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Gesamte Bewertungen 692 (ansehen)


Meine Bewertungen

Sehr spannende Einblicke

peedee , am 25.06.2019

Christian Bär, Band 3: Ein Schäfer meldet den Fund eines Babys in der Asche eines niedergebrannten Feuers. Kommissar Christian Bär steht vor einem grossen Rätsel: Wem gehört dieses Kind? Warum wurde es dort abgelegt? Die Presse, darunter selbstverständlich Roberta Henning, stellt eigene Recherchen an. Die ersten Ermittlungen führen in die Prepper-Szene, doch dann passieren kurz aufeinander zwei Morde und alles ist wieder offen…

Erster Eindruck: Das Cover mit den Schafen und dem Wetterspiel am Himmel gefällt mir, ebenso der Buchtitel.

Dies ist Band 3 der Reihe um Christian Bär; er lässt sich jedoch ohne Kenntnis der Vorgängerbände lesen.

Christian und Roberta haben, was ihre private Beziehung angeht, kein so gutes Timing: Als Christian wollte, war Roberta nicht frei, und dann umgekehrt. Nun haben sie sich auf eine Freundschaft geeinigt. Es läuft gut so, doch dann lernt Christian eine Frau kennen, die ihn sehr fasziniert. Roberta ist etwas enttäuscht – oder vielleicht ein klein wenig eifersüchtig? Lucca Heisterkamp ist die Frau, auf die Christian mehr als nur ein Auge geworfen hat. Er hat sie in der Klinik kennengelernt, wo das Findelbaby aufgenommen wurde und sie – ebenso wie viele andere Bürger – Geschenke für das Kind vorbeigebracht hat.
Christian hätte eigentlich Urlaub, den er mit seiner 10-jährigen Nichte Amelie verbringen wollte, doch das gefundene Baby, und die zwei Toten – einer davon im Wehr gefunden, den anderen im Wald – machen ihm einen Strich durch die Rechnung.
Die Prepper-Szene war mir neu: Zu dieser Szene gehören Menschen, die sich für das Überleben im Katastrophenfall wappnen und entsprechend Lebensmittel horten; Werkzeuge beschaffen, die auch ohne Strom funktionieren; Schutzbauten errichten und sich auch Waffen zulegen. Ein „Mini-Prepper“ wohnt direkt in Robertas Haus. Der 15-jährige Marvin lernt Amelie, die zu Besuch bei Roberta war, kennen. Das Mädchen wird von Marvin sehr leicht beeinflusst…

Die Einblicke in die Prepper-Szene, die Virologie, die Erbkrankheit Niemann-Pick und das Marburg-Virus waren sehr interessant. Ebenso Einblicke in die Rechtsmedizin inkl. Rekonstruktion eines nicht mehr vorhandenen Gesichts und „Ausflüge“ in die Welt eines Schönheitschirurgen – spannend! Ich freue mich auf Fortsetzungen.

Die Bach runter - Uli Aechtner
Die Bach runter
von Uli Aechtner
(9)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 11.90

Zweite Chancen in Hope Harbor

peedee , am 23.06.2019

Hope Harbor, Band 3: Die erste Begegnung von Chief Lexie Graham und Adam Stone hat trotz des unerfreulichen Anlasses Gefühle entstehen lassen, die weder von Lexie, der Polizeichefin und alleinerziehenden Mutter, noch von Adam, einem Ex-Straftäter, erwünscht sind. Als Lexie einen der Verursacher der Vandalenakte in Hope Harbor erwischt, bittet sie Adam um Hilfe, damit dieser nicht völlig auf die schiefe Bahn gerät…

Erster Eindruck: Mir gefällt das Cover sehr gut – ich mag Landschaftsbilder in Verbindung mit Wasser sehr, hier gefallen mir insbesondere der Lichteinfall und die Wellen, ebenso wie die Farbgebung.

Dies ist Band 3 einer Reihe, kann aber unabhängig von den Vorgängerbänden gelesen werden. Ich habe mich sehr gefreut, wieder in Hope Harbor zu sein und es zu einem Wiedersehen mit meiner Lieblingsfigur Charley Lopez, dem Künstler und Taco-Verkäufer, kam. Wie er jeweils Situationen erfasst und dann das Richtige sagt, ist verblüffend!

