Hannes Wader
1. Die Nacht (F.Hölderlin)
Produktdetails
Verkaufsrang
215
Medium
CD
Anzahl
1
Hersteller
In-AkustikSprache
Deutsch
Komponiert von
Hannes Wader
Erscheinungsdatum
23.06.2022
EAN
4013357410428
Kundinnen und Kunden meinen
Schöne Musik als Ausdruck einer schwierigen Lebensphase
Mathias Pack aus Nümbrecht am 05.07.2022
Bewertungsnummer: 1742142
Bewertet: Musik (CD)
Der Einstieg ist sehr nachdenklich: Im ersten Track rezitiert der 80-jährige Hannes Wader das Hölderlin-Gedicht "Die Nacht", das schöne Erinnerungen heraufbeschwört, die weit zurück liegen. Die vergangenen Jahre bezeichnet Wader als die aufwühlendsten und dramatischsten seines ganzen Lebens. Nicht nur Corona wird dabei eine Rolle gespielt haben, sondern auch eine schwere, überwundene Krankheit und die Trennung von seiner Frau. Er thematisiert das in einem Stück mit dem schlichten Titel: "Es ist vorbei".
Zum neuen Album hat Hannes Wader kürzlich ein Interview gegeben. Darin gibt er in ausgefeilten, aber knappen Worten Auskunft über seinen aktuellen Gemütszustand. Er macht sich Gedanken über den Tod. Das steckt schon im Titel des Albums: "Noch hier", denn das das könnte ja auch so viel heißen wie "bald vielleicht nicht mehr hier". Seine Texte sind wie immer tiefsinnig, kritisch und mit einer gesunden Prise Humor und Scharfsinn gewürzt.
Fast alle Lieder auf diesem Album haben für Hannes Wader eine persönliche Bedeutung. Die beschreibt er im sehr aufwändig gestalteten, über 60-seitigen Booklet. Mit dem Volkslied "Es dunkelt schon in der Heide" verbindet er zum Beispiel eine Kindheitserinnerung: Seine Mutter hat es ihm bei der Roggenernte vorgesungen. Der Text vom "Novembertag" stammt von seiner Großmutter; sie schrieb Gedichte und von ihr meint Wader sein poetisches Talent geerbt zu haben.
Zu den Höhepunkten des neuen Albums zählt ganz sicher ein Duett mit seinem langjährigem Freund Reinhard Mey. Die beiden singen "Le temps des cerises", ein altes, französisches Liebes- und Revolutionslied – und Lieblingslied beider. Das vielleicht stärkste Stück ist aber ein neues, mit dem Titel: "Schlimme Träume". Hier erzählt Wader u.a. über die Probleme, die das Alter so mit sich bringt; z.B. Beispiel die Vergesslichkeit, oder die vergebliche Suche nach guten Textideen.
Wie so oft in Hannes Waders Liedern steht der Text und seine prägnante Stimme im Vordergrund. Die Instrumentierung des Albums ist sehr vielfältig mit Bratsche, Cello, Drehleier, Harfe - die geben einen warmen Klang, der Waders unverkennbare Gesangsstimme sehr gut ergänzt und umschmeichelt. Alles in Perfektion aufgenommen und arrangiert von Produzentenlegende Günter Pauler.
"Noch hier" ist ein reifes Alterswerk, lupenrein produziert, mit zeitlosen Volksliedern, anrührenden Geschichten, guten Ideen und auch düsteren Gedanken. Wenn es nach Hannes Wader geht, soll es auch noch nicht sein letztes Werk gewesen sein. Hoffentlich …!?