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Catharina Berents

Catharina Berents, promovierte Kunsthistorikerin, veröffentlichte Bücher, Aufsätze und Übersetzungen zu Kunst, Architektur, Kunstgewerbe, Design und Kulturgeschichte des 19. bis 21. Jahrhunderts. Nach einer Laufbahn im Bereich Museum, wo sie im Rheinland, in Hessen und zuletzt als Direktorin eines kulturgeschichtlichen Museums in Schleswig-Holstein im Amt war, ist sie seit 2013 an der Leuphana Universität Lüneburg beschäftigt. Dort lehrt sie im Fach Design und Kunstgeschichte und ist im Wissenschaftsmanagement tätig.
Die Contessa di Castiglione und Olympe Aguado von Catharina Berents

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Die Contessa di Castiglione und Olympe Aguado

Die Contessa di Castiglione und Olympe Aguado

Buch (Gebundene Ausgabe)

ab Fr.65.90

Unter Napoleon III., der sich 1851 zum Kaiser proklamierte, wurde die Photographie zum beliebten „Spielzeug“ der Reichen, Schönen und Mächtigen. Sein Hof bediente sich systematisch des neuen Mediums und brachte zwei Persönlichkeiten hervor, die je auf ihre Art Photogeschichte schrieben. Catharina Berents und Wolfgang Kemp stellen diese beiden Protagonisten des Second Empire vor, eine photogene Femme fatale und einen begnadeten Amateur:
„La Castiglione“ (1837–1899), eine umworbene Schönheit aus dem italienischen Hochadel, wurde berühmt als Modell, als Verkleidungskünstlerin im höfischen Festereigen und als Agentin mit dem geheimen Auftrag, den Kaiser zu verführen und für die italienische Unabhängigkeit zu gewinnen. Die Rollen zu wechseln wie ihre Roben war der Lebensinhalt der Contessa di Castiglione, die von 1856 bis 1857 tatsächlich die Geliebte Napoleons III. war. Über 400 selbst inszenierte Portraits liess sie von Pierre-Louis Pierson anfertigen, dem Mitbesitzer des Ateliers Mayer & Pierson, das auch der Kaiser und der ganze Hof häufig frequentierten. Die berühmte Aufnahme der Contessa mit einem kleinen Bilderrahmen vor dem Gesicht sollte später zu einer feministischen Ikone werden.

Olympe Aguado (1827–1894), Sohn und Erbe eines spanischen Marquis, der zu einem der reichsten Bankiers Frankreichs aufstieg, galt am kaiserlichen Hof als ambitionierter Amateurphotograph. Grossbürgerlich bis imperial sind die Motive seiner Bilder: Portraits von Napoleon III. und seiner Gattin Eugénie, von befreundeten Aristokraten und deren Jagdhunden, luxuriöse Interieurs, Parklandschaften und – eine rare Besonderheit – tableaux vivants, kleine häusliche Szenarien, mit feiner Ironie nachgespielt von Familienmitgliedern und Freunden. Die Photographie war für Aguado jedoch weit mehr als ein Hobby. Schüler des französischen Photopioniers Gustave LeGray, experimentierte er mit den unterschiedlichsten photographischen Verfahren, unterhielt zeitweise ein eigenes Photoatelier und war 1854 Gründungsmitglied der überaus einflussreichen Société française de photographie.

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