Es ist gleich spürbar, dass die Protagonisten einiges durchgemacht haben müssen. Was genau hat Adam getan, dass er dafür so lange ins Gefängnis kam? Wie hat ihn das Gefängnis verändert? Es ist berührend, wie ihm sein Hund „Clyde“ am Herzen liegt – auch sein vierbeiniger Gefährte scheint Schlimmes durchgemacht zu haben. Es ist tragisch, dass der Hund bei einem Vandalenakt verletzt wurde. Und Chief Lexie? Sie war früher im Dienst des Aussenministeriums „an irgendeinem Brennpunkt auf der anderen Seite der Erde“ – das klingt ziemlich mysteriös. Was ist dort passiert? Was ist mit ihrem Mann passiert? Die Liebe zu ihrem Sohn Matt und Mutter Annette ist sehr gut spürbar.
Schön, dass es auch ein Wiedersehen mit Luis (aus Band 2) gab. „Man muss den Menschen manchmal die Gelegenheit geben, den Glauben, den sie sonntags bekennen, im Alltag zu praktizieren.“ Diese Aussage von Luis hat mir sehr gefallen, mich aber auch nachdenklich gemacht, denn schliesslich sollte der Glaube ja wirklich nicht nur sonntags in der Kirche gelebt werden.
Adam will Lexies Vorschlag, den jugendlichen Verursacher der Vandalenakte unter seine Fittiche zu nehmen, ablehnen. Doch dann muss er daran denken, wie das Leben für ihn selbst ganz anders hätte verlaufen können, wenn in seiner Jugend ein Erwachsener für ihn dagewesen wäre, an ihn geglaubt und ihn unterstützt hätte. Da auch der zuständige Sozialarbeiter die Idee gut findet, will Adam es versuchen. Er muss sich in vielen Dingen aus seiner Komfortzone wagen. Auch Lexie muss ihre Komfortzone verlassen und sich ihren Gefühlen stellen.

Meine beiden Lieblingszitate:
- „Nicht jede Veränderung ist schlecht. Einige Veränderungen tun gut. Aber wir erkennen Möglichkeiten erst, wenn wir für sie offen sind.“ (Charley zu Lexie)
- „Gewohnheiten sind bequem und manchmal schwer zu überwinden. Aber du hast es geschafft, dir ein neues Leben aufzubauen.“ (Charley zu Adam)

Es ist ein Buch über Hoffnung, den Glauben und zweite Chancen. Wie gewohnt hat sich das Buch flüssig lesen lassen und mich immer wieder nachdenklich gemacht. Von mir gibt es 5 Sterne und ich freue mich auf den nächsten Band.

Kobaltblaue Tage - Irene Hannon
Kobaltblaue Tage
von Irene Hannon
(3)
Buch (Paperback)
Fr. 19.90

Spannend, aber zu lang

peedee , am 21.06.2019

Hardy Engel, Band 1: Hollywood, 1921. The Golden Twenties oder Sündenpfuhl der USA? Für die Filmkulisse Hollywoods ist wahrscheinlich beides zutreffend. Der Ex-Polizist aus Deutschland und zugleich wenig erfolgreicher Schauspieler Hardy Engel arbeitet nun als Privatdetektiv. Er soll das verschwundene Starlet Virginia Rappe auffinden. Dies gelingt ihm auch, und zwar auf einer Party von Filmstar Roscoe „Fatty“ Arbuckle. Kurz darauf ist sie tot – der Vorwurf gegenüber Fatty lautet Vergewaltigung mit tödlicher Verletzung! Die Presse stürzt sich wie Aasgeier auf den Fall. Hardy wird Sicherheitschef bei Universal und verliebt sich in seine Sekretärin Pepper Murphy…

Erster Eindruck: Das Cover in Schwarz-Weiss, mit goldfarbenen Prägungen, ist sehr gelungen.

