Opferstrukturen in Max Frischs "Andorra"
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Beschreibung
Produktdetails
Einband
Taschenbuch
Erscheinungsdatum
15.06.2012
Verlag
GRINSeitenzahl
32
Maße (L/B/H)
21/14.8/0.3 cm
Gewicht
62 g
Auflage
2. Auflage
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-656-21660-5
Zentral ist aber auch der Opferbegriff, der sich als problematisch herausstellt. Er kann einen breiten Bereich umfassen. Wie der Theologischen Realenzyklopädie zu entnehmen ist, finden sich zunächst semantische Abweichungen in verschiedenen Sprachen. Während beim Wort "opfern" im Deutschen eher an "Verlust, Verzicht, Aufgeben, Abgeben" gedacht wird, ist im englischen und im französischen Wort "sacrifice" das Heilige noch enthalten (lat.: sacer: heilig). Im Deutschen wird dem Wort also eine profanere Bedeutung zugemessen, als im Englischen und Französischen, wo das Transzendente noch deutlich mitschwingt. Der Ursprung des Wortes ist in letzteren beiden Sprachen noch nicht verfälscht. Sie verweisen auf die heiligen Rituale, die mit Opfern einher gehen.
Heute wird der Begriff "Opfer" vermehrt ohne bewussten Zusammenhang zum Heiligen benutzt. Dabei wird lediglich der profane Tod eines Menschen berücksichtigt, ohne nach einem Sinnbezug zu Höherem zu suchen.
Welchen Opferbegriff Frisch verfolgte, soll eine Untersuchung des von selbigem in Andorra klären. Die bisherigen Untersuchungen haben zumeist nur auf einen undeutlichen Opferbegriff zurückgegriffen, wobei nicht deutlich wurde, ob und inwiefern ein Sinnbezug zu Höherem hergestellt wird.
Nicht immer gelang es, einen sinnvollen Zugang zum Stück zu erschliessen. Das ist etwa bei Gerd Alfred Petermanns Aufsatz zu Andorra der Fall, in dem er schlussfolgert, dass das Stück "als Ganzes zum plakativen Weihespiel" verkommt. Dieses fatale Fazit stellt nicht nur den Wert des Stücks in Frage, sondern ebenso den Aussagegehalt vieler weiterer Andorra-Untersuchungen. Ob das Stück tatsächlich unweigerlich "ins Leere stösst", wird anhand weiterer Lesarten, die den Opferbegriff einbeziehen, überprüft.
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