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Fremde Verwandtschaft
Bäume faszinieren und provozieren Menschen. Ihre Grösse und ihr Alter, ihre Fähigkeiten und Schönheit ziehen Aufmerksamkeit auf sich und wecken menschliche Leidenschaften. Doch wie auch immer diese Leidenschaften sich äussern, Bäume wachsen ungerührt weiter. Trotzdem besteht zwischen Menschen und Bäumen ein vielseitiges Netzwerk aus Beziehungen, das unter den Bedingungen ökologischer Krise unter enormen Druck gerät. Im Lichte neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über potenzielle Handlungsfähigkeit und soziales Verhalten von Pflanzengemeinschaften gewinnen diese Verhältnisse eine neue Qualität, die grosse kulturelle Resonanz findet. Das Begehren, sich mit arborealer Grösse zu identifizieren, Bäume zu besitzen, sogar selbst Baum zu werden, realisiert sich in einer grossen Bandbreite von kulturellen Formaten.
Solvejg Nitzke untersucht das kulturpoetische Potenzial, das im Dialog zwischen literarischen und wissenschaftlichen, poetischen und epistemischen Baumtexten in Erscheinung tritt. Entlang konkreter Baumbeziehungen untersucht sie u.a. Baumarchive, Familien- und Richtbäume, Monster- und Geisterbäume und zeigt, wie Kultur- und Literaturwissenschaften dazu beitragen können, Bäume in ihrer Fremdheit zu respektieren und dennoch als verwandte Lebewesen zu verstehen.
Buch (Gebundene Ausgabe)
ab Fr.55.90