Dies ist der erste Band der Reihe um Hardy Engel, für mich jedoch das zweite Buch des Autors, da ich mit Band 2 in das Hollywood der 1920er Jahre eingestiegen bin: Nachdem ich mich von der Überraschung erholt hatte, dass das Buch tatsächlich 640 Dünndruckseiten umfasst, und sich meine Geduld ausgezahlt hatte, musste ich unbedingt Band 1 lesen. Als einfacher Privatdetektiv hat Hardy Engel noch nicht viel Einnahmen. So kommt es, dass er zeitgleich zwei Aufträge ausführt: Er bringt als Kurier Drogen nach San Francisco und sucht nach dem vermissten Starlet. Ich glaube, jedem Leser ist bereits zu dem Zeitpunkt klar, dass das Dienen zweier Herren nicht unbedingt die optimale Lösung ist…
Die ausschweifende Party von Fatty Arbuckle war sehr gut beschrieben – und erschreckend zugleich, wie Drogen, Alkohol und Macht Auswirkungen auf Menschen haben (hier darf sich der Leser meine missbilligende nach oben gezogene Augenbraue vorstellen *grins*).
Hardy ist manchmal ziemlich unbedarft und gutgläubig. Er meint, den Fall gelöst zu haben, aber dann erfährt er, dass seine Informanten ihm einiges verschwiegen haben, was natürlich alles in einem völlig anderen Licht darstellen lässt. Wem kann man überhaupt vertrauen? Ist ein Landsmann, wie z.B. „Uncle Carl“, der übrigens ein grosses Herz für Hühner hat, per se vertrauenswürdiger, als andere aus dem Filmzirkus? Wohl nicht, denn die Nationalität ist schliesslich kein Garant für Glaubwürdigkeit. Es war schrecklich, wie die Presse sich auf die Schlagzeile „Fatty – ein Vergewaltiger?“ stürzt. Ist die Presse nicht daran interessiert, die Wahrheit zu erfahren und dem Leser mitzuteilen? Tja, da schien es auch früher schon solche und solche Medien gegeben zu haben…
Auf S. 372 wird von einer „Lavendelhochzeit“ gesprochen. Mir war der Begriff nicht bekannt und auch bei Google wurde ich mit dem Stichwort und in diesem Zusammenhang zuerst nicht fündig (es geht nämlich nicht um den 46. Hochzeitstag). Mit „Lavendelheirat“ („Lavender marriage“), die scheinbar insbesondere in Hollywood weit verbreitet war, ist eine Alibiheirat, mit einem Partner, der die Homosexualität verschleiern will, gemeint. Interessant, was man durchs Lesen alles erfährt!

Hauptthemen sind das Filmgeschäft, Korruption, Erpressung, Homosexualität und Drogen. Das Buch ist für meinen Geschmack deutlich zu lang. Dem Autor ist es jedoch gelungen, die Spannung gegen Ende zunehmen zu lassen, so dass ich dem Buch 4 Sterne gebe.

Der Mann, der nicht mitspielt - Christof Weigold
Der Mann, der nicht mitspielt
von Christof Weigold
(85)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 15.90

Buchabbruch nach 180 von 352 Seiten

peedee , am 18.06.2019

Antonia ist Archäologin und erhält überraschend die Gelegenheit, in Venedig an einem Forschungsauftrag zu arbeiten. Dies kommt ihr wie gerufen, denn ihr Leben in Berlin und ihre Partnerschaft sind irgendwie festgefahren. Also: Koffer gepackt und ab nach „Bella Italià“! Sie wird bei Contessa Ada in ihrem Palazzo wohnen. Sie lernt schon am ersten Tag Dario kennen, der gut mit der Contessa befreundet ist. Neue Stadt, neues Liebesglück?

Erster Eindruck: Das Cover ist romantisch-verklärt (aufgrund der Kleidung habe ich zuerst gedacht, dass es ein historischer Roman sei) – gefällt mir gut.

Wie schon im Titel der Rezension steht, kam es bei mir zu einem Buchabbruch nach 180 von 352 Seiten. Die Geschichte kam für mich bis zu diesem Zeitpunkt leider nicht in Schwung. Üblicherweise hat ein Buch bei mir 50 – 100 Seiten (je nach Buchumfang) Zeit, mich zu überzeugen. Hier habe ich noch deutlich weitergelesen, aber dann doch noch aufgegeben.

