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Eine Kundin / Ein Kunde aus Leonding

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Tiefe Einblicke in schwedische Seelen

Eine Kundin / Ein Kunde aus Leonding , am 16.01.2018

Ohne viel Action oder dem Leser überbordende Gefühle aufzudrängen, schafft Nesser es in diesem Roman, vielschichtige Psychogramme komplett fiktiver und unterschiedlicher Menschen zu erstellen. Er lässt Schüler und Lehrer einer Gesamtschule eines kleinen Ortes in Schweden abwechselnd zu Wort kommen. Es sind sehr persönliche, intensive Abschnitte, die sich an Tagebucheinträge anlehnen.

An der Schule gehen seltsame Dinge vor, die Stimmung scheint alle paar Wochen zu drehen und das zu einer Zeit, als die Belegschaft noch nicht verdaut hat, dass am Ende des vergangenen Schuljahres ein Lehrer zu Tode kam. Und auch wenn alle Beteiligten aktuell mit Rassismus und tiefgreifender Unruhe unter den Schülern zu kämpfen haben, gibt es noch einige Personen, die nicht glauben, dass die Polizei wirklich alles tat, um den Fall des toten Lehrers, Herrn Kallmann, aufzuklären. Sowohl Schüler als auch ehemalige Kollegen beginnen auf eigene Faust zu ermitteln.

In die Krimihandlung wunderbar eingeflochten sind alle anderen alltäglichen Begebenheiten und Probleme der Protagonisten. Die Beschreibungen, die Sprache wandelt immer zwischen klar und leicht verständlich sowie vielen Metaphern und anspruchsvollen Passagen. Jeder Charakter hat einen unverwechselbaren Erzählstil und im Verlauf des Buches scheint man die Hauptpersonen immer besser kennenzulernen, sodass man sich als Leser erst wieder bewusst machen muss, dass sie nicht existieren. Schicksale und freudige wie traurige Momente gehen unter die Haut. Auch wenn es der Schreibstil manchmal etwas schwieriger macht, sich ganz in die Geschichte fallenzulassen, kann man sich durchaus mit den Charakteren identifizieren. Manche ihrer Beweggründe versteht man sofort, anderes erst später und manches wird nicht aufgelöst und bleibt der Phantasie des Lesers überlassen.

Überhaupt fühlt man sich eher wie eine zusätzliche Person der Geschichte und ist hautnah dabei, kann somit versuchen, Zusammenhänge selbst zu erkennen, die die einzelnen Protagonisten nicht sehen, weil sie nicht alle Sichtweisen kennen wie der Leser.

Mit dem einen oder anderen losen Faden am Ende kann ich gut leben, zwischendrin gab es im 570 Seiten starken Roman die eine oder andere Länge. Dies ist aber sowohl den Eigenheiten der Charaktere als auch deren Erzählschwerpunkten geschuldet. Leider gibt es keine Anmerkungen des Autors, worauf ich gehofft hatte. Somit erklärt sich für mich nicht, warum zwar Städte wie Uppsala oder Stockholm erwähnt werden, die Orte an denen sich die Handlung konzentriert, aber lediglich mit einem Buchstaben bezeichnet werden. Das wirkt zuerst so, als wäre die Geschichte doch auf einem wahren Kern aufgebaut. Fiktive Ortsnamen könnten doch einfach geschrieben werden. Dennoch glaube ich, nach der gesamten Lektüre, nicht, dass etwas daraus wirklich passiert ist. Auch wenn der klassische Hinweis (“Sämtliche Personen… sind erfunden und Ähnlichkeiten...zufällig”) hier ebenso fehlt wie ein Dank oder Anmerkungen Nessers.

Der Fall Kallmann - Hakan Nesser
Der Fall Kallmann
von Hakan Nesser
(75)
Buch (gebundene Ausgabe)
Fr. 29.90

Nichts für emanzipierte Leserinnen

Eine Kundin / Ein Kunde aus Leonding , am 05.01.2018

Dieser (Frauen-)Roman hat einige gute Ideen in sich, leider dominieren meiner Ansicht nach zu sehr das Klischee und die (wenn auch realistischen) Komplexe von Frauen diversen Alters.

