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BuchhändlerInnen im Portrait

Sandra Wittwer
aus der Buchhandlung in Winterthur

Gesamte Empfehlungen 50 (ansehen)


Über mich:
bin Buchhändlerin aus Leidenschaft.
Alter:
36 Jahre
Abteilung:
Krimis und English Books
Funktion:
Buchhändlerin
Lieblingsautoren:
Brigitte Reimann, Günter Grass, Bronte Sisters, Tolkien, Patrick Rothfuss, Christoph Simon, Max Frisch, Hermann Hesse, usw.
Im Beruf seit:
2002

Meine Favoriten

1.

Franziska Linkerhand

von Brigitte Reimann

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2.

Kafka am Strand

von Haruki Murakami

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3.

Homo faber

von Max Frisch

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5.

Der Herr der Ringe

von J. R. R. Tolkien

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6.

The Pursuit of Happiness

von Douglas Kennedy

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7.

One Day

von David Nicholls

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8.

The Corrections

von Jonathan Franzen

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Meine Empfehlungen

Ich heisse übrigens August. Ich werde nicht beschreiben, wie ich aussehe. Was immer ihr euch vorstellt – es ist schlimmer.

Sandra Wittwer aus der Buchhandlung in Winterthur , am 15.02.2013

Raquel J. Palacio ist eine Amerikanische Schriftstellerin und “Wunder” ist ihr erster Roman. Im Englischen erschien das Buch unter dem Titel “Wonder”.

Das Buch “Wunder” ist die Geschichte von August, auch Auggie genannt. Mit zehn Jahren besucht er zum ersten Mal die Schule, denn Auggie ist nicht wie andere Kinder.

Ich weiss, dass ich kein normales zehnjähriges Kind bin. Ich meine, klar, ich mache normale Sachen … Und ich fühle mich normal. Innerlich. Aber ich weiss, dass normale Kinder nicht andere normale Kinder dazu bringen, schreiend vom Spielplatz wegzulaufen. Ich weiss, normale Kinder werden nicht angestarrt, egal, wo sie hingehen.

Auggie leidet unter einem Gendefekt, welcher zu schweren Missbildungen seines Gesichtes führten. Im Buch wird es als “eine zuvor unbekannte Art des Treacher-Collins-Syndroms” beschrieben. Folglich war der Schritt in eine Schule für Auggie kein einfacher. Es hiess für ihn seine gewohnte Umgebung zu verlassen und sich ausserhalb seines gewohnten Aktionsradiuses zu behaupten. Und wie er sich behauptet hat! Auggie ist eine wunderbar witzige und warmherzige Figur, ich habe ihn von Anfang an ins Herz geschlossen. Die Erzählung wird aus verschiedenen Sichtweisen erzählt; seiner, seiner Schwester und seiner Schulfreunde. Was entsteht, ist eine Geschichte voll Freundschaft, Humor, Respekt und manchmal auch Unvermögen.

Für mich ist dieses Buch eine Bereicherung. Auggies Geschichte hat mich von der ersten Seite an berührt, ich habe laut herausgelacht und geweint. Solch ein Buch ist ein seltener Schatz und ich empfehle es wirklich jeden zu lesen!

1 von 1 Kunden fanden diese Bewertung hilfreich.
Wunder - Raquel J. Palacio
Wunder
von Raquel J. Palacio
(102)
Buch (gebundene Ausgabe)
Fr. 28.90

Jack Breiter, politisch unkorrekter Held

Sandra Wittwer aus der Buchhandlung in Winterthur , am 15.02.2013

Patrick Tschan ist ein Schweizer Schriftsteller und lebt in Allschwil. Im Jahr 2011 ist bereits das Buch “Keller fehlt ein Wort” von ihm erschienen und 2012 legte er mit “Polarrot” nach.

Jack Breiter, geboren als Bauernsohn im Toggenburg, hat viel vor in seinem Leben; er will zu den Schönen und Reichen gehören. Gleich zu Beginn des Romans scheint er aber seine Chance verspielt zu haben. Als Angestellter den Palace Hotels in St. Moritz versuchte er sich selbst als ein ganz anderer einer reichen Russin unterzujubeln und scheitert in soweit, dass er gleich unehrenhaft entlassen wird. Daraufhin packt er seine Sachen und flüchtet nach Basel. In Basel findet er durch eine weitere Lügengeschichte eine Anstellung beim Chemiekonzern Gugy. Jack, jetzt Jacques, wird Handelsvertreter unter anderem für die Farbe “Polarrot”, dem Rot der Hakenkreuzflagge.

