Rezension
Mein Weg ist die Musik, und als Musiker kämpfe ich gegen zwei Dinge: gegen lärmende Musik und gegen das Schweigen", sagt Daniel Barenboim. In diesem Punkt war er sich mit dem gebürtigen Palästinenser Edward Said, Professor an der Columbia Universität, einig: Sie hatten gemeinsam die Idee für das West-Eastern Divan Orchestra. Am 21. August spielt dieses Orchester, das aus arabischen und israelischen Musikern besteht, in der palästinensischen Stadt Ramallah ein Konzert - und Daniel Barenboim kann zu Recht stolz da rauf sein, dass mit diesem Orchester eine Völkerverständigung im Kleinen geglückt ist, die nun Zeichen setzt gegen den Krieg zwischen Israel und Palästina. Das Konzert wird in ganz Europa auf dem Kulturkanal arte übertragen, und von Warner Classics erscheint termingerecht ein Konzertmitschnitt, der live in der Viktoria-Halle in Genf aufgezeichnet wurde. Er enthält Werke von Tschaikowsky, Sibelius und Verdi sowie auf einer Bonus-DVD die Dokumentation "Lessons In Harmony". Auch die Deutsche Phono-Akademie zeigt sich beeindruckt von Barenboims engagierter Arbeit: Sie wird ihm und dem Orchester im Oktober einen Echo Klassik überreichen. Im Jahr 1999 fand der erste Workshop in Weimar statt, an dem junge Musiker zwischen 14 und 25 Jahren aus Ägypten, Jordanien, dem Libanon, Tunesien, Syrien und Israel teilnahmen. Anfangs gab es durchaus Spannungen unter den Interpreten, doch die Auseinandersetzung mit Daniel Barenboim und Edward Said, der 2003 verstarb, sowie die anschliessenden Meisterklassen mit dem Cellisten Yo-Yo Ma bauten Vorurteile ab. "Wo sonst findet man 30 Araber, die einem Israeli Glück wünschen, ausser in einer Tschaikowsky-Sinfonie, bei der sich der Hornist auf ein schwieriges Solo vorbereitet", sagt Barenboim, "und wo findet man sonst 30 Israelis, die hoffen, ein ägyptischer Oboist möge Erfolg haben - mit seinem Solo." Die Workshops wurden in Weimar und Chicago wiederholt und finden seit 2002 regelmässig in Sevilla statt. (Quelle/Copyright: G+J Entertainment Media)