Gut hierbei ist die Gestaltung: Es wird aus den Leben von Madeleine im Jahr 1999 erzählt, als sie ungefähr Mitte 30 ist, und von Margie, ihrer Großmutter, die 1924 mit Mitte 20 von den USA aus nach Paris reiste. Die Sichtweisen, Schilderungen der so unterschiedlichen Zeiten wechseln sich angenehm ab und erzeugen so etwas Spannung. Man will schließlich immer gerade dann wissen, wir es mit einer von beiden weitergeht, wenn die Perspektive wechselt.

Madeleine findet nach einiger Zeit selbst die Tagebücher von Margie und so vermischen sich die beiden Geschichten ein wenig. Das passt insofern gut, als sie ja familiär auch zusammenhängen, wenn sich die beiden auch nicht wirklich kennengelernt haben. Es gibt interessante Parallelen und Unterschiede im Leben der beiden Frauen: so anders die Zeiten geworden sind, so verhaftet sind beide in ihrem Denken rund um Männer, Anstand und die “richtige” Art zu leben, ein Vermächtnis, das über Generationen weitergegeben wurde und nun sogar Madeleine immer noch zu schaffen macht. Dass sie nicht gerade die am meisten gefestigte Person ist, ist auch nicht sehr hilfreich und stürzt die unglücklich Madeleine in seitenlange Selbstmitleids-Monologe und große Zweifel.

Hier sind wir auch schon bei den Ähnlichkeiten. Die beiden Frauen scheinen über weite Strecken des Buches die selben Probleme zu haben, was anhand des Zeitunterschiedes seltsam sein mag. Dennoch stehen Margie (damals war es für Frauen einfach schwer, ein von einem Mann unabhängiges Leben z führen) und Madeleine (die es sich selbst schwer macht und der vieles schwer gemacht wird, auch diese Frauen gibt es nach wie vor heutzutage) exemplarisch für viele Frauen. Es kann nicht jeder “Wonderwoman” sein, trotz annähernd Gleichberechtigung, Feminismus und Emanzipation.

Punkten kann der Roman mit den Beschreibungen von Personen, Umgebung und der Stadt Paris. Leider gibt es zwischen diesen schönen Momenten und den Ängsten der beiden Frauen sonst nicht viel. Das könnte alle, die keine “eingefleischten” Frauen-Roman-Leser sind, schnell langweilen.

Die Lichter von Paris - Eleanor Brown
Die Lichter von Paris
von Eleanor Brown
(73)
Buch (Paperback)
Fr. 22.90

Eintauchen in eine sehr kranke Psyche

Eine Kundin / Ein Kunde aus Leonding , am 07.05.2017

Ein äußerst seltenes medizinisches Ereignis inspirierte Rainer Löffler wohl zu diesem Thriller, in dem er tief in die kranke Psyche des Täters eintaucht. Dieser terrorisiert die Gegend um den deutschen Ort Gummersbach. Immer wieder verschwinden Frauen und tauchen nicht mehr auf, geklärt werden diese Fälle von der örtlichen Polizei nie. Fallanalytiker Martin Abel wird dorthin zwangsversetzt, um die „einfachen“ Fälle zu klären oder Däumchen zu drehen. Wie nicht anders zu erwarten, findet er zufällig eine der vermissten Frauen. Doch die Leiche ist nicht alleine.
Teilweise verstörend und bizarr ist dieser Thriller, wenn abseits der Ermittlungen auch der Täter zu Wort kommt, näher beleuchtet wird. „Verstehen“, wie er so wurde, wie er aktuell ist, kann wohl niemand wirklich. Die Enthüllung seiner Identität überrascht, hatte doch nicht einmal Abel alles erkannt. Dieser Überraschungseffekt am Ende täuscht auch über den einen oder anderen groben Zufall und die doch sehr grausamen Schilderungen aus dem Leben des „Nähers“ hinweg.
Wer sich von Nebenhandlungen, die nicht notwendig gewesen wären und offensichtlichen falschen Fährten nicht gestört fühlt, darf sich mit diesem Psychothriller auf der sicheren Seite wissen und den Nervenkitzel auch voll auskosten. Mit Spannung weiß der Autor umzugehen, die bleibt das ganze Buch über hoch und kann auch nicht durch sehr blutige Passagen gemildert werden.