Das Geschäft floriert blendend in den 30er Jahren, wäre da nicht die Frau von Jacques Chef, der er verfällt und sein Gewissen, welches sich meldet.

“Polarrot” ist ein Unterhaltungsroman mit Tiefgang. Die Figur des Jack Breiter, zu Beginn noch sehr unsympathisch wird zu Ende der Geschichte immer netter. Wohl auch, weil er immer menschlicher wird. Man erlebt als Leser die Verwandlung des Protagonisten mit und lernt zugleich viel über ein Stück Schweizer Geschichte. Ich habe das Buch wie in einem Sog gelesen, was für seinen flüssigen Sprachstil spricht und der spannenden Geschichte, die Patrick Tschan dem Leser gekonnt und souverän erzählt.

Polarrot - Patrick Tschan
Polarrot
von Patrick Tschan
(4)
Buch (gebundene Ausgabe)
Fr. 31.90

der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen

Sandra Wittwer aus der Buchhandlung in Winterthur , am 20.01.2013

Jenny Erpenbeck ist eine 1967 geborene deutsche Regisseurin und Schriftstellerin. Ihr Roman “Aller Tage Abend” war auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2012.

Die Geschichte beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts in einem kleinen Dorf in Galizien. Zu Beginn steht die Beerdigung eines Kleinkindes und die Auswirkungen auf die jungen Eltern. Die Mutter ist Jüdin und die Autorin macht ihre Geschichte zur Geschichte der Juden in Galizien. Es ist spannend zu verfolgen wie es der Autorin nach einem Intermezzo gelingt den Tod des Babys zu verhindern und eine Geschichte zu erzählen, wie es gewesen sein könnte. Nach diesem Konzept hat Jenny Erpenbeck ihren Roman “Aller Tage Abend” konstruiert. Immer wieder kommt die Protagonistin zu Tode, insgesamt fünf Mal und lebt doch immer weiter in der Geschichte. Sozusagen wird nicht nur die Geschichte einer Frau erzählt, sondern auch eine Geschichte des 20. Jahrhunderts, ein Jahrhundert der Kriege und politischen Unruhen.

Jenny Erpenbeck ist ein sprachlich und erzähltechnisch herausragender Roman gelungen. Mich als Leser hat sie gefordert, was mir aber gefallen hat. Insbesonderes hat mich die Konstruktion der Geschichte fasziniert; die Figur jedes Mal wiederaufleben zu lassen, dem Schicksal quasi ein Schnippchen zu schlagen. In jeder Geschichte habe ich mich gefragt, wie sich die Autorin da wieder herausmanövrieren will und es ist ihr jedesmal brilliant gelungen.

Aller Tage Abend - Jenny Erpenbeck
Aller Tage Abend
von Jenny Erpenbeck
(14)
Buch (gebundene Ausgabe)
Fr. 28.90

Nur wer an Wunder glaubt, besiegt die Wirklichkeit.

Sandra Wittwer aus der Buchhandlung in Winterthur , am 13.01.2013

Eowyn Ivey lebt und arbeitet in Alaska. “The Snow Child” ist ihr erster Roman und unter dem Titel “Das Schneemdächen” auf deutsch erschienen.

Passend zur Jahreszeit habe ich das Buch letztes Jahr zum ersten Schnee gelesen. Und umso wirklicher wurde mir der raue und kalte Winter in Alaska um die 1920er Jahre und die Geschichte von Mabel und Jack, einem kinderlosen Ehepaar um die 50. Das Ehepaar wohnt in einer Blockhütte mitten im Wald, sie sind kinderlos, eigentlich Fremde und kämpfen ums Überleben. Beim ersten Schnee bauen sie ein Schneemädchen, einen Tag darauf sehen sie dieses zu Fleisch gewordene Mädchen durch den Wald huschen. Eine Geschichte von Liebe, Freiheit und Überleben beginnt.

« Die Seelen wandern über die Zeit wie die Wolken über den Himmel
Nur wer an Wunder glaubt, besiegt die Wirklichkeit.

Januar 13, 2013 von sawiga | Bearbeiten

Eowyn Ivey – The Snow Child

snow child

Eowyn Ivey lebt und arbeitet in Alaska. “The Snow Child” ist ihr erster Roman und unter dem Titel “Das Schneemdächen” auf deutsch erschienen.

Passend zur Jahreszeit habe ich das Buch letztes Jahr zum ersten Schnee gelesen. Und umso wirklicher wurde mir der raue und kalte Winter in Alaska um die 1920er Jahre und die Geschichte von Mabel und Jack, einem kinderlosen Ehepaar um die 50. Das Ehepaar wohnt in einer Blockhütte mitten im Wald, sie sind kinderlos, eigentlich Fremde und kämpfen ums Überleben. Beim ersten Schnee bauen sie ein Schneemädchen, einen Tag darauf sehen sie dieses zu Fleisch gewordene Mädchen durch den Wald huschen. Eine Geschichte von Liebe, Freiheit und Überleben beginnt.

