Jeden Morgen dasselbe. Aufstehen, Schlittschuhe packen und ab zur Eissporthalle, während draussen noch alles Nacht ist. Die Wochenenden werden in glitzernden Kostümen bei Wettkämpfen verbracht. Leistung abrufen, lächeln. Und dann alles wieder von vorn. Seit ihrer Kindheit bestimmt Eiskunstlauf den Rhythmus von Tillie Waldens Leben. Doch auf dem Weg ins Erwachsenenalter gerät der strikte Plan ins Wanken: Zwischen allen Erwartungen, die in der Schule, zu Hause und auf dem Eis an sie gestellt werden, setzt sich eine junge Frau durch, die ihre Homosexualität entdeckt und ihre Freiheit zurückerobert.
In dem autobiografischen Comic “Pirouetten” erzählt Tillie Walden von der Suche nach Selbstbestimmung und davon, was es bedeutet, Gewohntes und Vertrautes hinter sich zu lassen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Andrea Potzler
aus Salching
5/5
12.11.2020
Buch (Taschenbuch)
Jeden Tag aufs Eis- hier eine…
Jeden Tag aufs Eis- hier eine Pirouette, da ein Sprung. Die Illustratorin Tillie Walden war als Jugendliche beim ambitionierten Eiskunstlauf. Aufgeben war für sie für lange Zeit keine Option. Mit diesem Sport, aber auch ihrem Erwachsenwerden und ihrem Coming-out setzt sie sich in “Pirouetten” auseinander. Tillie Walden war schon mit fünf klar, dass sie auf Mädchen steht. Welche eher einschichtige Form der Weiblichkeit ihr beim Eiskunstlauf vorgelebt wurde, wurde ihr aber erst viele Jahre später klar. Vermutlich hat auch diese Erkenntnis wesentlich dazu beigetragen, dass sie beschloss, nun aber endgültig mit dem Eiskunstlauf aufzuhören. Trotz vieler Preise und Erfolge. Sie beschreibt, wie sie sich kaum zum Training aufraffen konnte. Um sich doch aufzuraffen, ging sie schon in der Eislaufkleidung ohne Zudecke schlafen und kühlte das Zimmer. So schlief sie schlecht, schaffte es aber zum Training. Tillie Waldens Blick auf ihr eigenes Leben ist oft erstaunlich nüchtern. Da kommt viel von der Härte zum Tragen, die sie wohl auch im Training erlebt hat. Durchhalten, weitermachen, nicht zimperlich sein. Es hat auch etwas rein Faktisches, wenn sie erzählt, dass ihre Eltern die einzigen Eltern waren, die bei Wettkämpfen nicht jubelnd dabei waren. Die Graphic Novel ist durchgehend in Blautönen mit etwas Gelb gehalten. Wunderbar stellt Tillie Walden in schlichten Bildern dar, wie sie wieder und wieder aufs Eis geht. Das wird mir als Leser nie langweilig, aber es wird klar, welche Mühe es für sie ist. Ungeschönt zeigt sie, wie sie sich weder in das vorherrschende Ideal der geschminkten, gestylten Eiskunstläuferinnen einfinden kann noch sonst leicht dazugehört. Die eigentliche Geschichte des Buchs ist die der Selbstfindung und des Erwachsenwerdens. So ist die Graphic Novel auch für solche Leser eine wunderbare Lektüre , die dem Eiskunstlauf nichts abgewinnen können. potzblog.de
Bewertung
aus Eschede
5/5
10.12.2018
Buch (Taschenbuch)
Absolute Empfehlung
Pirouetten" von Tillie Walden ist ein autobiografisches Werk einer Frau, die ihr Leben reflektiert und uns in dieser besonderen Graphic Novel daran teilhaben lässt.
Dies tut sie mit schonungsloser Ehrlichkeit, mit all den von ihr gefühltem Schmerz und den ganzen verwirrenden Gefühlen die man als junger Mensch hat.
Tillie Walden ist Comiczeichnerin und Illustratorin und hat ihre Graphic Novel demnach natürlich selbst gezeichnet und geschrieben.
Für mich geht es in dieser Graphic Novel gar nicht hauptsächlich um Eiskunstlauf, selbst dann nicht, wenn es hauptsächlich ums Eiskunstlaufen geht.
Vielmehr ging es für mich um Mobbing, Zugehörigkeit, sexuelle Orientierungen und Selbstakzeptanz.
Um Freundschaften und die Familie, die nicht immer Bilderbuchqualität hat, sondern die manchmal schmerzhaft ist und uns mit Wut erfüllt.