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Der Näher - Rainer Löffler
Der Näher
von Rainer Löffler
(93)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 17.90

Ein blaues Buch und ein sehr glücklicher Koch

Eine Kundin / Ein Kunde aus Leonding , am 19.03.2017

Auch wenn Essen in ausreichendem Maß in diesem Krimi Verwendung findet, so ist das zentrale Thema, worum sich Xavier Kieffers Ermittlungen drehen, nicht zum Verzehr geeignet. Der berühmte Restaurant-Guide „Gabin“ trägt offenbar ein jahrzehntealtes Geheimnis mit sich herum, das nun plötzlich wieder aktuell zu sein scheint. Dieses Buch mit dem kobaltblauen Einband spielte schon vor und im Zweiten Weltkrieg eine größere Rolle als man vermuten könnte und das obwohl es zu Kriegszeiten natürlich nicht erscheinen konnte.
Ausgerechnet auf der großen prunkvollen Eröffnungsfeier eines neuen Gabin-Gebäudes, das Kieffers Freundin Valérie Gabin, herrichten ließ, nehmen die Ereignisse ihren Lauf und der Koch muss nun nicht nur ein Buch sondern auch noch das Geheimnis finden. Dabei trachten ihm scheinbar sehr gewiefte Gegner nach dem Leben. Kieffers Reisen führen quer durch Luxemburg und Frankreich bis sie in einem etwas skurrilen Showdown zwischen ihm, den „Guten“ und den „Bösen“ gipfelt. Wobei Gut und Böse gar nicht so weit auseinanderliegen.
Neben der „Jagd ums Buch“ kommt aber auch der Magen nicht zu kurz und ein paar interessante Einblicke in die Luxemburger Küche sowie Sprache sind sowohl spannend als auch herausfordernd. Praktisch ist da das Glossar am Ende des Buches.
Stichwort Sprache: Unauffällig und gewandt geleitet Hillenbrand den Leser durch die Gassen und Städte. Eine Prise Humor an den richtigen Stellen sowie Dialoge, über die man noch länger schmunzelt, inklusive.
Xavier Kieffer ist für mich eine oft vom Glück geküsste Hauptfigur, die ansonsten um einiges ärmer dran wäre. Nicht nur, dass er immer wieder seine Haut retten kann, ist er doch auch mit der fabelhaften Valérie liiert, die, wie er sich selbst denkt, ja viel interessantere Partner haben könnte. Zudem trinkt er gerne (viel) Wein, Bier und luxemburgischen Schnaps und noch lieber raucht er eine Zigarette nach der anderen. Es stellt sich passenderweise heraus, dass das neben den gesundheitlichen auch noch andere Nachteile hat…

Gefährliche Empfehlungen / Xavier Kieffers Bd. 5 - Tom Hillenbrand
Gefährliche Empfehlungen / Xavier Kieffers Bd. 5
von Tom Hillenbrand
(66)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 14.90

