Georges Bizet (1838–1875) gelang mit seiner Oper „Carmen“ (1875) einer der grössten Erfolge der Gattungsgeschichte. Zwar kam sie beim Publikum zunächst nicht besonders gut an, jedoch erkannten bereits zeitgenössische Komponisten wie Debussy, Tschaikowsky und Brahms die Qualitäten des Werkes, was sich später auch in seiner Beliebtheit widerspiegeln sollte – heute ist die Oper eine der weltweit meist gespielten überhaupt. Abseits dieser Oper komponierte Bizet trotz seines kurzen Lebens einige weitere Werke, darunter viele Lieder, Klaviermusik und geistliche Musik..
Marc Rigaudière ist Professor für Musikwissenschaft an der Universität Reims Champagne-Ardenne (URCA) und des dortigen Studien- und Forschungszentrums für Kulturgeschichte (CERHiC). Bereits 1993 war er erster Preisträger im Fach Musikalische Analyse am Pariser Konservatorium (CNSMDP). Es folgten an der Pariser Universität Sorbonne 2002 die Promotion und 2019 die Habilitation. Marc Rigaudière hatte Lehraufträge an verschiedenen Universitäten inne, u.a. am Konservatorium in Metz sowie an der Sorbonne in Paris. Seine Forschungsschwerpunkte sind Musiktheorie und musikalische Analyse. U.a. beschäftigt er sich mit dem deutsch-französischen Kulturtransfer im Bereich der Musiktheorie. Seit 2002 widmet er sich in Zusammenarbeit mit dem Carus-Verlag der wissenschaftlichen Edition musikalischer Werke. Seine vollständige Publikationsliste ist hier zu finden: https://cv.hal.science/marc-rigaudiere
Georges Bizet räumte selbst ein, eigentlich keinen Sinn für geistliche Musik zu haben. Doch mit dem vorliegenden „Te Deum“ hinterliess der erfolgreiche Opernkomponist ein faszinierendes, ausdrucksstarkes Werk. Vom majestätischen „Te Deum laudamus“ über die solistisch geprägten Mittelsätze „Tu Rex gloriae“ und „Te ergo quaesumus“ bis hin zur kunstvollen Chorfuge des „Fiat misericordia tua“ und der machtvollen Reprise des Anfangs sind die Mühen, die der junge Bizet im Jahr 1858 damit nach eigenem Bekunden hatte, der Komposition nicht anzumerken.
Das „Te Deum“ nimmt in Bizets Schaffen eine aussergewöhnliche Rolle ein. Der Herausgeber der vorliegenden Urtextausgabe, Marc Rigaudière, beleuchtet im umfangreichen dreisprachigen Vorwort detailliert die Entstehungsumstände des Werks. Die Edition beruht auf der einzigen erhaltenen Quelle, dem Autograph des Komponisten. Erstmals ist das Werk mit dem kompletten Material käuflich erhältlich.