Das Buch ist als Liebesroman klassifiziert, aber zumindest bis zum Buchabbruch habe ich davon nichts gemerkt. Die Liebe der Autorin zu Venedig ist jedoch durch ihre detaillierten Beschreibungen sehr gut spürbar. Die Stadt hat täglich mindestens so viele Besucher wie Einwohner, nämlich etwa sechzigtausend – wow! Das habe ich mir vorher noch nie überlegt, auch nicht, welche Schäden z.B. durch zu schnell fahrende Motorboote an den alten Gemäuern entstehen (ich gebe es zu, ich war noch nie in Venedig).
Antonia blieb für mich ziemlich farblos. Anstatt ihre Probleme in Berlin zu lösen, verlässt sie einfach kurzum das Land. Ob das die richtige Entscheidung war? Ada hat mir gefallen, mich aber auch überrascht, denn sie wurde durch Antonias Einzug enorm aktiv. Vorher hat sie offenbar eine sehr lange Zeit ihr Haus nicht mehr verlassen.
Die „Gespräche“ zwischen „Mimi“, Adas Katze, und „Canaletto“, einer Ratte, haben leider nicht ganz meinen Geschmack getroffen.

Ich bin überzeugt, dass andere Leser viel Freude an dieser Geschichte haben werden, aber ich bin offenbar nicht die richtige Zielgruppe dafür.

Die Mondschein-Lagune - Dorette Deutsch
Die Mondschein-Lagune
von Dorette Deutsch
(5)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 15.90

Interessante Einblicke

peedee , am 16.06.2019

Die Aussage „Martha, du nervst!“ kommt von Brigitta Schröder. Sie ist Diakonisse und eckt mit ihren Ansätzen immer wieder (gerne) an. Martha war ihre langjährige Freundin, die nach einem Schlaganfall dement und von Brigitta lange betreut wurde. Brigitta hat sich vermehrt mit Menschen mit Demenz beschäftigt. In diesem Buch wird Brigittas Biografie erzählt, zudem kommen weitere Personen zu Wort, die auf beruflicher und/oder persönlicher Ebene von Demenz betroffen sind. Franziska K. Müller, Journalistin und Autorin, hat die Geschichten aufgeschrieben.

Erster Eindruck: Eine lebenslustige Diakonisse auf dem Cover – es zeigt bereits, dass Brigitta sich gerne gegen Konventionen auflehnt. Von einer 83-jährigen Diakonisse hätte man doch ein viel braveres Cover erwartet, oder? Ich finde es toll, ebenso finde ich den Buchtitel gelungen.

Demenz – ein bedrohliches Wort. Es ist für mich beängstigend, wenn ein Mensch immer mehr vergisst. Es ist irgendwie ein Abschied auf Raten vom Gewohnten, belastend, anstrengend. Wenn man mal etwas vergisst, ist das dann gleich ein Anzeichen von Demenz? Natürlich nicht.
Mir hat der Mix des Buches sehr gefallen: einerseits die Biografie von Brigitta Schröder, die ihren nicht immer einfachen Weg aufzeigt (ihre Mutter war vehement gegen ihre Entscheidung, Diakonisse zu werden), ihre Berufserfahrungen in puncto Demenz (interessant, wie sich der Umgang damit verändert hat), andererseits die unterschiedlichen Geschichten von Menschen, die mit dem Thema Demenz konfrontiert wurden (z.B. eine Frau, deren Partner dement wurde und sie daraufhin einen Blog zu schreiben begann; eine Frau, die mit dementen Menschen arbeitet und deren Mutter dann selbst an Demenz erkrankte).

„Ich erkannte, dass Menschen mit Demenz sich nicht ändern können. Nur wenn ich mich verändere, verändert sich die Situation.“ (Brigitta Schröder)

