Stiefel bis übers Knie und glänzende Strumpfhosen. Wenn sich jetzt der Leser die Augen reibt, dann sollte er ins Impressum schauen. Das Buch ist schon gut 30 Jahre alt.

Aber tatsächlich kommt eine Frau ums Leben, sie trug bei einem Spaziergang über die Klippen ausgerechnet Janes Regenjacke – war es ein Unfall oder Mord wegen einer Verwechslung?

Wenn je das Prädikat „Cosy Crime“ passt, dann auf dieses Buch. Es passiert eigentlich nicht viel, die Geschichte lebt von den skurrilen Begebenheiten und kauzigen Charakteren. Ein wenig merkt man dem Text das Alter an, denn wenn man unterwegs ist muss zum Telefonieren ein Pub oder Hotel aufgesucht werden. Auch die Anspielungen auf Agatha Christie sind charmant, so merkt ein Hotelgast an, dass es der Vorfall einem ihrer Krimis ähnelt.

Die Autorin ist bekannt für ihre eher unterhaltsamen Krimis, wobei ich denke, dass sie grade noch die Kurve zwischen Komik und Albernheit geschafft hat.

Für Schottland Fans, am besten vor dem Kamin mit einem schönen Whisky konsumiert. ;-)

Hamish Macbeth ist reif für die Insel - M. C. Beaton
Hamish Macbeth ist reif für die Insel
von M. C. Beaton
(7)
eBook
Fr. 11.00

Istrien

Bibliomarie aus Düsseldorf , am 14.06.2019

Die Covergestaltung zeigt schon, dass das Buch kein Reiseführer im herkömmlichen Sinn sein will. Kartoniert und mit einem farbigen Streifen, der die Anmutung eines Gummibands hat, wie man ihn bei Tage-und Notizbüchern kennt, wirkt es wirklich wie die Notizen einer gut informierten Reisenden, die sie gerne weitergibt.


Und genau das macht das Buch aus. Silvia Trippolt-Maderbacher kennt und liebt den Landstrich und zählt nicht einfach nur Sehenswürdigkeiten auf. Sie hat die Dinge aufgespürt, die man erst auf den zweiten Blick wahrnimmt und der bekannte Spruch „Man sieht nur, was man weiß“ wird bestätigt.
Mir war zum Beispiel gar nicht bewusst, das Istrien eine alte, geschichtsträchtige mediterrane Kulturlandschaft mitten im Herzen Europas ist. Römische und osmanische Einflüsse, die Venezianer und die Habsburger haben auch mitgemischt und alle haben ihre Spuren hinterlassen.


Eine Region, die man mit Fug und Recht als „ Genussregion“ bezeichnen kann. Dafür sorgen viele junge und engagierte Winzer und Olivenbauer, die alte Küche wird neu interpretiert und am liebsten würde ich mich sofort irgendwo am Wasser in einem Restaurant niederlassen.


Die Auswahl der 50 Orte ist ganz subjektiv und jeder Ort hat etwas ganz Besonderes, eine kleine geschichtliche Anekdote oder eine besondere Spezialität, oder …..
Jeder kann sich herauspicken, was für ihn bei seiner nächsten Istrienreise zu seinem Lieblingsort werden kann.


Ein handliches Format, eine überreiche Bebilderung (die meisten Fotos stammen wohl von der Autorin) und nützliche Abschnitte, farbig unterlegt und mit Info betitelt, sind echter Mehrwert. Bei den Infos finden sich nützliche Adressen, Tipps für kleine Ausflüge und Zwischenstopps, immer mal wieder ein Restauranttipp und vieles mehr.


Mich hat dieses Buch bei der Ferienplanung inspiriert und um auf den Beginn meiner Rezension zurückzukommen: ein echtes Gummiband hätte ich gut gefunden, denn dann finden auch persönliche Notizzettel, Eintrittskarten oder ähnliches einen Halt.

