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Fridtjof Nansen

Fridtjof Nansen (1861-1930), norwegischer Zoologe, Polarforscher und Friedensnobelpreisträger, studierte Zoologie an der Universität von Christiania. Ab 1897 widmete er sich der damals noch jungen Forschungsdisziplin Ozeanographie, unternahm hierzu mehrere Forschungsreisen hauptsächlich in den Nordatlantik und war an der Entwicklung von Gerätschaften für die Meeresforschung beteiligt. Als Polarforscher durchquerte er 1888 als Erster Grönland über das Inlandeis und stellte während seiner Nordpolarexpedition (1893-1896) gemeinsam mit Fredrik Hjalmar Johansen am 8. April 1895 mit einer geographischen Breite von 86° 13,6' N einen neuen Rekord in der bis dahin größten erreichten Annäherung an den geographischen Nordpol auf. Er revolutionierte die Techniken des polaren Reisens und beeinflußte damit alle nachfolgenden Expeditionen in Arktis und Antarktis. Bei den Bestrebungen zur politischen Unabhängigkeit Norwegens nahm Nansen als einer der angesehensten Bürger seines Landes eine Schlüsselfunktion ein. Im Jahr 1905 war er ein vehementer Verfechter für die Beendigung der seit 1814 bestehenden schwedisch-norwegischen Personalunion und half bei der Inthronisation des damaligen Prinzen von Dänemark zum norwegischen König Haakon VII. Zwischen 1906 und 1908 arbeitete Nansen im diplomatischen Dienst in London, wo er an den Verhandlungen zur völkerrechtlichen Anerkennung der Souveränität Norwegens beteiligt war. Im letzten Jahrzehnt seines Lebens diente Nansen als Delegierter und Hochkommissar für Flüchtlingsfragen dem nach dem Ersten Weltkrieg gegründeten Völkerbund. In dieser Zeit initiierte er den nach ihm benannten Nansen-Paß für staatenlose Flüchtlinge. Hierfür und für seine Verdienste um die internationale Flüchtlingshilfe erhielt er 1922 den Friedensnobelpreis.

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Betrogenes Volk

Nansen zeigt im Abriss der armenischen Geschichte eindrucksvoll die Not und den Kampf des armenischen Volkes gegen seine Unterdrücker und Feinde.

Nach wiederholten Erwägungen, ob für die armenischen Flüchtlinge etwas getan werden könne, die sich in verschiedenen Ländern in grosser Not befanden, forderte der Rat des Völkerbundes den Verfasser dieses Buches auf, sich als Oberkommissar des Völkerbundes auch mit dieser Frage zu befassen. In voller Klarheit über die Verantwortung, die ich mit der Übernahme dieser Aufgabe auf mich laden würde, lehnte ich zunächst ab, liess mich aber schliesslich überreden, gemeinsam mit dem Internationalen Arbeitsamt einen Versuch zu machen. Die Völkerbundversammlung stellte eine Summe zur Deckung der Ausgaben zur Verfügung, die mit den nötigen Untersuchungen und Vorbereitungsarbeiten verbunden waren. Die Vertretung der armenischen Flüchtlinge hatte dem Völkerbundrat einen Plan übermittelt, der die Überführung von 50000 Flüchtlingen nach der sogenannten Sardarabad-Wüste in der Republik Armenien in Aussicht nahm. Der Landstrich sollte durch künstliche Bewässerung urbar gemacht werden, und der Völkerbundrat wurde aufgefordert, die dazu nötigen Geldmittel, schätzungsweise zwanzig Millionen Mark, aufzubringen. Um sich eine zuverlässige Meinung über diesen Plan oder andere Möglichkeiten der Überführung und Unterbringung von Flüchtlingen in Armenien bilden zu können, war offenbar eine Untersuchung an Ort und Stelle durch besondere Sachverständige notwendig. Es erschien in hohem Grade wünschenswert, eine solche Möglichkeit zu finden; man durfte dann hoffen, wenigstens etwas zur Schaffung jener »nationalen Heimat« beitragen zu können, die den armenischen Flüchtlingen von den europäischen Westmächten und den Vereinigten Staaten von Amerika bindend versprochen worden war und die der Völkerbund immer wieder in Aussicht gestellt hatte. Wir beschlossen also, eine Kommission nach Armenien zu senden.
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