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Betrogenes Volk
Nach wiederholten Erwägungen, ob für die armenischen Flüchtlinge etwas getan werden könne, die sich in verschiedenen Ländern in grosser Not befanden, forderte der Rat des Völkerbundes den Verfasser dieses Buches auf, sich als Oberkommissar des Völkerbundes auch mit dieser Frage zu befassen. In voller Klarheit über die Verantwortung, die ich mit der Übernahme dieser Aufgabe auf mich laden würde, lehnte ich zunächst ab, liess mich aber schliesslich überreden, gemeinsam mit dem Internationalen Arbeitsamt einen Versuch zu machen. Die Völkerbundversammlung stellte eine Summe zur Deckung der Ausgaben zur Verfügung, die mit den nötigen Untersuchungen und Vorbereitungsarbeiten verbunden waren. Die Vertretung der armenischen Flüchtlinge hatte dem Völkerbundrat einen Plan übermittelt, der die Überführung von 50000 Flüchtlingen nach der sogenannten Sardarabad-Wüste in der Republik Armenien in Aussicht nahm. Der Landstrich sollte durch künstliche Bewässerung urbar gemacht werden, und der Völkerbundrat wurde aufgefordert, die dazu nötigen Geldmittel, schätzungsweise zwanzig Millionen Mark, aufzubringen. Um sich eine zuverlässige Meinung über diesen Plan oder andere Möglichkeiten der Überführung und Unterbringung von Flüchtlingen in Armenien bilden zu können, war offenbar eine Untersuchung an Ort und Stelle durch besondere Sachverständige notwendig. Es erschien in hohem Grade wünschenswert, eine solche Möglichkeit zu finden; man durfte dann hoffen, wenigstens etwas zur Schaffung jener »nationalen Heimat« beitragen zu können, die den armenischen Flüchtlingen von den europäischen Westmächten und den Vereinigten Staaten von Amerika bindend versprochen worden war und die der Völkerbund immer wieder in Aussicht gestellt hatte. Wir beschlossen also, eine Kommission nach Armenien zu senden.
Buch (Gebundene Ausgabe)
Fr.53.90