Die LGBT-Thematik hat mich sehr berührt. Es tut mir so weh wenn ich lese, wie schlimm es auch schon für so junge Menschen ist, sich zu outen.
Wie wenig Akzeptanz sie erfahren, besonders von der Familie. Wo es doch die Familie sein sollte die uns bedingungslos liebt.
Wie sie ein Stück Kindheit und Jugend einbüßen, indem sie sich jahrelang verstecken und überlegen wie sie es wann wem sagen... Ich konnte das Buch wirklich nicht aus der Hand legen und war sehr mitgerissen von Tillie die uns an den sehr prägenden Jahren ihres Lebens teilhaben lässt.
Ihre Illustrationen sind klar und beschränken sich auf das Wesentliche. Man sieht genau das was die Autorin für wichtig hält und wird nicht abgelenkt. Das passt super gut zur Stroy und hat mir wahnsinnig gut gefällt. Sie zeichnet schnörkellos und geradlinig, aber mit einer großen Menge Emotionen die den Leser erreichen.
Ich möchte euch diese großartige Graphic Novel wirklich ans Herz legen.
Emily B.
4/5
23.12.2018
Buch (Taschenbuch)
Ein berührender Comic rund ums Eislaufen
Das Leben von Tillie besteht seit sie fünf Jahre alt ist aus Eiskunstlaufen. Ihr Tag ist strikt geplant und Wettbewerbe, sowie viel Training sind zum Alltag geworden – genauso wie Mobbing, das Problem mit der eigentlichen Liebe und der Freundschaft. In dieser Autobiografie zeigt Tillie Walden nicht nur die Sonnenseite als Eiskunstläuferin, sondern auch die Probleme, in der sie sich als Teenager stellen musste.
Dieser Comic ist eine Biografie von der Autorin Tillie Walden. Sie ist Illustratorin, Comiczeichnerin und hat „Pirouetten“ gezeichnet, als auch geschrieben. Schon allein, dass die Hauptprotagonistin Tillie heißt, hat mich anfangs stutzig gemacht.
Der Zeichenstil war sehr schön und flüssig. Die Zeichnungen bestehen größtenteils aus den Farben weiß und lila, was auch im Cover aufgenommen wird. Die Autorin hat es sowohl mit den Zeichnungen, als auch den Worten geschafft zu berühren. Die Figuren waren nicht immer detailliert gemalt, was meiner Meinung nach auch nicht musste, wenn beispielsweise tiefe Gefühle vorhanden waren.
Die Geschichte bezieht sich größtenteils aufs Eiskunstlaufen – aber auch auf unglaublich viel mehr. Anfangs vermutet man, dass sich alles um dieses große Thema dreht. Das stimmt auch, jedoch werden andere Themen angesprochen und das wird mit unglaublich viel Gefühl gemacht. Ich habe mich des Öfteren gewundert, wie man es schafft nur mit Zeichnungen so viele Emotionen an den Leser zu transportieren. Die Autorin hat es hier geschafft und mich definitiv damit gefesselt.
Aufgebaut ist der Comic in Kapiteln, wobei jeder Teil mit einem unterschiedlichen Sprung eingeleitet wird. Darunter wurde dann ihre Erfahrung mit dieser Übung geschrieben.
Wir begleiten Tillie hier von klein auf bis hin zur Jugend und lernen sie so genau kennen. Nach dem Lesen von "Pirouetten" habe ich noch etwas durch den Titel geblättert und mir ist die Widmung aufgefallen - "Für Lindsay". Die Bedeutung dahinter erfährt man, wenn man das Buch durchgelesen hat.
Es hat mich schockiert, was der Autorin alles widerfahren ist. Dieser Comic zeigt die wahren Gedanken eines Mädchens auf, welches keine Heldin ist, wie man sie vielleicht aus unzähligen Romanen kennt. Sie hat Schwächen, als auch Angst und kann Opfer von Mobbing werden. Als Teenager steht man vor Herausforderungen, die man einzeln vielleicht nicht meistern kann und diese typischen Probleme wurden hier ohne jede Beschönigung aufgezeigt. Trotzdem hatte ich hier eine kleine Kritik, denn manche Szenen waren meiner Meinung nach zu langatmig, andere wiederum viel zu kurz. Es war ein auf und ab - manchmal konnte ich die Bedeutung einer Zeichnung nachvollziehen und wurde auch emotional berührt, dann gab es aber auch Momente, in denen es relativ oberflächlich blieb. Das bezieht sich auch auf die genannten Themen, welche neben dem Eislaufen eine große Rolle spielten. Man hätte näher darauf eingehen sollen, denn so vermittelt es vielleicht dem ein oder anderen, dass es doch unwichtig sei - ich spiele hier besonders auf Seite 300 an.
