Kochen

Geteiltes Glück schmeckt doppelt gut


Essen ist vor allem Nahrungsaufnahme, natürlich! Aber essen ist auch ein sozialer Akt. Man lädt einander ein, feiert Grillpartys oder bringt den neuen Nachbarn ein paar Häppchen, die man gemeinsam verspeisen kann. Einige brandneue Kochbücher beschäftigen sich ganz direkt mit dem gemeinsamen Geniessen.


Text: Michelle Becht, 2021 

Auguste Escoffier, der französische Meisterkoch des 19. Jahrhunderts, behauptete einst: «Eine gute Küche ist das Fundament allen Glücks.» Nach über einem Jahr der sozialen Distanzierung darf man nun Köstlichkeiten wieder ohne schlechtes Gewissen teilen – und damit das Glück bekanntlich verdoppeln. Einigen ist das Teilen besonders wichtig, zum Beispiel dem Chefkoch Jamie Oliver. Mit seinen Restaurants engagiert er sich für arbeitslose und sozial benachteiligte Jugendliche, die er ausbildet. Passend zu seiner humanitären Arbeit liefert er ein neues Kochbuch mit vielsagendem Titel: «Together – Alle an einem Tisch». Darin präsentiert er über 120 Rezepte für jede Gelegenheit, vom Curry-Plausch über die Garten-Party bis zum französisch inspirierten Soul-Food-Abend. Damit alles ohne Schweissperlen und Stress abläuft, liefert er zahlreiche Tipps und Tricks zur Planung, Vor- und Zubereitung. Dem fünffachen Familienvater ist nicht nur stressloses Kochen wichtig: Gute Vorbereitung bedeutet, dass trotz einiger Arbeit viel Zeit für den Besuch bleibt.

Rezepte für jede Situation

«Liebe geht durch den Magen.» Alter Spruch, wahrer Kern? Leider ist das Sprichwort nicht so romantisch, wie es klingt. Es stammt nämlich aus dem 19. Jahrhundert, wo die klaren Geschlechterrollen der Frau noch die Küche zuwiesen. Überzeugte sie in der Küche, waren ihre Heiratschancen grösser. Auch im wissenschaftlichen Kontext stimmt das Sprichwort nicht: Verliebte haben nämlich durchschnittlich weniger Hunger. Dies liegt an den Appetit hemmenden Hormonen Serotonin und Dopamin, die in der Ekstase des Verliebtseins (hoffentlich) mehr ausgeschüttet werden. Doch man muss ja essen! Sandra Ruhland und Patrick Rosenthal garantieren mit ihrem Kochbuch «Das ultimative Dating-Kochbuch», dass jede Verabredung ein wahrer Erfolg wird – zumindest kulinarisch. Egal, ob es sich um ein erstes Date oder eine schon fortgeschrittene Beziehung handelt, die Rezepte sind den Herausforderungen jeder Situation angepasst. Nebst 50 beeindruckenden Speisen bietet das Buch auch Ratschläge für brenzlige Situationen: Springt der Funke zum Beispiel überhaupt nicht über, hilft das Buch mit Exit-Strategien oder Rezepten zum «Schöntrinken» aus der Zwickmühle. War das Date ein voller Erfolg? Das Kapitel «Endgame » wird nicht enttäuschen …

Fernweh?

Die Tapaskultur Spaniens beweist, dass zusammen geniessen und essen einfach doppelt so viel Spass macht! Träumen Sie sich in eine überfüllte Tapas-Bar in der Altstadt Barcelonas: Stellen Sie sich das Stimmengewirr verschiedener Gespräche und das Klingeln der Tischglocke vor, wenn die Tapas aus der Küche kommen, dazu den Geschmack von frischem Brot und Serrano-Schinken. Tapas sind der Inbegriff des sozialen Esserlebnisses und ein wichtiger Teil der spanischen Kultur des Teilens. Die Entstehungslegenden der Tapas-Tradition sind so vielfältig wie die kleinen Appetithäppchen selbst: Eine Legende erzählt, dass König Alfons X. von Kastilien im Krankenbett gezwungen wurde, zwischen Mahlzeiten Wein und kleine Häppchen zu sich zu nehmen und dass daraus die Tapas hervorgingen. Andere behaupten, spanische Wirte hätten früher eine Scheibe Brot auf die Weingläser gelegt, um den Wein vor den lästigen Fliegen zu schützen. Die Brotscheibe sei dann laufend immer kreativer verziert worden – etwa mit Sardellen und Oliven. Egal, wie die Tapas nun entstanden sind, es ist für jede und jeden was dabei. Und genau darum ist das Rezeptbuch «Vamos a las Tapas» ein Must-Have. Im Buch werden nicht nur spanische Tapasrezepte vorgestellt, sondern solche aus der ganzen Welt. Gekonnt vermischen die Autoren Tapas-Klassiker wie die italienischen Focaccia und die spanischen Patatas Bravas mit moderneren Häppchen aus aller Welt. Die südamerikanischen Avocado-Wedges oder das japanisch angehauchte Furikake arare Popcorn zum Beispiel lassen einem das Wasser im Mund zergehen. Geteiltes Glück ist eben doppeltes Glück!