Skandinavischer Pageturner, viele Leichen inklusive

Eine Kundin / Ein Kunde aus Leonding , am 05.03.2017

Achtung! Dieser Krimi mit viel Thrill ist ebenso fesselnd wie möglichweise verwirrend. Gerade zu Beginn ist es noch schwer, die schwedischen Ermittler von den dänischen zu unterscheiden, sind erstere doch für Helsingborg und letztere für Helsingör zuständig.
Hat man da erst einmal alle Charaktere kennengelernt und die Handlungsstränge zuggeordnet, wird es richtig spannend. In Dänemark treiben sich skrupellose Jugendliche herum, die auch über Leichen gehen und auf dem schwedischen Festland fährt ein Toter mit seinem Wagen ins Hafenbecken. So verrückt dies und all die weiteren Vorkommnisse (mehrere Leichen inklusive) klingen, Fabian Risk und seine Kollegen entdecken, wie der Serientäter dies gemacht haben kann und nun beginnt ein Wettlauf um die nächsten potentiellen Opfer.
Meist sieht es für die Ermittler schlecht aus, denn obwohl sie vieles wissen, fehlen ihnen entscheidende Puzzleteile (und manchmal auch das nötige Bisschen Glück) und sie kommen zu spät. Ähnlich Dunja Hougaard, ebenso ehrgeizige wie undiplomatische Polizistin in Helsingör: Aus einer scheinbar einfachen Befragung einer blutüberströmten verwirrten Frau entwickelt sich eine zähe Ermittlung, die noch dazu von innerhalb ihrer eigenen Behörde sabotiert wird. Zu viele unnachgiebige und hitzige Köpfe prallen aufeinander, Eitelkeiten stehen im Fokus.
Auch wenn manches in diesem mehr als 550 Seiten starken Krimi zu schlecht für die „Guten“ und sehr glücklich für die „Bösen“ läuft, so ist das Buch dennoch über weite Strecken realistisch und sehr sehr fesselnd. Zwischendurch kommt einem schon einmal der Gedanke „Ach schon wieder jemand tot?“, aber nach rund der Hälfte der Lektüre ist man dann schon so abgehärtet wie Risk und Hougaard. Was nicht bedeutet, dass es ab dann keine überraschenden Wendungen mehr gibt, beileibe nicht.
Wer bei einer großen Zahl vielschichtiger Protagonisten leicht den Überblick verliert, hat mit „Minus 18°“ vielleicht weniger Freude, aber Krimi- und Thrillerfans, die über kleine „handlungsunterstützende Zufälle“ hinwegsehen können, werden mit diesem Pageturner viele unterhaltsame Stunden verbringen. Um am Ende gleich in den Beginn des nächsten Bandes hineinzugleiten…

Minus 18 Grad / Kommissar Fabian Risk Bd.3 - Stefan Ahnhem
Minus 18 Grad / Kommissar Fabian Risk Bd.3
von Stefan Ahnhem
(134)
Buch (Paperback)
Fr. 23.90

Solider Brit-Thriller im winterlichen Cambridge

Eine Kundin / Ein Kunde aus Leonding , am 05.03.2017

Auch wenn sich während des Lesens Teile und Wendungen der Story (teilweise) voraussehen lassen, ist dieser Thriller doch ein sehr spannendes Lesevergnügen. Die Autorin ist sichtlich bemüht, aus einem doch oft genutzten Thema (Psychopath entführt junges Mädchen zu seinem persönlichen „Zeitvertreib“) mit ein paar Kniffen und psychologischen Tricks eine Geschichte zu formen, die sich dann doch wieder von anderen Büchern abhebt, die sich des Hauptthemas ebenfalls bedienen.
Neben der Sorgen Margots und der Spannung, ob das entführte Mädchen denn überleben wird, lernt man als Leser auch die britische Stadt Cambridge und ihre Umgebung ein wenig kennen. Zudem geht die Autorin sehr behutsam und grundsätzlich glaubwürdig vor, als sie die Lehrerin Margot, die um ihre ehemalige Schülerin Angst hat, aus ihrem Alltag herausreißt und sie in eine Ermittlung verwickelt, die auch ihr eigenes Leben gehörig durcheinanderwirbelt.
Ein paar wenige Punkte bleiben leider offen und Kleinigkeiten, die im Strudel der Ereignisse wohl vergessen wurden, lassen den Leser kurz stutzen. Alles in allem kann ein Spannungsfan mit diesem Buch aber wohl zufrieden sein und wird gut unterhalten.

DEAR AMY - Er wird mich töten, wenn Du mich nicht findest - Helen Callaghan
DEAR AMY - Er wird mich töten, wenn Du mich nicht findest
von Helen Callaghan
(157)
Buch (Paperback)
Fr. 21.90

