Der Begriff der Liebe bei Rainer Maria Rilke
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Sprache:Deutsch
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Produktdetails
Format
Kopierschutz
Nein
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Nein
Text-to-Speech
Nein
Erscheinungsdatum
25.02.2010
Verlag
GRINSeitenzahl
83 (Printausgabe)
Dateigröße
759 KB
Auflage
1. Auflage
Sprache
Deutsch
EAN
9783640549528
Zunächst betrachte ich die frühe Lyrik, in der die Frau symbiotisch mit der Natur verbunden ist. Ausserdem bildet sie die Verbindung zum angestrebten, metaphysischen Bereich. Hier äussert sich der Wunsch nach einer künstlerisch inspirierenden Liebesbeziehung mit der Partnerin.
Anschliessend interpretiere ich den Wendepunkt zur spirituellen Liebe, die Rilkes zweite Schaffensphase bestimmt. Hier richten sich Sehnsucht, Hingabe und Bewunderung direkt an den göttlichen Ursprung, wobei Einsamkeit, Gebete und die Kunst als Brücke dienen. Liebesbeziehungen werden als unzureichende Verbindung zum göttlichen Bereich erkannt, obwohl die Aussicht auf eine Vervollkommnung der zwischenmenschlichen Liebe in der Zukunft gegeben wird.
Anhand von Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge soll dann das Konzept der intransitiven Liebe erschlossen werden. Dieses soll den Anspruch an eine Verbindung von zwischenmenschlicher und spiritueller Liebe erfüllen. In dem Ideal der fernen bzw. unerwiderten Liebe vereint sich Hingabe und Loslassen. Somit ist das Lieben an sich das Ziel, nicht die Anhaftung an den Liebesgegenstand. Dadurch wird ein neuer Bewusstseinsgrad erreicht, der der spirituellen Sphäre näher kommt.
Daraufhin analysiere ich Rilkes Spätwerk, welches den Zustand der universalen Liebe beschreibt. Diese Art des grenzenlos liebenden und wissenden Bewusstseins nennt Rilke "das Offene" oder "den reinen Raum". Hierbei ist es entscheidend, alle irdischen Dinge
vollkommen gleichwertig zu lieben, da sie alle Teile der göttlichen Einheit sind.
Meine These ist, dass die Veränderung und Erweiterung seines Liebesbegriffs auf das Konzept einer allumfassenden Liebe hinausläuft. Sie verkörpert gleichzeitig ein Verständnis der Zusammenhänge des Universums. Diese unbegrenzte Art der Liebe hat
zwar grundlegend einen religiösen Charakter, passt jedoch in keines der monotheistischen Religionsschemata wie im Judentum, Christentum und Islam. Am nächsten steht sie den Religionen des asiatischen Raumes, wie Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus oder Taoismus. Diese setzen ein natürliches und moralisches Weltgesetz voraus, das den anfangs- und endlosen kosmischen Prozess lenkt. Die Entwicklung des Konzepts der universalen Liebe verläuft in dialektischen Schwankungen, die Rilke in einem
schrittweisen Reifeprozess überwindet.
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