Die Grundidee zum Buch hatte die Autorin aus einem russischen Märchen und genau wie ein Märchen liest sich auch der Anfang der Geschichte. Ich wurde völlig verträumt von der Schönheit der Sprache und Naturbeschreibungen der Autorin. Die Handlung gewinnt aber mit den Verlauf immer mehr an Wirklichkeit und Realitätsnähe, was mich aber nicht gestört hat. Mich hat dieses Buch verzaubert und berührt und es bekommt einen ganz besonderen Ehrenplatz in meinem Bücherregal.

“The Snow Child” ist für mich die literarische Entdeckung eines Erstlings aus dem Jahr 2012. Ich bin gespannt, was wir von Eowyn Ivey noch alles lesen werden. Für Interessierte verweise ich gerne auf den Blog lettersfromalaska.wordpress.com der Autorin.

The Snow Child - Eowyn Ivey
The Snow Child
von Eowyn Ivey
(1)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 18.90

Die Seelen wandern über die Zeit wie die Wolken über den Himmel

Sandra Wittwer aus der Buchhandlung in Winterthur , am 13.01.2013

David Mitchell ist ein britischer Autor, der mit seinen bisher veröffentlichten Roman stets für Furore sorgte. “Der Wolkenatlas” im Original in Englisch unter dem Titel “Cloud Atlas” im Jahre 2004 veröffentlicht, staubte so manche Jahre vor sich hin in meinem Bücherregal. Es war für mich immer eines dieser Bücher, welches ich irgendwann, wenn ich mal Zeit hätte, lesen würde. Zum Glück hat mich der Trailer zur Verfilmung derart begeistert, und ich musste das Buch unbedingt lesen.
Der Roman sind mehr Erzählfragmente von einzelnen Handlungspassagen; das Tagebuch eines Notars auf einer Schiffsreise im 19. Jahrhundert, die Briefe eines jungen Komponisten Anfang des 20. Jahrhunderts, ein Krimi in den 1970er Jahren, ein Verleger in unserer Gegenwart, ein Interview mit einem Klon in der Zukunft und die Erzählung eines jungen Mannes in noch ferner Zukunft. Zusammengehalten werden die Erzählstränge durch Verweise untereinander; jede Geschichte greift irgendwo ihre Vorhergegangene auf. Und doch lassen sich die Geschichten auch als solches lesen. Indem Mitchell jeder Geschichte eine eigene Sprache gegeben hat, hat auch jede Geschichte ihren eigenen Raum, ihr eigenes Vakuum erhalten.

Die grossen Themen sind Reinkarnation (alle Protagonisten Tragen das Muttermal in Form eines Kometen), Freiheit, Gier und Ausbeutung der Natur. Besonders der Aspekt der Freiheit wird immer wieder aufs Neue aufgegriffen. Als Leser ist es ein Vergnügen zu sehen, was der Autor erschaffen hat, mit welcher Erzählkraft er uns durch fast 500 Jahre Menschheitsgeschichte führt. Für mich ist “der Wolkenatlas” jetzt schon ein moderner Klassiker und eines meiner Lieblingsbücher.

Der Wolkenatlas - David Mitchell
Der Wolkenatlas
von David Mitchell
(41)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 16.90

vom (un)Übel erwachsen zu werden

Sandra Wittwer aus der Buchhandlung in Winterthur , am 12.01.2013

Man liest die Briefe des 15jährigen Charlies und merkt schnell, welche Verletztheit in dieser Figur stecken und wie dieser Junge an manchen Stellen mit seinem Leben hadert; Sein einziger Freund hat sich erst gerade umgebracht und sein erstes Jahr an der High School beginnt. Als er die Geschwister Sam und Patrick kennenlernt, erfährt sein Leben einen Wendepunkt. Diese Freundschaft gibt ihm Selbstvertrauen und den Mut seinen eigenen Weg zu gehen.

Charlies Figur habe ich sofort ins Herz geschlossen, habe zum Lesen “The Smiths” gehört und mich daran erinnert, wie es für mich war in diesem Alter “Der Fänger im Roggen” zu lesen. Anfangs habe ich mich noch an der Einfachheit der Sprache gestört, bis ich gemerkt habe, dass es Charlies Sprache ist. Nachdem ich das Buch zuende gelesen hatte, wurde mir bewusst wie gerne ich ein solches Buch als Teenager gelesen hätte, und war erstaunt, wie sehr es mich auch jetzt berührt hat.