Kein tragisches Ende, aber eine unheimliche Aura

Eine Kundin / Ein Kunde aus Leonding , am 23.02.2017

Düstere, aber auch schöne Umgebungsbeschreibungen kann der S.K. Tremayne als Reisejournalist natürlich überzeugend darstellen. Davon lebt dieser Thriller in jenen Phasen, in denen die Geschichte selbst nicht so mit Spannung überzeugen kann. Dass es mittels der Überschriften einen Countdown auf Weihnachten gibt, unterstützt zwar die Dramatik eines Teils der Geschichte, aber ohne die Zwischentitel könnte die ganze Handlung auch innerhalb weniger Wochen stattfinden.
Wer sich ein thrillerartiges, tödliches Ende erwartet mit viel Drama, wird hier möglicherweise enttäuscht werden. Auch das Rätsel um den unfreiwilligen Tod von Nina Kerthen, Mutter, Ehefrau und Herrin über Carnhallow House, entpuppt sich als weniger dramatisch als man zwischendurch annimmt. Trotzdem schafft es der Autor, durch die Lage des großen Hauses und die Vorgeschichten der beiden frisch Vermählten – Rachel und David Kerthen, Witwer, eine unterschwellige unheimliche Aura über alles zu legen. Zu Beginn unverfängliche Unterhaltungen wandeln sich zu Minenfeldern. Wie Rachel wird der Leser misstrauisch gegenüber sämtlichen Ereignissen im und rund ums Haus und löst mit ihr nicht nur ihre traurige Vergangenheit, sondern auch die Rätsel rund um die tausende Jahre alte Familie Kerthen.

Stiefkind - S. K. Tremayne
Stiefkind
von S. K. Tremayne
(145)
Buch (Paperback)
Fr. 21.90

Beruflich und privat: Dichte Atmosphäre für Ermittler Huldar

Eine Kundin / Ein Kunde aus Leonding , am 02.12.2016

Ein kleines bisschen unsicher kann man sich als Leser dieses ausgezeichneten Thrillers schon in den eigenen vier Wänden fühlen, angesichts dessen, wie die Opfer hier zu Tode kommen und wie einfach es dem Mörder doch scheinbar gemacht wird. Aber da wie erhofft alles – soweit man das sagen kann – gut ausgeht und die Fälle auch restlos aufgeklärt werden, kehrt das sichere Gefühl wieder zurück. Nicht, weil der Täter ja gefasst ist, sondern vor allem, weil man sich sicher sein kann, dass man nichts getan hat, was einen anderen Menschen so dermaßen hassen lässt.

Doch auch die Opfer fühlten sich sicher… Yrsa Sigurdardóttir spinnt hier mit dem isländischer (Spannungs-)Autoren so eigenen, packenden Stil eine Geschichte über Liebe, Verletzlichkeit, zerstörte Hoffnung und unglückliche Zufälle und spannt sie über Generationen. Selbst als dem Leser einige Zusammenhänge klar werden, die Kommissar Huldar noch fehlen, hat die Autorin immer noch Informationen und eine Auflösung parat, die selbst geübte Thrillerleser erstaunen lassen. Zwei Morde und zwei Frauen, die scheinbar außer der Brutalität nichts gemeinsam haben. Da aber alles auf den selben Täter hindeutet, gräbt Huldar weiter und ahnt nicht, wie nahe an ihm selbst die Verbindungen dieser Fälle liegen.

Die Autorin startet mit diesem Buch eine neue Reihe, daher werden abseits der schwierigen Ermittlungen auch Huldar und sein Arbeitsumfeld näher beleuchtet. Wenig Schlaf, viel Kaffee und ein unmöglicher Vorgesetzter gehören ebenso zum Standardrepertoire eines erfolgreichen Krimis wie die eine oder andere durchaus komische Szene. Eine unglücklich beginnende Zusammenarbeit mit Kinderpsychologin Freya bringt dem Leser trotz des packenden Plots immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht.

DNA - Yrsa Sigurdardóttir
DNA
von Yrsa Sigurdardóttir
(185)
Buch (gebundene Ausgabe)
Fr. 28.90

Ein Kriminaler trotzt den Kriegswirren

Eine Kundin / Ein Kunde aus Leonding , am 30.11.2016

Ein gänzlich anderer Held als in vielen Kriminalromanen spielt hier die Hauptrolle. Max Heller ermittelt, aber nicht mit privaten Problemen behaftet, sondern durch die Umstände Dresdens von 1945 eingeschränkt. Der Autor zeichnet einen Mann, der nur seinen Prinzipien treu ist und sich weder vom Nationalsozialismus noch den Sowjets einnehmen lässt. Von der Zerstörung und den schwierigen Lebensbedingungen gezeichnet, stolpert Heller durch Dresden, aber er fällt nicht.