50 Dinge, die man in Istrien getan haben muss - Silvia Trippolt-Maderbacher
50 Dinge, die man in Istrien getan haben muss
von Silvia Trippolt-Maderbacher
(4)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 21.90

Tod einer Fotografin

Bibliomarie aus Düsseldorf , am 06.06.2019

Die deutschstämmige Künstlerin Rosa Kontrapunkt nimmt an einer Art Performance teil. Das findet im leerstehenden Pariser Kaufhaus „Samaritaine“ statt. Plötzlich unterbricht ein Schrei das Happening und Rosa findet die Teilnehmerin und Fotografin Solveig Brenner tot am Boden liegend.


Rosa ruft sofort ihren Sohn Quentin, einen Jazzgitarristen an. Der trifft dann gleich mit Polizist Brossard im Schlepptau am Tatort ein. Solveig wurde offensichtlich vergiftet und die Situation ist etwas skurril, denn die Teilnehmer kannten sich nicht, noch wissen sie wer hinter der Organisation der Veranstaltung steckt. Alles lief nur unter dem Pseudonym „ Silence“ ab.
Quentin und seine exzentrische Mutter beginnen zu ermitteln.


Der Krimi hat mich wirklich überrascht, aber nicht unbedingt im positiven Sinn. Das Setting ist zwar skurril, es beginnt gleich mit einem Geheimgang der von einer Kirche in das Kaufhaus führt (!) und streift die Pariser Kunstszene. Dort war Solveig als Fotografin aktiv, mit ihren provokanten S/W Fotos wollte sie die Unterdrückung und Gewalt gegen Frauen aufzeigen. So führt dann auch eine Spur in die Bondage und SM Szene.


Aber wieso ein Musiker ganz selbstverständlich Ermittlungen anstellt und Befragungen durchführt und der zuständige Beamte das grummelnd akzeptiert, ihn sogar immer mal wieder informiert und einbezieht, wird nicht so klar. Auch Rosa Kontrapunkt – was für ein Künstlername – ist in ihrer Exzentrik übertrieben gezeichnet und bleibt doch als Persönlichkeit flach. Auch die übrigen Figuren werden zwar geheimnisvoll und zwielichtig dargestellt, bleiben aber trotzdem seltsam eindimensional und sind wenig interessant.
Die Geschichte versucht eine düstere Pariser Atmosphäre abseits der üblichen Touristenklischees zu erzeugen, ich fand das aber überhaupt nicht gelungen. Es wirkte eher konfus und konstruiert auf mich.


Ich war neugierig durch die Kurzbeschreibung auf das Buch geworden und die Handlung in der Kunstszene, den Galerien und unter eigenwilligen Künstlern ließ mich einen Paris Krimi ähnlich der Bücher von Leo Malet oder vielleicht auch Fred Vargas erwarten. Das wurde leider nicht eingelöst.


Schade, aber das war offensichtlich kein Buch für mich.

Ein kunstvoller Mord - P. B. Vauvillé
Ein kunstvoller Mord
von P. B. Vauvillé
(8)
Buch (Paperback)
Fr. 23.90

Umwege sind auch schön

Bibliomarie aus Düsseldorf , am 05.06.2019



Nele hat sich von ihrem Freund Tobi getrennt, höchste Zeit konstatieren ihre Freunde. Aber wenn es mit der Liebe nicht klappt, gibt es immer noch ihren Beruf. Da sieht es nämlich toll aus. Nele hat einen Job in einer PR Agentur ergattert, den sie schon immer haben wollte. Vier Bewerbungen waren vergeblich und nun hat es geklappt. Sie ist happy und wird auch gleich mit einer Kampagne betraut. Sie soll einem Hamburger Politiker vor der Wahl zu besseren Umfrage- und Sympathiewerten verhelfen. Eine Herausforderung, wie sie erkennt, als sie den Mann kennenlernt.


Aber auch in ihrer Familie wird es turbulent. Ihr Bruder Lenny, ein junger Mann mit Trisomie 21 möchte sich endlich von den Eltern abnabeln und eine eigene Wohnung beziehen, das geht aber nur mit Neles Hilfe, denn die Eltern sind davon nicht begeistert. Die wiederum möchten nach dreißig Jahren Partnerschaft nun endlich heiraten und stützen sich auf Neles Organisationstalent. Und dann ist da noch Claas, Neles Chef – der ihr viel mehr Herzklopfen verursacht, als gesund ist.