Es ist sehr wichtig, dass betreuende Personen merken, wann sie sich Hilfe holen müssen. Es ist kein Abschieben des geliebten Menschen, wenn externe Personen eingebunden werden oder sogar ein Übertritt in eine geeignete Institution nötig wird. Auf lange Zeit kann ein Partner nicht eine 24-Stunden-Betreuung aufrechterhalten, ohne selbst gesundheitlich Schaden zu nehmen. Diese Entscheidung stelle ich mir trotz allem sehr schwer vor. Es hat sehr viele berührende Momente, die zeigen, dass ein Leben mit Demenz sehr wohl noch lebens- und liebenswert ist. Eine Tochter erzählt z.B. davon, wie ihr Vater bereits mit 58 Jahren an Demenz erkrankte und wie er schlussendlich in einer geeigneten Einrichtung untergebracht werden musste. Er hat dort eine neue Aufgabe gefunden und wischt (aus Eigeninitiative) jeden Tag fünf bis acht Stunden lang die Gehwege im Park im Sonnweid. Er meint, dass es etwas sei, was jemand machen müsse.
Ich habe schon mehrere Bücher gelesen, die von Franziska K. Müller (mit)verfasst wurden (z.B. zuletzt „Für immer – Die unfassbare Tat von Rupperswil und ihre Folgen“) und ich bin immer wieder beeindruckt von ihrer Art, über sensible Dinge zu schreiben.

Martha, du nervst! - Brigitta Schröder, Franziska K. Müller
Martha, du nervst!
von Brigitta Schröder
(4)
Buch (gebundene Ausgabe)
Fr. 34.90

Sehr lesenswert!

peedee , am 16.06.2019

Ein Mordanschlag auf die Bestsellerautorin Josephine Bourdillon! Sie liegt auf der Intensivstation im Koma. Wer könnte es auf Josephine abgesehen haben? Ein fanatischer Leser? Die Polizei wertet Fanpost und Drohbriefe aus, doch die Ermittlungen geraten ins Stocken. Auch die Familie von Josephine versucht herauszufinden, wer dahinter stecken könnte. Hat der aktuelle Vorfall etwas mit dem besagten Sommer zu tun, über den sie alle schweigen?

Erster Eindruck: Das Coversujet ist grundsätzlich schön, aber mir entspricht die Art der Malerei (oder nachkolorierte Fotografie?) nicht sehr. Der Buchtitel gefällt mir hingegen sehr gut, er macht neugierig auf etwas in der Vergangenheit.

Für mich war es das erste Buch von Elizabeth Musser und daher habe ich keine Vergleichsmöglichkeiten. Die Geschichte wird auf verschiedenen Zeitebenen und aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt: eine Geschichte in der Vergangenheit ab Ende der 1960er Jahre, d.h. in der Kindheit von Josephine, sowie zwei in der Gegenwart, einmal innerhalb der Familie und einmal ausserhalb davon. Die Wechsel sind gut gekennzeichnet und machen das Buch lebendig.
Dass auf die Bestsellerautorin ein Mordanschlag ausgeführt wurde, ist für die Presse natürlich ein gefundenes Fressen. Doch wer hat Interesse daran, Josephine tot zu sehen? Ob sie je aus dem Koma erwachen wird und in welchem Zustand sie dann wäre, ist unklar. Für die Familie muss das ein Riesenschock sein!
Was ist in jenem besagten Sommer passiert? Warum befürchtet Paige, dass ihr Vater verdächtigt werden könnte, etwas mit dem Anschlag auf Josephine zu tun zu haben? Die Andeutungen auf den besagten Sommer haben mich ganz kribbelig gemacht und ich musste schnell weiterlesen, um mehr herauszufinden. Paige hat mir sehr gefallen. Obwohl sie noch sehr jung ist und selbst meint, mit dem Glauben nichts mehr anfangen zu können, praktiziert sie doch unbewusst Nächstenliebe und Vergebung. Wenn das nicht Glaube in Reinkultur ist!

Die Autorin hat es geschafft, das Wesen von Josephine sehr gut darzustellen, ihre inneren Kämpfe gegen die Depressionen, die sie immer wieder zu überwältigen drohten. Es ist eigentlich verrückt, dass Josephine Bücher schreibt, aber mit Kritik nicht gut umgehen kann. Ich muss zugeben, dass ich jedoch auch schlecht mit negativen Reaktionen umgehen könnte, vor allem in der heutigen schnelllebigen Welt und Social Media. Da könnten zig tolle Bewertungen kommen, aber wenn eine dann sehr schlecht ausfällt…

Es wurden schwergewichtige Themen wie Depressionen, Liebe, Glaube, Vergebung und Gnade behandelt. Der Ausgang der Geschichte hat mich sehr überrascht und mich nachdenklich zurückgelassen. Gerne empfehle ich dieses Buch weiter.

