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Autorenporträt von

Josef Haslinger

Josef Haslinger, 1955 in Zwettl/Niederösterreich geboren, lebt heute in Wien. Von 1996 bis 2021 lehrte Haslinger als Professor für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Zu seinem Werk gehören die Romane »Opernball«, »Das Vaterspiel« und »Jáchymov«, der Erzählungsband »Zugvögel« sowie die literarischen Berichte »Phi Phi Island« und »Mein Fall«. Haslinger erhielt zahlreiche Preise, zuletzt den Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels, den Rheingau Literaturpreis und das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien.Literaturpreise:Theodor Körner Preis (1980)Österreichisches Staatsstipendium für Literatur (1982)Förderungspreis der Stadt Wien (1984)Stipendium des Deutschen Literaturfonds (1985)Österreichisches Dramatikerstipendium (1988)Elias Canetti-Stipendium der Stadt Wien (1993-94)Stipendium des Deutschen Literaturfonds (1994)Förderungspreis des Landes Niederösterreich für Literatur (1994)Preis der Stadt Wien und Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels (2000)Mainzer Stadtschreiber (2010)Rheingau Literatur Preis (2011)

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Pfarrer Karl Raab Produktbild: Pfarrer Karl Raab Vorbesteller Neu

Pfarrer Karl Raab

Ein aussergewöhnliches Buch für Leserinnen und Leser von zeitgeschichtlichen Stoffen und gesellschaftspolitischen Themen.

Josef Haslingers historische Reportage zeichnet den Fall des Pfarrers und Sexualstraftäters Karl Raab (1902-1942) nach, der im niederösterreichischen Waldviertel mehr als dreissig minderjährige Mädchen missbraucht und anschliessend von der nationalsozialistischen Justiz zum Tode verurteilt wird.

Karl Raab besucht die Klosterschule in Stift Zwettl, die Internatsschule der Benediktiner in Seitenstetten und das Priesterseminar in St. Pölten, bevor er als Geistlicher nach Gross Gerungs, Eggenburg und schliesslich Arbesbach kommt. Vermutlich schon ab 1929 begeht Karl Raab erste Übergriffe auf die ihm seelsorgerisch anvertrauten Schulmädchen, die meisten davon im Alter zwischen zehn und vierzehn Jahren. Unter dem Vorwand der sexuellen Aufklärung und durch Ausübung psychischen Drucks kommt es zu intimen Berührungen und Nacktfotos. Der Pfarrer ist allgemein beliebt und geachtet, rund ein Jahrzehnt lang gibt es trotz einiger Hinweise auf die Taten keine Konsequenzen. Warum nicht, ist eine der Fragen, denen das Buch nachgeht und die es mit dem Heute verbindet. Erst am 28. Juni 1940 wird er verhaftet. Es kommt zu ersten Befragungen der mutmasslichen Opfer, von denen viele aus Scham den Pfarrer in Schutz nehmen. Der Gerichtsprozess findet am Landesgericht Krems statt, von dem Raab am 14. Oktober 1941 zu sechs Jahren schwerem Kerker verurteilt und anschliessend ins Straflager Rodgau II im hessischen Nieder-Roden, unweit von Frankfurt am Main, eingewiesen wird. 

Aber der Kriminalfall um den österreichischen Landpfarrer zieht schnell grössere Kreise. Raab gerät in den Kampf der Nazis gegen die Kirche und in das Räderwerk der NS-Justiz, wie sie nun auch in Österreich Einzug hält. Roland Freisler – kurz darauf wird er zum berüchtigten Präsidenten des Volksgerichtshofs – fordert persönlich eine Überprüfung des in seinen Augen zu milden Urteils, worauf der Fall von einem Sondergericht in Wien erneut verhandelt wird. Das Todesurteil steht offenbar früh fest und ist politisch gewollt. Alle Versuche, Raab vor der Todesstrafe zu bewahren, darunter ein »Gnadengesuch« von kirchlicher Seite, scheitern. Schliesslich bietet Raab sogar seine »freiwillige Entmannung« an – vergeblich, man will »die dauernde Beseitigung des Angeklagten« zum »Schutz der Volksgemeinschaft«. Karl Raab wird am 18. Juni 1942 als sogenannter Volksschädling zum Tode verurteilt und am 23. September 1942 im Wiener Landesgericht enthauptet.

Josef Haslingers dokumentarischer Text beruht auf genauem Studium von Akten und Dokumenten. Er ist – über die Darstellung eines einzelnen historischen Falls hinaus – ein wesentlicher Beitrag zur Debatte über den Missbrauch innerhalb der Kirchen und zu sexueller Gewalt gegen Frauen und Kinder. Er befreit die Opfer aus dem Schweigen der Archive, beschäftigt sich aber auch mit dem Umgang mit dem Täter durch Justiz und Gesellschaft. Allen Beteiligten gibt Haslinger, indem er aus den gerichtlich festgehaltenen Aussagen zitiert, ihre eigene authentische Stimme. Haslingers persönliche Nähe zum Thema macht dabei das Buch eindringlich und glaubwürdig: Sein eigener Missbrauchsfall – dokumentiert in »Mein Fall« (2020) – vollzog sich im Zisterzienserstift Zwettl, das einige Jahrzehnte zuvor auch von Karl Raab besucht worden war.

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