In Petra Hülsmanns Romanen ist man gleich nach einigen Seiten wieder mitten in der großen Familie. Besonders, wenn man einen oder zwei der Vorgängerbücher kennt. Es ist eine liebenswerte Gewohnheit, dass immer mal eine Figur einen kleinen Auftritt bekommt, wie Knut der Taxisfahrer aus dem Kiez, der immer eine Lebensweisheit in petto hat. Wenn ich zu einem neuen Buch der Autorin greife, weiß ich also immer was mich erwartet: einige Stunden leichter und amüsanter Unterhaltung mit genau dem Ende, das man sich vorgestellt hat. Witzige Szenen lockern auf und sorgen dafür, dass der Roman nicht unter die Kitschgrenze rutscht.


Mit Kindern und knuddeligen Tieren kann man auch immer punkten. In diesem Buch ist es eine niedliche Mischlingshündin namens Sally und Part des Kindes nimmt der liebenswerte Lenny mit seinem sanften, kindlichen Gemüt ein.


Der Roman war genau die richtige Lektüre für einen sonnigen Tag auf dem Balkon. Es war alles dabei, was ich an Hülsmanns Romane mag, allumfassendes Happy End inklusive.

Meistens kommt es anders, wenn man denkt - Petra Hülsmann
Meistens kommt es anders, wenn man denkt
von Petra Hülsmann
(46)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 17.90

Ein Kaffee mit dem Mörder

Bibliomarie aus Düsseldorf , am 04.06.2019

Mitzi ist eine naive, junge Frau, die sich gern in Fantasiewelten flüchtet. In Kufstein wird sie eines Nachts Zeugin eines Mordes. Doch anfangs glaubt ihr die Inspektorin Agnes Kirschnagel nicht. Zu verworren und bei jeder Wiederholung ausgeschmückter ist ihre Aussage. Doch dann gibt es eine Vermisstenmeldung und die Leiche wird gefunden. Getötet mit einem gezielten Stich in den Bauch und in den Fluss geworfen, genau wie Mitzi Schlager berichtete.

Während die Polizei allen Spuren nachgeht und sich auch Heinz Baldur, ein wegen psychischen Problemen pausierender Kommissar für den Fall interessiert, kommt es zu einer folgenschweren Begegnung von Mitzi. Der Mann mit dem Cowboyhut fasziniert die junge Frau und sie kommen sich näher…..

Der neue Krimi von Isabella Archan hat einen Plot, der wirklich neu und originell für mich war. Selten bin ich so nahe an die Figur des Mörders gekommen und war überrascht, wie gut ich Mitzis Faszination nachvollziehen konnte. Nicht die Suche der Polizei nach Täter und Motiv war für mich entscheidend. Auch die Spannung zog die Geschichte nicht aus dieser üblichen Konstellation. Viel interessanter war die Entwicklung der jungen Frau und dieser Beziehung, die sehr skurril und auch morbid war. Der bitterböse Humor, den die Autorin in ihren Krimi bringt, passt wunderbar dazu.

Es bleibt nicht bei einer Leiche und auch Heinz Baldur beginnt mit seinem Schatten sich in die Verfolgung einzumischen. Auch dieser Handlungsstrang ist gekonnt in Szene gesetzt. Hier umkreisen sich Täter und Zeugin und bald verwischen sich die Grenzen. Das hat mir gut gefallen und ich fand diese Interaktionen faszinierend und spannend beschrieben. Während sich das Netz immer enger zog, war ich gar nicht mehr sicher auf welcher Seite ich stand.

Ich mag den österreichischen Humor, der tiefgründig und manchmal gar ein wenig zynisch daher kommt. Das wird die gelegentlichen Dialekteinsprengsel betont. Für Zweifelsfälle gibt es sogar ein Glossar am Ende des Buches.

Besonders ist mir die Figur des Heinz Baldur im Gedächtnis geblieben. Zusammen mit der jungen Agnes Kirschnagel könnte das ein gutes Ermittlergespann werden.

