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Pieke Biermann

Pieke Biermann, geb. 1950, seit 40 Jahren notorisch hurenbewegt, seit 1976 in Berlin und im ›freien gemischten Schreibwarenhandel‹ als Schriftstellerin und Übersetzerin, den meisten eher bekannt für mehrfach preisgekrönte und in diverse Sprachen übersetzte Romane und Kurzgeschichten, durch die Berlin ab 1987 wieder als kriminalliterarischer Ort etabliert wurde.

'Wir sind Frauen wie andere auch!' von Pieke Biermann

Neuerscheinung

'Wir sind Frauen wie andere auch!'
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'Wir sind Frauen wie andere auch!' Mit diesem Slogan wehrten sich 1975 Prostituierte in Frankreich gegen Dämonisierung und Kriminalisierung und traten in den Generalstreik. Er war auch eine Kampfansage an bestimmte feministische Kreise, die ihnen den Respekt verweigerten, sie als dumme, würdelose Opfer darstellten, die von ihrem sexistischen Treiben abgebracht und gerettet werden müssten. Der Streik riss Dämme ein und setzte den verzerrten Bildern in Köpfen und Medien eigene entgegen. Die kämpferische Energie sprang in andere, auch deutschsprachige Länder über und brachte ans Licht, dass sich überall auf der Welt Huren organisierten, selbstbewusst, im eigenen Namen. Es gab also längst eine Bewegung in vielfältigen Formen, zwischen Selbsthilfe, gewerkschaftlicher Organisation und explizit politischem Engagement. Und sie hatte überall die gleichen Gegner: Männer mit dem Drang, Frauen als Objekte zu betrachten, und Frauen mit dem Drang, andere Frauen zu Objekten zu erklären.
'Wir sind Frauen wie andere auch!' Prostituierte und ihre Kämpfe erschien 1980, Frucht der internationalen Hurenbewegung und zugleich ein weiteres Schwungrad. Es ermunterte manche Sexworkerin zum Coming-out und verursachte eine mediale Bugwelle. Hier waren Prostituierte erstmals nicht Objekte, sondern Subjekte. Sechs Frauen aus der vielschichtigen Sexindustrie unterhielten sich 'auf Augenhöhe' über Arbeit, Geld und das Leben zwischen Diskriminierung und Kriminalisierung. Pieke Biermann war eine von ihnen. Sie hat die Gespräche aufgezeichnet und mit einem Essay der Historikerin Gisela Bock über den Umgang des Nazistaats mit Huren, einem Exkurs zur juristischen Lage, Stimmen von Huren aus aller Welt und einem kleinen Kampfkalender zum Buch gemacht.
Inzwischen ist viel passiert. Seit 2002 gibt es endlich ein Gesetz, das Sexarbeit als legales Gewerbe anerkennt. Es gibt eine neue Hurenbewegung, stolz, selbstbewusst, schlagfertig und kräftig, und den Berufsverband Sexwork Deutschland. Doch jetzt ist erneut eine Kampagne gegen Prostitution im Gang, die Huren wieder als Objekte verhandelt: Mit viel prominentem Rückenwind fordert Emma den Backlash, die Kriminalisierung der Prostitution.
Wir machen deshalb den Klassiker wieder verfügbar: Kein x-tes Buch über Prostituierte, sondern Informationen aus erster Hand über den Arbeitsplatz Prostitution. Die Neuausgabe ist erweitert um eine aktuelle Einführung von organisierten Sexworkerinnen sowie einen Bericht zur Rezeptionsgeschichte des Buches von Pieke Biermann und einen Anhang zur neuen Rechtslage.

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