Chbosky ist ein wundervoller Roman über das Erwachsenwerden und Andersein gelungen.

The Perks of Being a Wallflower - Stephen Chbosky
The Perks of Being a Wallflower
von Stephen Chbosky
(31)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 16.90

über das Verschwinden und das Sein

Sandra Wittwer aus der Buchhandlung in Winterthur , am 22.10.2012

Dank dem Blog der Schriftstellerin Erin Morgenstern bin ich auf dieses Buch gestossen. “The Vanishing Act” erzählt auf magische Weise die Geschichte der kleinen Minou, die zusammen mit ihrem Vater, einem Magier, einem Pfarrer und einem Hund namends No Name auf einer Insel lebt.

Es ist bereits ein Jahr her, dass ihre Mutter verschwunden ist. Dass sie nur verschwunden ist und bald wieder auftaucht, ist nur für die kleine Minou Tatsache, wie man als Leser im Verlauf der Geschichte bemerkt. Die restlichen Inselbewohner glauben, dass sie tot ist.

Die Erzählung beginnt mit dem Tag als Minou am Strand die Leiche eines Jungen findet. Ihr Vater nimmt den Jungen ins Haus und legt ihn ins blaue Zimmer, das einst das Zimmer von Minous Mutter war. Sie müssen drei Tage warten, bis das Schiff kommt, welches ihnen neue Lebensmittel bringt. In diesen drei Tagen passiert eine Rückblende; die Geschichte wie Minous Mutter quasi gestrandet ist und sich in den Leuchtturmwächter und Philosophen, Minous Vater, verliebt. Mehr will ich auch gar nicht über zur Handlung erzählen.

Dieser Roman hat mich völlig verzaubert. An manchen Stellen musste ich mich fragen, was Realität und was Fantasie ist. Und genau das mag ich an Büchern, wenn ein Autor es vermag, mit der Vorstellungskraft des Lesers zu spielen und dies ist Mette Jakobsen auf eindrückliche Weise gelungen.

Jakobsen, M: Vanishing Act - Mette Jakobsen
Jakobsen, M: Vanishing Act
von Mette Jakobsen
(1)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 19.90

eine Frau, die nicht auf der Suche ist sondern ihr Leben in die Hände nimmt

Sandra Wittwer aus der Buchhandlung in Winterthur , am 21.10.2012

Lily Brett ist eine australisch-amerikanische Schrifstellerin mit jüdischen Wurzeln. In den 60ern interviewte sie Stars wie Mick Jagger und Jimi Hendrix. Eigentlich könnte ich an dieser Stelle auch Lola Bensky schreiben, denn Brett erzählt in der Geschichte ihres neusten Romans einen Teil ihrer eigenen Geschichte; das Wirrwarr um Drogen und Musik der 60er und das Überleben ihrer Eltern nach dem Getto von Lodz.

Die Figur Lola Bensky ist eine 19jährige Austalierin, die nach London kommt um Musik-Stars zu interviewen. Als Leser erhält man einen seltenen Einblick hinter die Kulissen und einen tieferen Blick auf Musiker wie Jimi Hendrix, der uns besonders wegen seiner extravaganten Bühnenallüren geblieben ist. Diese Musiker sind auch nur Menschen und Lola Bensky bringt diese Menschlichkeit zutage.

Ein wenig neurotisch kommt die Figur der Lola Bensky manchmal daher; wenn sie sich wieder neue Diäten ausdenkt, sich Gedanken darüber macht, ob sie dicker ist als jemand anders, etc. Dieses Neurotische macht die Protagonistin aber auch extrem sympathisch, sie wird auf diese Weise fassbar. Weil sie gerade einen Teil von unseren eigenen Unsicherheiten verkörpert und doch nichtsdestotrotz ihren Weg geht und ihr Leben in die Hand nimmt. Sie vermag sich zwar nie von der Vergangenheit ihrer Eltern zu lösen, aber daraus spricht auch die Schwerheit der Tragweite nach einem Trauma wie dem Holocaust. Nicht nur die Überlebenden verarbeiten, auch deren Kinder sind Teil dieser grausamen Vergangenheit.

Besonders sympathisch wurde mir die Figur des Vaters Edek. Er hat eine gewisse Leichtigkeit, wie er sonntäglich seine kleine Tochter mit in den Zirkus nimmt und ihr eine Welt nebst aller Grausamkeit und Brutalität zeigt. Er ist der jüdische Humor in diesem Roman, den ich so sehr mag.