In jenem besagten Sommer - Elizabeth Musser
In jenem besagten Sommer
von Elizabeth Musser
(6)
Buch (gebundene Ausgabe)
Fr. 28.90

Vorurteile, Hoffnung und neue Pläne

peedee , am 12.06.2019

Hope Harbor, Band 2: Eric Nash ist ein erfolgreicher Anwalt, für den 16-Stunden-Arbeitstage keine Seltenheit sind. Nun wurde ihm überraschend gekündigt. Er kehrt nach Hope Harbor zurück, um seinen Vater zu besuchen und ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Doch bei seinem Elternhaus ist nichts mit Ruhe: Sein Vater lässt renovieren und will ein Bed & Breakfast eröffnen! Die Bauleiterin und Architektin BJ Stevens stellt sich als ziemlich kratzbürstig heraus. Er googelt sie und stellt fest, dass sie in der Grossstadt einen vielversprechenden Job hatte – was will sie in Hope Harbor?

Erster Eindruck: Das Cover mit dem Leuchtturm und dem Steg (oder der kleinen Brücke) gefällt mir sehr gut.

Dies ist Band 2 einer Reihe, kann aber unabhängig vom Vorgängerband gelesen werden. Ich habe mich sehr gefreut, wieder in Hope Harbor zu sein. Es gab ein Wiedersehen mit meiner Lieblingsfigur Charley Lopez, dem Künstler und Taco-Verkäufer – er ist ein wahrhaft weiser Mann!

Eric und BJs erste Begegnung hat im wahrsten Sinne durchschlagenden Eindruck hinterlassen: Er fährt auf BJs Wagen auf (er war durch sein Smartphone abgelenkt!) – glücklicherweise gab es keine Verletzten zu beklagen. Eric hat ganz klare Vorstellungen von seinem Aufenthalt bei seinem Vater. Nur kurz durchatmen, dann mit Vollgas einen neuen Job suchen, denn er hat schliesslich nicht Jahre umsonst so hart gearbeitet, um von seinem Plan, Partner in einer renommierten Kanzlei zu werden, abzukommen. Erics Dad John hat mir sehr gut gefallen: Er hat, wie so viele Eltern, den berühmten Eltern-Blick drauf, bei dem jedes Kind – egal, wie alt es ist – genau weiss, dass es Mist gebaut hat. Ha, wo die Eltern das wohl lernen?
Eleanor Cooper ist 88 Jahre alt und lebt mit ihrem Kater „Methusalem“ im eigenen Haus. Seit sie nicht mehr so mobil ist, wurde es immer stiller um sie herum – sie fühlt sich einsam. Zum Glück besucht BJ sie häufig, da sie sich ehrenamtlich für „Helfende Hände“ engagiert. BJ hat ganz persönliche Gründe, wieso es ihr so wichtig ist, der alten Dame zur Seite zu stehen.
Luis, einer der beiden Mitarbeiter von BJ, hat schwer mit sich zu kämpfen: Er sieht das Leben nur noch dunkel und weiss nicht, wie lange er so noch weitermachen kann oder will.

„Sorgen ändern nichts daran, was morgen kommt, aber sie rauben dir heute die Freude.“ (Charley)

Verlust, Verzweiflung, Vorurteile, aber auch Hoffnung sind wichtige Stichworte dieses Buches. Und selbstverständlich auch der Glaube. Das Thema Vorurteile, dem sich doch einige Bewohner stellen müssen, hat auch mich selbst nachdenklich gemacht: Wo gibt es bei mir Vorurteile? Und wieso? Halte ich mich für etwas Besseres? Dies sind unangenehme Fragen. Doch es gibt noch etliche weitere Fragen: Was tun, wenn plötzlich das Leben nicht mehr so ist, wie man es bisher kannte? Sind die einstigen Träume immer noch die aktuellen? Oder ist der eingeschlagene Weg eine Sackgasse? Das Buch hat sich flüssig lesen lassen und es gab viele stille Momente, die mich berührt haben. Von mir gibt es 5 Sterne.

