Dr. Sabine Moller arbeitet als Gedächtnisforscherin und Geschichtsdidaktikerin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie hat u.a. an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, an der Stanford University School of Education sowie am Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) der Justus-Liebig-Universität Giessen gelehrt und geforscht. Arbeitsgebiete: Erinnerungs- und Tradierungsforschung, Qualitative Medienforschung; inner- und ausserschulische Geschichtsvermittlung. Veröffentlichungen u.a. "Opa war kein Nazi. Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis" (gemeinsam mit Harald Welzer und Karoline Tschuggnall), Frankfurt am Main 2015 (9. Aufl.).
Die Unterschiede im Geschichtsbewusstsein von ost- und westdeutschen Bundesbürgern lassen sich erst dann hinreichend erklären, wenn man berücksichtigt, dass in Ostdeutschland das Spannungsverhältnis von öffentlicher und privater Geschichtserzählung seit 1989 einer radikalen Neubewertung unterlag. Infolge dieser historischen Umbruchsituation erlebten Erinnerungen an die "weissen Flecken" der DDR-Geschichtsdarstellung eine Renaissance. Das, was vor 1989 nicht öffentlich geäussert und nur privat erinnert werden durfte, konnte nun öffentlich neu erinnert werden.
Wie diese "Rückkehr der Geschichte" mit einer Aufwertung von privaten (Familien-)Erinnerungen einhergeht, zeigt sich in ostdeutschen Interviews zum Thema Nationalsozialismus. Hier stehen auch zehn Jahre nach dem Ende der DDR andere historische Ereignisse im Mittelpunkt des Interesses als in Westdeutschland.