Die Alpen sehen und sterben - Isabella Archan
Die Alpen sehen und sterben
von Isabella Archan
(12)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 18.90

DCI Daley kommt an seine Grenzen

Bibliomarie aus Düsseldorf , am 03.06.2019

Das malerische Kinloch an Schottlands Küste wirkt nur von außen so harmonisch. Es ist ein Ort voller Abgründe, das weiß besonders DCI Daley, seit er von Glasgow hier her versetzt wurde.
Ein Mann hat sich auf dem Steg vor seinem Boot mit Benzin übergossen und verbrannt. Aufregung löst das nicht nur wegen der grausigen Todesart aus, sondern auch weil Cudihey Politiker war. Kurz danach bekommt seine Assistentin Besuch von einem Polizisten, den niemand kennt und wenig später stirbt sie bei einem Verkehrsunfall. Es wird nicht der einzige Fall bleiben, den Daley mit Cudihey in Verbindung bringen wird, aber schnell hat sich der Geheimdienst eingeschaltet.
Nebenbei brodelt es auf der Dienststelle in Kinloch. Daley vermutet schon lange, dass sein Vorgesetzter korrupt ist, aber es fehlen Nachweise. Zudem wird er von sehr einflussreicher Seite geschützt. Dieser Frust und private Probleme bringen Daley bis an seine Belastungsgrenze.
Meyrinks Kriminalromane bieten keine romantischen Schottland Klischees. Sie sind hart, blutig und desillusionierend. Drogen und Alkohol gehören zum Alltag. Brian Scott, Daleys Kollege hat den Kampf gegen seine Alkoholsucht schon lange aufgegeben. Noch hält er sich unter der schützenden Hand seines Chefs, aber sein Verfall ist sichtbar. Der Krimi wirkte fast dystopisch auf mich. Eine korrupte Politikerkaste und korrupte hohe Beamte im Polizeidienst bilden eine unheilvolle Allianz. Was kann da ein Ermittler noch ausrichten, zumal er fürchten muss, selbst auf die Abschussliste zu kommen.
Ein spannender, aber auch vielschichtiger und komplizierter Plot forderte meine ganze Konzentration, die Verflechtungen zwischen den einzelnen Mordfällen bleiben lange unsichtbar. Auch Daley als Ermittler und wichtigster Protagonist ist eine zwiespältige Figur, auch wenn ich ihn immer auf der Seite der „Guten“ verorte. Seine privaten Probleme sind nicht einfacher geworden und nehmen auch hier wieder viel Raum ein. Ab und zu blitzt noch ein Restchen von schwarzem Humor auf, wenn auch deutlich weniger als in den Vorgängerbänden.
Als Fazit: ein harter, temporeicher Krimi. Es fließt viel Blut und viel Whisky.

Die Morde von Kinloch - Denzil Meyrick
Die Morde von Kinloch
von Denzil Meyrick
(1)
eBook
Fr. 11.00

Unterhaltsamer Urlaubskrimi

Bibliomarie aus Düsseldorf , am 02.06.2019

Der Auftakt des neuen Cyrus Doyle Krimis führt uns ins Kino. Während des Victor-Hugo-Symposiums wird zur Auflockerung eine alte Hollywood Produktion gezeigt, die auf einem seiner Romane beruht und unfreiwillig komisch erscheint. Cyrus, zusammen mit Kollegin Pat Holburn ganz privat bei der Aufführung, wird wieder gefordert. Im Anschluss der Vorführung sollte ein Victor Hugo Double auf der Bühne erscheinen, doch der Schauspieler sitzt tot auf seinem Platz.


Galt der Anschlag dem Schauspieler oder sollte das Symposium gestört werden? Es gibt einige Spuren und sie führen wiederum in die Vergangenheit Guernseys.


Die Kanalinsel als Schauplatz finde ich immer wieder faszinierend, vor allem weil der Autor jedem seiner Krimis eine andere historische Begebenheit als Hintergrund zuordnet. Guernsey war während des Zweiten Weltkriegs von den deutschen Truppen besetzt und viele Bunker zeugen noch heute davon. Hat es eine Bedeutung, dass ein deutscher Literaturwissenschaftler den gleichen Namen wie ein damaliger Besatzungsoffizier trägt? Aus der besonderen Stellung der Insel zwischen Frankreich und England und der anglo-franko Mischung seiner Bewohner ergeben sich viele reizvolle Details, die in die Ermittlungsarbeit einfließen.