Der Weg zu den Dünen - Irene Hannon
Der Weg zu den Dünen
von Irene Hannon
(6)
Buch (Paperback)
Fr. 25.90

Theorie hätte ausführlicher sein dürfen

peedee , am 11.06.2019

Silvia Gasser, eine junge Südtiroler Bloggerin, erklärt die Ernährungsform Low Carb, erzählt, wie sie den Weg dazu gefunden hat und stellt viele Rezepte vor. Bei den Rezepten werden auch Alternativen präsentiert („no an Tipp“).

Erster Eindruck: Ein freches Cover mit der sympathischen Autorin, ein witziger Buchtitel, durchgehend farbig bebildert – gefällt mir.

Zum Aufbau des Buches: „Meine Geschichte“, „Cheat Day – der Schummeltag“, „Der Low-Carb-Ernährungsplan“, „Mehl ohne Kohlenhydrate“, „Zuckerersatz“, „Grüne Smoothies“, Rezepte, Register.

Der Einstieg ins Buch beginnt mit Silvis Geschichte: Sie ist eine junge Zweifach-Mutter, Ernährungscoach und begeisterte Köchin, hatte aber bis zur Geburt des ersten Kindes kein grosses Interesse an gesunder Ernährung. Obst und Gemüse? Fehlanzeige. Sie meint, dass sie sich „20 Jahre fast ausschliesslich von Nutella und Pizza ernährt“ hat – grosses Smiley dahinter. Silvi erzählt sodann von ihrem Weg zu besserer Ernährung: Low Carb. Dabei sollten Weizenprodukte und Zucker möglichst vermieden werden. Sie stellt u.a. Low-Carb-Mehle (z.B. Mandelmehl, Süsslupinenmehl) oder Zuckerersatzprodukte (z.B. Stevia, Birkenzucker) vor. Als Tipp beim Einkauf empfiehlt Silvi, die Nährwerttabellen gut zu lesen. Lebensmittel, die mehr als 10 – 15 g Kohlenhydrate (pro 100 g) enthalten, sollten abends nicht gegessen werden.

Die Rezepte sind einfach beschrieben und kommen meist mit einer überschaubaren Anzahl Produkte aus. Es gibt Informationen zu Vorbereitungs- und Garzeiten sowie Hinweise betr. glutenfrei, vegetarisch, vegan, etc. Zwischen all den Rezepten gibt es immer wieder zweiseitige Berichte „Silvi auf Tour“, wo sie Nahrungsmittelproduzenten in Südtirol besucht.

Silvi hat einen charmanten und jungen Schreibstil; ich mag das eingestreute Südtirolerische, wie z.B. „no an Tipp“, „Wos brauchi olls?“ oder „Wie mochi des?“. Das Buch hat mir gefallen, durchaus, aber ich hätte mir den theoretischen Teil ausführlicher gewünscht.

Silvis Low Carb Kuchl - Silvia Gasser
Silvis Low Carb Kuchl
von Silvia Gasser
(4)
Buch (Kunststoff-Einband)
Fr. 31.90

Ein leises, berührendes Buch

peedee , am 10.06.2019

Die Grundschullehrerin Svenja Lorentz kommt an ihre Grenzen: Burn-out! Während ihrer Krankschreibung erfährt sie, dass sie eine Wohnung in Paris geerbt hat. Sie ist zwar winzig, aber würde ganz allein ihr gehören. Paris bringt ihr einen neuen Blickwinkel auf ihr Leben. Vielleicht bringt es ihr auch eine neue Liebe? Doch über dem neuen Lebensgefühl schwebt der drohende Hausverkauf – es soll luxussaniert werden…

Erster Eindruck: Ein hübsches Cover mit den vielen verschiedenfarbigen Macarons – im wahrsten Sinne süss.

