Von der Unglaubwürdigkeit der Offenbarung - Die Kritik Karl Jaspers am christlichen Verständnis der Offenbarung und ihrer Vermittlung
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Produktdetails
Format
Kopierschutz
Nein
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Nein
Erscheinungsdatum
06.02.2002
Verlag
GRINSeitenzahl
57 (Printausgabe)
Dateigröße
717 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783638111775
Nach einer Vorlesung über Metaphysik kam am Semesterschluss ein katholischer Pfarrer zu mir, sich als mein Hörer zu bedanken, sein Einverständnis auszusprechen: "Ich habe nur den einen Einwand, dass das meiste von dem, was sie vorgetragen haben, nach unserer Auffassung Theologie ist.(1)
So beschreibt Karl Jaspers in seiner Autobiographie den ersten Moment, an dem ihm bewusst wurde, dass er in seinen Vorlesungen wie selbstverständlich über von den Theologen für sich beanspruchte Themen sprach. Nicht, dass er sich auf theologisches Gebiet hätte begeben wollen, aber der Grundansatz seiner Philosophie verlangte nicht nur eine Beschäftigung mit dem Gottesgedanken, sondern auch mit dem Glauben, den Jaspers nicht nur als Phänomen, sondern als notwendige Kategorie jeden menschlichen Daseins ansieht, ohne die der Mensch auch in Zukunft nicht leben können wird.(2)
Was Jaspers an scheinbar theologischen Inhalten lehrte, lehrte er allerdings immer bewusst als Philosoph, unabhängig von jedem Bekenntnis zu irgendeinem religiösen Glauben, wenn auch vom jüdisch-christlichen Kontext geprägt. Diese Unabhängigkeit des Philosophen machte Jaspers in der Folgezeit zum Fundament eines "philosophischen Glaubens", welcher in der individuellen, existentiellen Ausrichtung des Menschen auf die Gottheit gründet. Dieser Glaube bewahrt sich die Offenheit, unabhängig von geschichtlichen Ereignissen, Glaubensformen und Institutionen zu sein. Obwohl dem philosophisch Glaubenden die verschiedenen geschichtlichen Weisen, durch die Menschen in Kontakt mit Gott gekommen sind, bewusst sind und er sich diese aneignet, schliesst er sich nicht einer bestimmten, für sich Ausschliesslichkeit beanspruchenden Form des Glaubens an.
Mit einer solchen Auffassung von Glauben gerät Jaspers unweigerlich in Widerspruch zu einem Offenbarungsglauben, wie er in den biblischen Religionen, am ausgeprägtesten im Christentum zu finden ist. Einen solchen Glauben meint er ablehnen zu müssen, da er in der Offenbarung die Gefahr einer Einschränkung der Freiheit des Menschen sieht.(3)
[...]
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1 Jaspers, K., Philosophische Autobiographie (PA), in: Schilpp (Hg.), Karl Jaspers, Stuttgart 1957, 1-79, 63.
2 Vgl. Jaspers, Vom Ursprung und Ziel der Geschichten (UZG), München 1949, 266ff.
3 Jaspers, Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung (Off), München 1963, 37f.: "Wäre Offenbarung Realität, so wäre sie das Unheil für die geschaffene Freiheit des Menschen."
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