Anwendbarkeit des Cleavage-Modells vom Lipset und Rokkan auf Afrika angesichts historischer Belastungen und Ethnizität
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Sprache:Deutsch
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Produktdetails
Format
ePUB
Kopierschutz
Nein
Family Sharing
Nein
Text-to-Speech
Ja
Erscheinungsdatum
07.03.2004
Verlag
GRINSeitenzahl
19 (Printausgabe)
Dateigröße
507 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783638259255
Studienarbeit aus dem Jahr 2002 im Fachbereich Politik - Region: Afrika, Note: 1,0, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (Institut für wissenschaftliche Politik), Veranstaltung: Proseminar: Vergleichende Regierungslehre, Sprache: Deutsch, Abstract: [...] Die Andersartigkeit
afrikanischer Parteiensysteme ist bereits bei oberflächlicher Betrachtung offensichtlich: Das
politische Erbe der Kolonialzeit, die bis heute nicht vollständig realisierte Demokratisierung,
die wirtschaftliche Unterentwicklung, die Bedeutung von Klientelismus und "politisierter
Ethnizität" (Bos/Schmidt 1997: 400-401) sowie die daraus resultierende Schwäche der
Parteien seien beispielhaft als Unterscheidungskriterien genannt.
Die bisherige Theorieanbindung der afrikanischen Parteienforschung ist sehr gering und somit
sind auch die Forschungsergebnisse systematischer Vergleiche von afrikanischen
Parteiensystemen mit denen anderer Kulturen äusserst dünn gestreut. Viele Autoren beklagen
dies ebenso wie das Fehlen verlässlicher Daten (Schmidt 1997: 252-253; Erdmann 1999: 375-
376). Erschwerend kommen die hohe Veränderungsdynamik und das Problem der
Datenaufnahme über informelle politische Aktivitäten, die in Afrika durchaus eine Rolle
spielen (Ebd.: 385), hinzu. Ausserdem sind die betroffenen Parteiensysteme noch jung, so
dass die Forschung auf einen nur kurzen Zeitraum demokratischer Erfahrungen zurückblicken
kann.
Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die Staaten südlich der Sahara, da
weitgehende Einigkeit über deren kulturelle Unterscheidung von Nordafrika besteht (Schmidt
1994: 230). Trotz dieser geographischen Einschränkung sind immer noch 48 Staaten
betroffen, die sich in ihrer sozialen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklung stark
unterscheiden. So könnte wohl jede verallgemeinerte Aussage durch ein Gegenbeispiel
widerlegt werden. Der vorliegende Beitrag möchte jedoch möglichst konzeptuelle Aussagen
machen und erhebt nicht den Anspruch eine detailgenaue Darstellung aller afrikanischen
Parteiensysteme zu sein.
Ich werde nun zunächst das Cleavage-Modell von Lipset und Rokkan vorstellen und seine
Anwendbarkeit auf aussereuropäische Parteiensysteme prüfen. Danach folgt ein Überblick über die Entstehung afrikanischer Parteien sowie über ihre Belastung durch die Herrschaft der
Kolonialmächte und der autoritären Regime. Die Betrachtung historischer Entwicklungen ist
für das Verständnis heutiger Parteiensysteme in Afrika unerlässlich, da sie wesentlich durch
das geschichtliche Erbe bestimmt werden. Dem schliesst sich der Versuch an, die
parteibildende Bedeutung der klassischen Cleavages in Afrika zu erklären und weitere
Konfliktlinien hinzuzufügen.
afrikanischer Parteiensysteme ist bereits bei oberflächlicher Betrachtung offensichtlich: Das
politische Erbe der Kolonialzeit, die bis heute nicht vollständig realisierte Demokratisierung,
die wirtschaftliche Unterentwicklung, die Bedeutung von Klientelismus und "politisierter
Ethnizität" (Bos/Schmidt 1997: 400-401) sowie die daraus resultierende Schwäche der
Parteien seien beispielhaft als Unterscheidungskriterien genannt.
Die bisherige Theorieanbindung der afrikanischen Parteienforschung ist sehr gering und somit
sind auch die Forschungsergebnisse systematischer Vergleiche von afrikanischen
Parteiensystemen mit denen anderer Kulturen äusserst dünn gestreut. Viele Autoren beklagen
dies ebenso wie das Fehlen verlässlicher Daten (Schmidt 1997: 252-253; Erdmann 1999: 375-
376). Erschwerend kommen die hohe Veränderungsdynamik und das Problem der
Datenaufnahme über informelle politische Aktivitäten, die in Afrika durchaus eine Rolle
spielen (Ebd.: 385), hinzu. Ausserdem sind die betroffenen Parteiensysteme noch jung, so
dass die Forschung auf einen nur kurzen Zeitraum demokratischer Erfahrungen zurückblicken
kann.
Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf die Staaten südlich der Sahara, da
weitgehende Einigkeit über deren kulturelle Unterscheidung von Nordafrika besteht (Schmidt
1994: 230). Trotz dieser geographischen Einschränkung sind immer noch 48 Staaten
betroffen, die sich in ihrer sozialen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklung stark
unterscheiden. So könnte wohl jede verallgemeinerte Aussage durch ein Gegenbeispiel
widerlegt werden. Der vorliegende Beitrag möchte jedoch möglichst konzeptuelle Aussagen
machen und erhebt nicht den Anspruch eine detailgenaue Darstellung aller afrikanischen
Parteiensysteme zu sein.
Ich werde nun zunächst das Cleavage-Modell von Lipset und Rokkan vorstellen und seine
Anwendbarkeit auf aussereuropäische Parteiensysteme prüfen. Danach folgt ein Überblick über die Entstehung afrikanischer Parteien sowie über ihre Belastung durch die Herrschaft der
Kolonialmächte und der autoritären Regime. Die Betrachtung historischer Entwicklungen ist
für das Verständnis heutiger Parteiensysteme in Afrika unerlässlich, da sie wesentlich durch
das geschichtliche Erbe bestimmt werden. Dem schliesst sich der Versuch an, die
parteibildende Bedeutung der klassischen Cleavages in Afrika zu erklären und weitere
Konfliktlinien hinzuzufügen.
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