Meine letzte RezensionWirf einen Schattenvon Elena Fischer
Nach Elena Fischers wundervollem Coming-of-Age-Debütroman "Paradise Garden" hat mich der Einstieg in ihren neuen Roman überrascht. Statt der Leichtigkeit, die ich mit ihrem Debüt verbinde, begegnet mir eine Geschichte, die düsterer kaum beginnen könnte: Am Heiligabend 1963 sieht der deutsche Bauer Joseph keinen anderen Ausweg mehr, als seinem Leben ein Ende zu setzen. Seine Frau Lis hat ihn verlassen und ist mit ihrem Sohn in die Stadt gezogen. Doch gerade in dem Moment, in dem Joseph am Ende seiner Kräfte scheint, klingelt es an der Tür – und die Geschichte nimmt eine unerwartete Wendung.
Immer wieder wird die Handlung von Rückblenden unterbrochen, die nach und nach offenbaren, wie es zu diesem traurigen Heiligabend kommen konnte. Besonders gefallen hat mir, dass diese Erinnerungen in der Gegenwart erzählt werden. Dadurch fühlte ich mich Josephs Gedanken ganz nah, als würde ich gemeinsam mit ihm in die Vergangenheit eintauchen und die Ereignisse unmittelbar miterleben.
Im Kern ist es ein Roman über Beziehungen – über Nähe und Verlust, über Missverständnisse und die leisen Verbindungen, die Menschen miteinander eingehen. Elena Fischer zeigt auf eindrückliche Weise, wie viel Einfluss selbst scheinbar unscheinbare Begegnungen auf ein Leben haben können. Manchmal sind es gerade die kleinen Gesten, die etwas verändern, wo große Worte längst nicht mehr weiterhelfen.
Zugleich ist dieser Roman eine liebevolle Verneigung vor dem einfachen Leben auf dem Land. Die Ruhe, die Bodenständigkeit und die Entschleunigung, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte ziehen, macht das Buch besonders.