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Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie

Max Frisch führt durch die Aufführung im Zürcher Schauspielhaus (ungekürzte Lesung)

Ein Don Juan ist ein Frauenheld. Und da die Liebe zu Unordnung in männlichen Gehirnen führt, steckt er ständig in Schwierigkeiten mit den Väter, Brüdern oder Bräutigamen seiner Geliebten. Eine Zeitlang ist das unterhaltsam, wird aber doch schnell lästig. Darum wird die Klarheit der Geometrie für Max Frischs Don Juan zum Fluchtpunkt aus geschlechtlichen und gesellschaftlichen Begehrlichkeiten. Und die überlieferte, verlangte, erwartete Höllenfahrt des Tunichtgut wird zur Theaterinszenierung.

Am 5. Mai 1953 wurde im Zürcher Schauspielhaus die Komödie «Don Juan oder die Liebe zur Geometrie» von Max Frisch uraufgeführt. Das Echo war nicht begeistert. 1964 folgte die zweite, revidierte Fassung - diese Version fand bei Publikum und Presse grossen Anklang. Schweizer Radio SRF zeichnete eine Aufführung im Rahmen der Zürcher Festwochen 1964 auf. «Don Juan» wurde zu einem der meistgespielten Theaterstücke Frischs und für den jungen Schauspieler Helmuth Lohner ein Meilenstein seiner äusserst erfolgreichen Karriere.

Eine Besonderheit der Aufzeichnung: Max Frisch selbst führt durch die Aufführung seiner Komödie.
Portrait
Max Frisch wurde 1911 in Zürich geboren und starb 1991 ebenda. Er studierte Germanistik an der Universität Zürich (1930-1934) und Architektur an der ETH Zürich (1936-1940). Ab 1931 arbeitete er als Journalist, später als freier Schriftsteller. Seine zahlreichen Auslandsreisen führten ihn u.a. 1951/1952 für einen längeren Aufenthalt in die USA. Max Frisch hat ein großes literarisches Werk geschaffen, das mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde, unter anderem 1958 mit dem Georg-Büchner-Preis und 1976 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
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Beschreibung

Produktdetails

Medium MP3
Sprecher Helmuth Lohner, Therese Giehse, Anne-Marie Blanc
Erscheinungsdatum 24.02.2016
Sprache Deutsch
EAN 9783856168025
Verlag Christoph Merian Verlag
Spieldauer 96 Minuten
Format & Qualität MP3, 96 Minuten
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Kundenbewertungen

