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Band 1449
Straßen in Berlin und anderswo
Es hat Kracauer nicht gut getan, dass er im Schatten der Freunde stand, vor allem in dem Benjamins. Das hat zu Kurzschlüssen Anlass gegeben. Man sah in ihm einen Flaneur, in seinen Texten Denkbilder – oder aber man führte ihn als den authentischeren Materialisten gegen jene Freunde ins Feld. Schliesslich tat einer von ihnen, der gestrenge Adorno, ein übriges und machte Kracauer und Benjamin gemeinsam den Vorwurf, sie hätten zuviel Respekt vor der Faktizität.
Kracauers Strassen-Buch, das auf Blochschen Spuren und durch die Benjaminsche Einbahnstrasse zu wandeln scheint, geht jedoch eigene Wege. Es spendet keinen mimetischen Trost, läutert die Dinge nicht zur Idee und entzündet keine Hoffnung im Abseits. Vielmehr deutet es auf etwas Beunruhigendes, ja Grauenerregendes, das nicht gebannt, sondern nur aufgewiesen und benannt werden kann. Und zwar in einer Sprache, die weder Müssiggang noch Eitelkeit kennt. Sie ist nicht hermetisch, sondern hat Fugen, durch die fremd der Wind des Alltäglichen weht. Keinen bösen, aber einen unbestechlichen, nicht einmal einen kühlen, sondern einen teilnehmenden Blick richtet Kracauer auf die Welt – auf eine verlassene Welt.
Die Zeit ist gekommen, Kracauers Strassen-Buch, erschienen 1964, mit Skizzen und Essays aus den Jahren 1926 bis 1933, neu zu lesen, frei von der Bevormundung durch Bilder und Konstruktionen, denen er sich verweigert hat.
Buch (Taschenbuch)
Fr.24.90