John Reed (1887-1920), amerikanischer Journalist, arbeitete nach dem Abschluss seines Studiums in den Fächern Soziologie und Wirtschaftswissenschaften in Harvard (1910) ab 1913 bei Max Eastmans Zeitschrift 'The Masses'. Er berichtete vom Streik der Seidenweber in Paterson (New Jersey) und wurde inhaftiert, als er versuchte, eine Rede für die Streikenden zu halten. Im Herbst 1913 schickte ihn das 'Metropolitan Journal' nach Mexiko. Seine Berichte von der mexikanischen Revolution bedeuteten seinen Durchbruch als Journalist. 1914 war Reed als Kriegsberichterstatter im Ersten Weltkrieg. Lincoln Steffens ermutigte Reed und seine Frau Bryant als Korrespondenten nach Russland zu gehen. Sie reisten im August 1917 ab und kehrten Ende April 1918 zurück; dabei erlebten sie die Oktoberrevolution aus der Nähe mit. Reeds Buch 'Zehn Tage, die die Welt erschütterten' wurde berühmt. Reed gehörte zu den am 30. August 1919 aus der Sozialistischen Partei Amerikas ausgeschlossenen Radikalen. Diese gründeten in der Folge zwei eigene Parteien. Reed war der erste Vorsitzende der 'Kommunistischen Arbeiterpartei' und der Herausgeber ihrer Zeitschrift 'The Voice of Labor'. Als Reed wegen Aufruhr angeklagt wurde, flüchtete er im Oktober 1919 mit einem gefälschten Pass über Norwegen, Schweden und Finnland nach Sowjetrussland, um dort bei der Komintern Unterstützung für seine CLP zu suchen. 1920 erneut in Russland, erkrankte er im September 1920 an Typhus und starb wenige Tage vor seinem 33. Geburtstag.
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Zehn Tage, die die Welt erschütterten
»Schon rein als Reporterleistung genommen ist John Reeds Arbeit bewundernswert: mitten in einer Woche, die seinen Kollegen als Episode der russischen Parteikämpfe, bestenfalls als wichtige Episode des an wichtigen Episoden überreichen Weltkrieges erscheint, weiss er, dass es die Tage sind, die die Welt erschüttern. John Reed, der Journalist, ist sich bewusst, diesmal vor dem Weltgericht Zeugnis ablegen zu müssen. So dokumentiert er jede Phase des Kampfes, sammelt Resolutionen, druckt Reden im Wortlaut ab, stellt Beschlüsse fest, nennt russische Namen, beschreibt Deputierte des Kongresses, gibt an, mit wieviel Stimmen Mehrheit irgendein Geschäftsordnungsantrag abgelehnt wird, all das, was einem anderen Journalisten langweilig oder überflüssig erschienen wäre, ihm aber, John Reed, ungeheuer wichtig ist, da er nicht zweifelt, dass es keineswegs bloss darum geht, wer in diesen Oktobertagen Sieger bleiben wird, sondern um die Entscheidung auf Jahrhunderte hinaus. Und hatten auch diese zehn Tage keine Entscheidung gebracht, die Tatsache, dass ein leidenschaftlicher Chronist in ihnen ihre Ewigkeitswirkung erblickte, musste alle seine sachlichen Details, seine Notate von russischen Personen, Versammlungsentschliessungen, Stimmenverhältnissen, Proklamationen, Örtlichkeiten vor jedem Stäubchen Langeweile bewahren, musste das Interesse an allen Figuren wecken, ihnen den Glanz von Mitkämpfern leihen, und den Berichten den Wert sichern, klassischer Journalismus zu sein.« [Egon Erwin Kisch im Vorwort]
Buch (Gebundene Ausgabe)
ab Fr.55.90