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Don Juan oder sein ihn verschlingender Mythos
von Zitronenblau am 21.12.2012
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Anfangs war ich etwas skeptisch gegenüber dem Text. Der Stil wirkte profan und etwas holprig. Aber zum Ende hin kam die große Auflösung: Frisch schrieb hier eine donjuanistische Vorgeschichte – ein geniales Werk, das den Mythos um eine der größten Figuren der Literaturgeschichte als bewusste Inszenierung evoziert. Vorab muss ... Anfangs war ich etwas skeptisch gegenüber dem Text. Der Stil wirkte profan und etwas holprig. Aber zum Ende hin kam die große Auflösung: Frisch schrieb hier eine donjuanistische Vorgeschichte – ein geniales Werk, das den Mythos um eine der größten Figuren der Literaturgeschichte als bewusste Inszenierung evoziert. Vorab muss ich zweierlei anführen: diesen Don Juan sollte lesen, wer sich mit dem Stoff bereits auseinandergesetzt hat. Dies dürfte freilich nicht schwer fallen, da von Molina über Molière bis Menasse jahrhundertelang stoffliche Adaption und Produktion stattfand. Don Juan ist zum Mythos geworden. Zugleich aber sollte an dieser Stelle nicht weitergelesen werden, sofern Frischs Fassung noch nicht bekannt ist, da diese keine bloße Adaption ist - so handelt es sich hier nicht etwa um einen in das 20. Jahrhundert übertragenen Juan -; Frisch versucht sich hier in dramatischer Weise (eben nicht in romanischer) an Juans vormythischer Geschichte. Im Kern bleibt Don Juan, gestattet sei mir die Reduktion, der Frauenheld und Weiberlüstling. Frisch tituliert seine Komödie zugleich aber mit dem Oder: „Die Liebe zur Geometrie“. Daran also deutlich, dass Juan als Intellektueller herausgearbeitet wird, der dennoch nicht ablassen kann vom weiblichen Geschlecht. Im Grunde wird ihm ein Reflexionsvermögen zugeteilt, das es ihm ermöglicht, nicht einer determinierenden, geistlosen Promiskuität anheim zu fallen, sondern echte schmerzliche Urteile darob zu fällen, gewahr zu werden, dass jene Liebeleien episodenhaft sind und offenbar Glück (bzw. wahre Liebe) nur im asketischen Sinne verschafft werden kann – in der Zuwendung zur Geometrie, der reinen, lustlosen Anschauung. Aus diesem Grunde deutet er im 3. Akt bereits seine spektakuläre Höllenfahrt an: „Ich habe ausgeliebt“. Denn nun will er durch seine selbstinszenierte Höllenfahrt seinen eigenen Mythos schaffen: der steinerne Gast (die Statue des toten Komturs) ist nur eine Farce und nicht mehr die echte überirdische Erscheinung, um vor den Beteiligten ehemaliger Lieb- und (eher zufällig und ungewollt auch) Feindschaften den fulminanten Abgang zu organisieren. Im Folgenden wird er klösterlich sich zurückziehen und mit Ronda ein Kind haben, während parallel Molina seinen Don Juan im Theater aufführen lässt. Jetzt hat der Mythos begonnen. Warum versucht sich Frisch an dieser figürlichen Rehabilitierung? Ist es bloße, idiosynkratrische Stoffbearbeitung? Wenn es das nicht wäre, hätte Frisch im Grunde auch den Weg gehen können, Juan wieder einmal nur hypokritische Täuschung, also dessen Charakteristik einmal mehr zu betonen, proben zu lassen, um in ein anderes Land mit anderen Frauen zu ziehen, sich zu verlängern. Die Erschaffung des Mythos wäre dann eine narzisstisch gekrönte Glorie. Aber der Leser bliebe mit dem Gefühl der Redundanz zurück. Frisch ging es wirklich um eine Neuerschaffung des Juan. Den Intellektuellen, aber ohne alles Brillenhafte. Doch was sich hier andeutet, ist eine echte Bedrohung: er zerstört zugleich den Mythos um Don Juan, der seinen eigenen Mythos erst schaffen muss. Er ist nicht mehr das lasterhafte Extrem, das kontrapunktisch zu seiner Normenwelt liebt, frevelt und tötet: er ist plötzlich das Gegenteil: er avanciert zum intelligenten Steuermann durch die beherrschte See gesellschaftlicher Strukturen, zum bewussten Gestalter seines Schicksals, zum Anti-Juan, der vom eigenen Mythos verschlungen wird.

Erfrischend witzig...
von Kaffee am 08.07.2008
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Normalerweise lese ich nicht gerne Theaterstücke - dieses jedoch hat mich in den Bann gezogen. Witzig und erfrischend geschrieben lässt es einem keine Zeit für Langeweile - und wenn ich die Möglichkeit bekomme, will ich es mir gerne als Theateraufführung ansehen!

Ein super Theaterstück
von Thorsten am 25.06.2005
Bewertet: Einband: Taschenbuch

Ich habe bei einer Aufführung den Pater Diego gespielt und muss sagen, dass das Stück von Frisch ein kleines Meisterwerk ist. Don Juan wird dabei zwar leicht veräppelt, aber was solls. Das Stück ist erfrischend und lustig!!! Wie meine Vorrednerin habe auch ich mich verleiten lassen weitere Dinge von Max Frisch zu lesen...