Als er einem grausamen Frauenmörder auf der Spur ist, stellt die Bombardierung der Stadt seine Pläne auf den Kopf. Aufgrund der wohl umfangreichen und detaillierten Recherche und Wiedergabe der damaligen Zustände und Empfindungen der Dresdner schafft es der Autor, den Leser immer wieder vom Fall abzulenken. Oft steht Heller und in Gedanken mit ihm der Leser vor der Frage, was das dringendste Problem ist – Essen organisieren, persönliche Sicherheit oder die Verantwortung anderen, den Opfern, gegenüber? Es ist eine Gratwanderung für Heller, der am liebsten alles erledigt haben möchte und sich dabei immer wieder selbst in Gefahr begibt. Doch in den entscheidenden Momenten ist ihm das Glück hold, auch wenn er und seine Frau materiell gesehen alles verloren haben und auch Max keiner bezahlten Arbeit mehr nachgehen kann.

Als er dann Unterstützung bei seinen Nachforschungen bekommt, läuft er dennoch einigen falschen Fährten hinterher, die der Autor gekonnt einbindet. Vieles scheint möglich, doch immer wieder fehlt ein Puzzlestück und es ist klar, dass die endgültige Auflösung noch verstörender sein muss, als angenommen. Die verschiedenen Hauptcharaktere bilden hier das Spektrum der damaligen Bevölkerung und der unterschiedlichen Meinungen, die (mal mehr, mal weniger) unterschwellig aufeinandertrafen.

Das alles macht die Arbeit für Heller nicht einfach, doch seine Hartnäckigkeit wird belohnt. Zusätzlich zur Lösung des Falls taucht zum Schluss noch ein Silberstreif am Horizont auf, der eine mögliche Rückkehr in (fast) sein altes Leben verheißt und gleichzeitig einen zweiten Band mit Heller ankündigt. Möge die Zeit bis dahin schnell vorbeigehen.

Der Angstmann - Frank Goldammer
Der Angstmann
von Frank Goldammer
(120)
Buch (Paperback)
Fr. 21.90

Alte Wunden

Eine Kundin / Ein Kunde aus Leonding , am 04.10.2016

In diesem Krimi findet neben der Hauptermittlung sehr viel von der irischen Seele und der Landschaft Platz, was mir gut gefallen hat. Die Autorin beschreibt alles sehr angenehm, flüssig und mit den nötigen Details. Sie baut den Fall für Emma Vaughan auf einer Tatsache auf, die früher leider allzu häufig zur Anwendung kam: unverheiratet schwangere Mädchen werden in ein „Heim“ gesteckt, wo sie gebären und die Kinder dann zur Adoption freigegeben.
In diesem Buch führt ein Mädchen einer grundsätzlich nicht armen Familie dieses schwere Leben. Sie gerät ohne Schuld in diese Situation, die Familie bietet ihr keinerlei Rückhalt und ihr ehrgeiziger Bruder sieht durch ihr Schicksal seine Karriere gefährdet. Dieser Bruder, Charles Fitzpatrick, wird Jahrzehnte später ermordet und die Polizei von Sligo wird aktiv. Während ihrer Ermittlungen gräbt Emma tief in der Familiengeschichte der Fitzpatricks herum und wirbelt im Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten alten Staub auf.
Auch wenn man durch eingestreute Abschnitte zwischen den Ermittlungserzählungen bald selbst die Knoten entwirren und das Rätsel um den Mörder lösen könnte, hält der Schluss noch eine kleine Wendung parat.
Die Charaktere sind angenehm „normal“, wenn auch mit schon fast typischen Schwachpunkten und auch glaubwürdig.

Lügenmauer. Irland-Krimi - Barbara Bierach
Lügenmauer. Irland-Krimi
von Barbara Bierach
(91)
Buch (Taschenbuch)
Fr. 14.90

 
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