Bevor man diesen Comic liest, sollte man aber wissen, dass die Stimmung meiner Meinung nach leicht depressiv ist. Hier wird das Augenmerk auf die Probleme und negativen Gefühle gelegt, nicht auf das Glücklichsein. Somit sollte man diesen Titel nicht in Phasen lesen, in dem man gerade etwas Aufmunterung gebrauchen kann.
Fazit: Dieser Comic beinhaltet unglaublich viele Emotionen und beschäftigt sich mit Themen wie Mobbing, die Sexualität und den Selbstzweifeln. Das Eislaufen steht jedoch immer noch im Vordergrund und die Autorin schafft es mit ihrem Schreibstil als auch den Worten Gefühle im Leser hervorzurufen. Von mir gibt es 4,5 von 5 Sternen!
Klaudia Szabo
4/5
22.10.2018
Buch (Taschenbuch)
Auf dem Eis des Lebens ...
Schon von klein auf besteht Tillies Leben aus dem Eiskunstlauf. Wettbewerbe, tägliches Training, kaum Freunde, dafür aber Mobbing: Ihr Leben ist nicht nur eitel Sonnenschein. Als Tillie die Schule und ihr Team wechseln muss, macht ihr auch die neue Atmosphäre zu schaffen. Zwischen dem Leistungsdruck, den sie sich selbst auferlegt, und dem Aufwachsen in Texas ist es nicht leicht, zu sich selbst zu finden – vor allem als lesbische Eiskunstläuferin. Doch Tillie gibt nicht auf und kämpft dafür, ihre Ketten zu sprengen, die sie am Boden halten.
„Pirouetten“ von Tillie Walden ist ein autobiografisches Werk, das ich einfach lesen musste. Angezogen haben mich daran vor allem zwei Punkte: Die LGBT-Thematik und der Leistungssport, die ich beide ziemlich stark verfolge, vor allem, wenn sie auch noch in eine Graphic Novel verpackt werden. Früher habe ich mir unheimlich viele Eiskunstlauf-Videos angesehen, vor allem von Kim Yuna, und da der Sport auch so viele Ähnlichkeiten zum Ballett beinhaltet, habe ich auch davon geträumt, mal so professionell auf dem Eis zu stehen. Tillie Walden hat mich vor allem mit ihrer Geschichte berühren können, weil sie auf die Gefühlsebene ihres jüngeren Ichs eingeht und dabei viele Probleme ihrer Kindheit und Jugend aufarbeitet, die ich sehr gut nachvollziehen konnte.
Überrascht hat mich, dass sie tatsächlich gar nicht so sehr auf konkrete Ereignisse eingeht. In ihrem Nachwort ist zu lesen, dass „Pirouetten“ auch nicht in allen Details genau sein sollte – es ging ihr mehr darum, das Gefühl rüberzubringen, wie man sich in einer langen Phase der Selbstfindung in einem Sport verliert, der das Einzige ist, was einem Anerkennung einbringt. Ihre Sehnsucht nach Liebe und Zuneigung, die sie von ihrer Mutter nie erfuhr, haben sie im Sport durchhalten lassen, immer auf der Suche nach einem Menschen wie ihrer ersten Trainerin, die sie unterstützt und gefördert hat. Man spürt tatsächlich auch durch die Illustrationen Tillies Hunger nach Liebe und die toxischen Muster, die sie in ihren Freundschaften immer wieder aufgreift. Deshalb fand ich es beeindruckend zu sehen, dass sie am Ende auch allein zu der Erkenntnis gelangen kann, dass ihr Verhalten sie zu keiner guten Freundin gemacht hat.
Beeindruckt hat mich auch die Episode, in der sie von ihrer ersten Freundin erzählt. Während Tillie unabsichtlich geoutet wird und ohnehin schon unter dem Mobbing an ihrer Schule leidet, muss sie sich auch noch für ihre Gefühle rechtfertigen und bekommt einiges an Hass und Unverständnis ab. Gerade diese Szenen haben mich sehr nachhaltig getroffen, weil ich mich noch so klar an mein eigenes Coming Out erinnere. Ich verstehe Tillies Suche nach sich selbst, ihre Gefangenheit in den Mustern, die ihr wenigstens etwas Struktur und auch irgendwie Geborgenheit geben, wenn sie schon in anderen Bereichen so viel Angst hat. Gleichzeitig ist da auch dieser Wunsch nach Freiheit, den sie sich im Eiskunstlauf nicht erfüllen kann, weil sie vor dem Publikum immer eine Maske aufsetzen muss.