Es ist nun schon der 4. Band der Guernsey Krimis und habe die Entwicklung der Protagonisten voller Interesse verfolgt. Cyrus ist ein durch und durch sympathischer Ermittler und ich kann seine Faszination für seinen historischen Sportwagen durchaus nachvollziehen, wünschte mir aber, es würde inzwischen nicht so oft thematisiert werden. Ähnlich ergeht es mir mit seiner schwebenden Beziehung zur Kollegin Pat Holburn. Sie waren mal ein Paar, trennten sich allerdings als Cyrus auf’s Festland versetzt wurde. Beide wünschten sich, das wäre nicht geschehen, beide wollen aber auch jetzt nicht nachgeben. Das Werben von Cyrus und die Ziererei von Pat wirken nicht sonderlich erwachsen und auf die Dauer auch fade. Wann reden die beiden endlich Klartext?


Ich mag diese Reihe sehr und finde die Verbindung von Krimi, Geschichte und Location sehr gelungen. Die geschichtlichen Hintergründe sind kenntnisreich geschildert und haben mich schon einige Male inspiriert, mich mit der Vergangenheit der Insel zu beschäftigen. Außerdem kann Jan Lucas sehr geschickt Spannung aufbauen und den Leser mit diversen Spuren und Wendungen unterhalten. Trotzdem muss ich gestehen, es war für mich nicht der beste Band aus der Reihe.


3,5 Sterne, die ich gerne aufrunde.

Cyrus Doyle und der dunkle Tod - Jan Lucas
Cyrus Doyle und der dunkle Tod
von Jan Lucas
(4)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 15.90

Freischwimmen

Bibliomarie aus Düsseldorf , am 28.05.2019

Kate ist einsam in London. Es war zwar ihr Wunsch in einer großen Stadt zu leben, aber die Anonymität macht ihr zu schaffen. Ihre WG-Mitbewohner sind namenlose Schatten, unterscheidbar nur am Geschirrberg in der Küche, mit denen sie nie ein Wort wechselt, ihre Arbeit als Journalistin beim Provinzblättchen im Stadtteil Brixton erschöpft sich in Drei-Zeilen-Mitteilungen zu irgendwelchen Vereinen.
Rosemary hat ihr ganzes Leben in Brixton gewohnt, doch der Stadtteil verändert sich rasend schnell, die Bibliothek wurde geschlossen, viele große Häuser umgebaut und mit Luxuswohnungen bestückt und nun trifft es auch das Schwimmbad. Hier war sie als Kind, hat ihren George kennengelernt und hier hat sie jeden Tag, bei Wind und Wetter ihre Bahnen gezogen, das darf doch nicht enden? Was wäre dann mit ihrem Leben?

Kate soll einen kleinen Bericht über die Schließung schreiben und so trifft sie auf Rosemary. Das ist der Beginn einer ganz besonderen Beziehung, denn Kate macht sich bald die Sache zu eigen und findet – zum ersten Mal – eine Aufgabe, in der sie aufgehen kann.
Freundschaft, Loyalität und Gemeinsinn, das ist das Thema dieses unterhaltsamen Buches mit ernsten Untertönen. Zwischen den beiden so unterschiedlichen Frauen wächst ein Vertrauen, das beiden hilft ihr Schneckenhaus zu verlassen. Gemeinsamkeit statt Einsamkeit, Freundschaft statt Isolation, aber bis dahin müssen noch viele Hindernisse aus dem Weg geräumt werden.

Ein durch und durch optimistisches Buch, das sehr zeitgemäß ist und trotz aller Aussagen auch eine amüsante und liebenswerte Geschichte erzählt. Flott und leicht geschrieben, kommt die Autorin ihren beiden Protagonistinnen sehr nah und es stimmt, was man auf dem Cover liest: „Mit diesen Frauen möchte man befreundet sein.“
Ein richtiger Hingucker ist auch die Umschlaggestaltung, die sich im Vorsatzpapier wiederholt.

Im Freibad - Libby Page
Im Freibad
von Libby Page
(85)
Buch (Paperback)
Fr. 17.90

 
zurück