Gerhart Pickerodt wurde 1938 in Kassel geboren. Nach dem Abitur an einem altsprachlichen Gymnasium studierte er Germanistik, Philosophie und Soziologie in Göttingen, wo er 1968 mit einer Arbeit über Hofmannsthals Dramen – betreut von Peter Szondi – zum Dr.phil. promoviert wurde. Danach arbeitete er als Lektor an der Sorbonne in Paris und wurde 1972 zum Professor für Neuere deutsche Literatur in Marburg ernannt. In Marburg lehrte er einunddreissig Jahre bis 2003. Jetzt lebt er in Berlin und in Südfrankreich.
Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Literatur um 1800 (Kleist, Goethe, Schiller, Forster), die Wende zum 20. Jahrhundert, die klassische Moderne sowie Fragen der literarischen Ästhetik und Poetik.
Mittelbarkeit ist das Stichwort für die veränderte Schreibweise des späten Goethe gegenüber seiner klassischen Phase in den neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts. Dominierte dort der symbolische Augenblick mit überzeitlicher und unmittelbarer Bedeutung, so sieht sich der alte Goethe durch die Zeitumstände des neuen Jahrhunderts zu einer veränderten Schreibhaltung genötigt. Indirektheit, Spiegelungsverfahren, Reflexivität und das „Dolmetschen" des Augenblicks sind nun die entscheidenden Momente, die sich als Prinzipien der Mittelbarkeit gegenüber einer Direktheit der Aussage verstehen lassen.
Gerhart Pickerodt, der dreissig Jahre als Professor für Neuere deutsche Literatur in Marburg tätig war, geht in sieben Essays diesen neuen poetischen Impulsen des späten Goethe nach und versucht sie exemplarisch zu ergründen.