Was muss das für ein Gefühl sein, wenn man erfährt, dass man von Unbekannten geerbt hat? Der Name Georges Cordonnier des Verstorbenen hat Svenja nichts gesagt – ihrer Mutter jedoch schon, denn es handelte sich um Georg Schuster, ihren älteren Bruder und gleichzeitig das schwarze Schaf der Familie. All die Jahre wurde nicht über ihn gesprochen. Nun gut, die Familie Lorentz wohnte in Hamburg und der Bruder in Paris, da läuft man sich ja nicht aus Versehen über den Weg. Warum wurde er als schwarzes Schaf bezeichnet? Nur weil er nicht so leben wollte, wie es seine Geschwister gerne gesehen hätten? Wieso hat er ausgerechnet seine Nichte Svenja, die er nur ein einziges Mal gesehen hatte, als Erbin eingesetzt?
Als ich den Originalklappentext gelesen habe, habe ich gleich mal leer geschluckt und leichte Platzangst gespürt: eine acht Quadratmeter grosse Wohnung? Das Wort „Wohnung“ ist doch viel zu gross dafür! Die winzige Wohnung wird in Frankreich auch „studette“ genannt – ein Einzimmerapartment mit Waschgelegenheit. Sie hat keine Küche, die Toilette befindet sich auf der gleichen Etage, die Dusche eine Etage tiefer. Hm, das wäre mal so gar nichts für mich… Die Bewohner des Hauses reagieren eigenartig auf die Ankunft Svenjas – sie scheinen sich irgendwie bedroht zu fühlen. Nur Marc Decaux nicht, ihr direkter Nachbar; er ist Musiker. Nach und nach erfährt Svenja mehr über ihren verstorbenen Onkel.

„Macarons – den Kummer können sie dir zwar nicht nehmen, aber er schmeckt wenigstens nicht mehr so bitter.“

Dies ist das Debüt einer deutschen Autorin unter dem Pseudonym Yvonne Jarré. Mir hat das Buch sehr gefallen. Zuerst war es für mich ein eher locker-leichtes Buch, das mich aber immer mehr berührt hat, je mehr ich von den Menschen in dem Pariser Wohnhaus erfahren habe. Von mir gibt es 4 Sterne.

Jarré, Y: Ein kleines Stück Paris - Yvonne Jarré
Jarré, Y: Ein kleines Stück Paris
von Yvonne Jarré
(5)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 14.90

Hat mich leider nicht mitgerissen

peedee , am 09.06.2019

Nachdem Amelie von ihrem Mann verlassen wurde, hat sie sich als Hochzeitsplanerin mit „Wedding de luxe – Amelie Vogelsang & Team“ selbstständig gemacht. Sie verhilft nun seit einem halben Jahr – trotz eigenen geplatzten Träumen – künftigen Eheleuten, den schönsten Tag ihres Lebens zu feiern. Ein neuer Mann steht für Amelie nicht auf dem Plan. Wo sollte sie den schon kennenlernen? Zum Beispiel auf einer Hochzeit…

Erster Eindruck: Das Cover ist, wie bei allen Ellen-Berg-Büchern, wiederum sehr detailreich und witzig – gefällt mir sehr gut.

Eine Hochzeitsplanerin, die kein Auto und auch kein Büro hat, ist doch ziemlich unglaubwürdig. Amelie darf während der Mittagspause ihres besten Freundes Sebastian dessen schickes Büro für Besprechungen benutzen. Hm, ob ein Business ihrer Art so funktionieren kann? Finanziell scheint es bei Amelie äusserst knapp zu sein (ebenfalls bedenklich, denn als noch unerfahrene Unternehmerin wird sie doch häufig in Vorkasse gehen müssen). Edeltraut, die das „& Team“ von „Wedding de luxe“ bildet, ist eine resolute Frau – sie hat mir sehr gefallen. Sie scheut sich nicht, die Dinge beim Namen zu nennen. Ihr gehört auch die Wohnung, in der Amelie seit vier Wochen als dritte WG-Partnerin wohnt. Die WG erhält sogar noch weiteren unerwarteten Zuwachs.

Wie gewohnt hat es amüsante Sprüche, wie z.B.:
- „Immer wenn man lacht, stirbt irgendwo ein Problem.“
- „Vorsicht, Single mit Frustrationshintergrund, bitte Abstand halten!“
- „Zu einer Trennung gehören immer zwei, oder? Klar. Der Ehemann und seine Geliebte.“

Die Story hat sich für mich stellenweise ziemlich gezogen. Normalerweise sind die Bücher witzig und überzeichnet, doch leider konnte mich die Geschichte dieses Mal nicht mitreissen. Dies war mein 15. Buch von Ellen Berg und für mich eines der schwächeren, schade. Von mir gibt es leider nur 2 Sterne.

Trau dich doch - Ellen Berg
Trau dich doch
von Ellen Berg
(24)
eBook
Fr. 11.90

 
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