Meine letzte RezensionAn Education in Malice: Verlangen. Intrigen. Blut.von S. T. Gibson
Das altehrwürdige Saint Perpetua’s College liegt abgeschieden in den Bergen Massachusetts. An ihrem ersten Schultag trifft die ehrgeizige Laura Sheridan auf die schöne und mysteriöse Carmilla, die sie umgehend in ihren Bann zieht. Als ihre Lehrerin De Lafontaine, die von Carmilla ebenfalls bezaubert, ja fast besessen zu sein scheint, beide Schülerinnen unter ihre Fittiche nimmt, entbrennt daraus ein erbitterter Wettstreit um die Gunst der Lehrerin. Doch schon bald weicht die anfängliche Rivalität ganz anderen Gefühlen, und Laura verspürt ein dunkles Verlangen, das sie so noch nie zuvor gekannt hat. Immer weiter verstricken die beiden Mädchen sich in ein Netz aus Intrigen und dunkler Magie.
Vampire, kombiniert mit Dark Academia und einer queeren Lovestory, ein Traum für meinen momentanen Lesegeschmack. Ich mochte „A drowry in blood” bereits sehr gerne, daher war das Lesen dieses Titels für mich ein No-Brainer. Gerade jetzt, wo das Wetter immer kälter und nasser wird und die Tage dunkler werden, passt die Stimmung, die dieses Buch ausstrahlt. Wer also noch nach einem düsteren Herbstbuch sucht, kann mit diesem Titel wenig falsch machen.
Ein grosser Teil der Faszination dieser Autorin ist ihr Schreibstil, der meiner Meinung nach auch in der deutschen Übersetzung glänzt. Sie schafft es, die Stimmung, die sie mit jedem Satz kreiert, aufrechtzuerhalten, ohne dass dabei andere wichtige Komponenten wie das Pacing verloren gehen. Die Liebesbeziehung zwischen Carmilla und Laura steht dabei nicht im Vordergrund und fühlt sich durch das gemeinsam Erlebte wie eine natürliche Steigerung der Gefühle unserer Hauptpersonen an. Diese Geschichte lebt eher von der entstehenden Welt, von der Obsession und der Rivalität. Das ist eine willkommene Abwechslung zu den actiongeladenen Romantasy-Romanen, die momentan gehypt werden. Allerdings hat die Wortgewalt und das dadurch entstehende literarische Festmahl aus meiner Sicht das Problem, dass man sich wenig mit den Charakteren identifiziert. Als Leser:innen erfahren wir wenig über die Hintergründe der Figuren, wodurch sie eher flach und unwirklich wirken.
Dieses Buch ist nichts für all jene, die mehr Handlung und Tiefe sowie tragische Charaktere erwarten. Wer aber einen Einstieg in die Fantasy-Literatur mit atmosphärischen Welten und einer eher geringen Seitenzahl sucht, dem kann ich dieses Buch nur ans Herz legen.
Es ist völlig egal, ob man den Roman „Carmilla” kennt oder nicht. Dieses Retelling funktioniert auch, wenn man den Originaltext nicht kennt oder nur sehr wenig darüber weiß. Wer auf der Suche nach einer guten Sapphic-Lovestory oder einem atmosphärischen Dark-Academia-Buch ist, kann mit diesem Titel wenig falsch machen. Und wer Vampire liebt, sollte S. T. Gibson sowieso eine Chance geben.