Rezension
Aus ,,Die Zeit" 20.4.2011:Wenn es darum geht, dem Reisehörbuch eine eigenständige, auch musikalische Qualität zu geben, geht das Label Goldmund aus Dresden am weitesten. Goldmund, gegründet 2004, ist ein Liebhaberprojekt des Dresdener Gitarristen und Komponisten Frank Fröhlich. Kernstück der Produktionen ist jeweils die von Fröhlich eigens komponierte und ausschließlich mit Gitarren, Cellos, Harfen und Blasinstrumenten eingespielte Musik. Beim Hörbuch Das alte Wien vermittelt ein ganzes Streichquartett die Behaglichkeit des Heurigen, bei Mien Rügen versuchen Flöten und Cellos, die Weite der Insellandschaft widerzuspiegeln. Zwischen seine Klangbilder stellt Fröhlich Reisebriefe und literarische Alltagsschilderungen von mehr oder weniger bekannten Autoren wie Wilhelm von Humboldt oder Johann Petzzl. Das gelingt nicht immer gleich gut. Besonders bei der Reise nach Rügen werden die Texte sehr herb vorgelesen und verschmelzen nicht richtig mit den ruhigen Eigenkompositionen. Ein ganz anderes Format haben da die 100 Kilometer Emschergeschichten. Auch sie verbinden literarische Texte mit Fröhlichs Kompositionen, ergänzen diese aber noch durch Originalgeräusche. Bereits am Anfang des Hörbuchs zwitschert und plätschert es so lebhaft, dass man gar nicht anders kann, als den Kopf in eine andere Region reisen zu lassen, die wie keine andere in Deutschland durch eine übermächtige Industrialisierung geprägt ist. Die Texte liest der Schauspieler Claus Dieter Clausnitzer souverän und stimmkräftig. Im ,,Loren- Groove" oder ,,Wasserpumpen- Groove" lassen sich Fröhlich und seine Musiker von den typischen Industriegeräuschen entlang des Flusses inspirieren und verwandeln diese in anmutige Töne. Ausgerechnet bei dem eher randständigen Emscher- Thema ergibt sich aus Text und Musik eine ganz neue Qualität. Das Hörbuch 100 Kilometer Emschergeschichten ist ein Kleinod der Gattung Hörbuch.