Ich muss gestehen, dass “Lola Bensky” mein erster Roman von Lily Brett war. Zwar habe ich schon viel von ihr gehört, besonders für ihren scharfzüngigen Witz ist sie ja bekannt. Doch dieser Roman hat mich überzeugt. Mir gefällt ihre klare Sprache und ihre eigene Sicht auf die Dinge. Sie wirkt weder belehrend noch gekünstelt. Somit ist Brett´s neuster Roman ein Lesegenuss der besonderen Art für mich geworden.

Brett, L: Lola Bensky - Lily Brett
Brett, L: Lola Bensky
von Lily Brett
(19)
Buch (gebundene Ausgabe)
Fr. 28.90

wenn das Leben bedeutet nicht daran zu zerbrechen

Sandra Wittwer aus der Buchhandlung in Winterthur , am 30.09.2012

“Wenn die Nacht am stillsten ist” ist Arezu Weitholzs erster Roman. Im Vorfeld hat sie bereits zwei Lyrikbände veröffentlicht und Songtexte, unter anderem für Herbert Grönemeyer, geschrieben.

Im ersten Teil des Romans erzählt die Protagonistin in einem Monolog von ihrer Beziehung zu Ludwig, die alles andere als einfach war und ihrem bisher von Schicksalsschlägen gezeichneten Leben. Während sie erzählt, liegt Ludwig bewusstlos neben ihr, er hat Tabletten genommen. Ein Selbstmordversuch? Es ist die Nacht nach ihrer Trennung, von ihm morgends sachlich und kühl ausgesprochen, es sei “Aus”.

Danach folgt im zweiten Teil des Romans die Schilderung des Tages davor. Anna erzählt in Zeitsprüngen aus ihrem Leben, dem Beginn ihrer Beziehung zu Ludwig und dem Hardern ihrer Generation, der Generation 90´s. Währenddessen erlebt sie eine Trennung, den Besuch ihrer depressiven Mutter im Altersheim und den Zusammenbruch einer Realität, die vielleicht keine war.

Die Autorin Arezu Weitholz hat mit “Wenn die Nacht am stillsten ist” einen wortgewaltigen und tieftraurigen Roman geschaffen. Das Buch erzählt die Geschichte einer jugen Frau, die ihr Leben manchmal mehr recht als schlecht meistert. Ihre Hoffnung liegt in der Liebe zu Ludwig. Diese Beziehung kann sie aber nur heimlich leben und sie hatte schon von Anfang an den bitteren Beigeschmack einer schmerzhaften Trennung.

Als Leserin hat mich diese Schwermut und Erzählkraft der Autorin beeindruckt und auch ein wenig traurig zurückgelassen. Ich bleibe mit vielen offenen Fragen zurück, hätte gerne ein paar Antworten mehr gehabt. Und doch bin ich begeistert, besonders von der Erzählkraft der Autorin.

Wenn die Nacht am stillsten ist - Arezu Weitholz
Wenn die Nacht am stillsten ist
von Arezu Weitholz
(24)
Buch (Kunststoff-Einband)
Fr. 24.90

wenn der Widerhall leiser Töne lange nachklingt

Sandra Wittwer aus der Buchhandlung in Winterthur , am 27.09.2012

Julie Otsuka kommt aus Amerika. “Wovon wir träumten” ist ihr erster auf deutsch erschienener Roman. Das Buch erhielt 2012 den Pen/Faulkner Award und wird zur Zeit von der Presse hochgejubelt.

Ist dieser Trubel um das Buch gerechtfertigt? Er ist! Zu Beginn der Lektüre habe ich mich noch gefragt, was die Autorin auf 150 spärlichen Seiten Grosses erzählen kann und ich wurde überwältigt von ihrer Sprache und den leisen Tönen dazwischen. Erzählt wird die Geschichte von einer Gruppe Japanerinnen, die aus ihrer Heimat aufbrechen nach Amerika, dem gelobten Land. In der Hand halten sie ein Foto ihres zukünftigen Mannes. Doch die Realität ist hart, das Land fremd und die Männer nicht so wie erwartet. Erzählt wird die Geschichte in der ungewöhnlichen wir-Form und verleiht dem Roman Tiefe und Raum. Ich habe das Buch sprichwörtlich wie in einem Rausch gelesen, so viele Bilder hat die Autorin in so wenigen Worten in mir herauf beschworen.

“Wovon wir träumten” erhält einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal und ich danke Julie Otsuka für dieses grossartige Werk.

Wovon wir träumten - Julie Otsuka
Wovon wir träumten
von Julie Otsuka
(24)
Buch (gebundene Ausgabe)
Fr. 27.90

 
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