Auch der Zeichenstil war sehr einprägsam und transportiert die Gefühle in „Pirouetten“ sehr gut zum Leser. Ich möchte die Illustrationen sehr gern, fand auch die Mimiken der Charaktere sehr klar, allerdings hatte ich in Tillies Freundesgruppe manchmal das Problem, einzelne Mädchen auseinanderzuhalten. Auch die Zeitsprünge waren sehr klar und die Trennungen der Abschnitte gut gesetzt und mit verschiedenen Figuren aus dem Eiskunstlauf versehen, um sie deutlich zu machen.
Trotz der vielen guten Punkte muss ich aber zugeben, dass ich „Pirouetten“ als sehr oberflächlich empfand. Wichtige Themen wie Sexualität, Belästigung, Mobbing, Freundschaft und Gefahren des Leistungssports werden zwar angeschnitten, aber nicht wirklich behandelt, obwohl man merkt, dass sie Tillie in ihrer Entwicklung stark beschäftigen. Ich hätte mir hier eine stärkere kritische Auseinandersetzung gewünscht, um noch tiefer eintauchen zu können. So blieben die Probleme zwar greifbar und präsent, aber für mich nicht ausreichend stark behandelt.
Alles in allem war „Pirouetten“ trotzdem eine Graphic Novel, die ich sehr empfehlen kann. Sie ist auch für Einsteiger geeignet, schneidet wichtige Themen an und stellt vor allem Gefühle sehr offen und verständlich dar. Daher gibt es eine klare Leseempfehlung von mir.
monerl
aus Langen
3/5
01.04.2021
Buch (Taschenbuch)
Nicht ganz das, was ich erwartet hatte
Meine Meinung
Zurzeit ist die Künstlerin gefühlt in aller Munde, umso gespannter war ich auf ihre zeichnerische Autobiografie. Mich begeistern die vielfältigen Möglichkeiten und Themen in Bezug auf Comics. Und gerade journalistische und sachbuchähnliche Comics und Graphic Novels haben mein Herz erobert. So freute ich mich sehr, dass die Leseprobe bereits offenbarte, dass Tillie Walden künstlerisch sehr begabt ist.
Gleich zu Beginn klärt die Autorin ihre Leserschaft darüber auf, dass sie mit dem Eislaufen haderte und keine so richtige Lust mehr darauf hatte. Mit Kapitel 1 tauchen wir dann in die Zeit der ca. 10-jährigen Tillie ein und es wird klar, wie anstrengend der Alltag für Kinder und Jugendliche ist, die Eislaufen ernsthaft betreiben. Aufstehen in frühen Morgenstunden, ab zur Eishalle in die Kälte, Konkurrenzkampf, Haare machen, schminken und Drill schon in jungen Jahren. So sehr Tillie dies alles hasste, kam sie viele weitere Jahre davon dennoch nicht los. Zu sehr mochte sie das Gefühl des Wettkampfs, der Herausforderung und die Beste zu sein.
Der Alltag bringt kaum Abwechslung, frühes Aufstehen, trainieren, in die Schule gehen. In der Schule wird sie gemobbt und hat kaum Freund*innen. Zudem weiß sie schon seit sie 5 Jahre alt ist, dass sie lesbisch ist. Dies macht sie auch ein stückweit einsam, da sie sich den anderen Mädchen vom Eislaufen und auch den Klassenkameradinnen noch nicht offenbaren will. Doch Tillie Walden erzählt auch von ihrem Umzug, Schulwechsel, von ihrer ersten Liebe, Trennung, ihrem Coming-out wie auch sexueller Belästigung und wie sie es geschafft hat, das Eislaufen hinter sich zu lassen.
Nachdem ich „Pirouetten“ gelesen hatte fühlte ich mich etwas erschlagen. In Tillies ersten 17 Jahren ist bei all dem für mich recht langweiligen Eislauf-Alltag insgesamt dennoch sehr viel passiert. Zu viele Themen, die plötzlich erscheinen aber nur kurz und oberflächlich abgehandelt werden. Ich denke, mir hätte diese Comic-Autobiografie besser gefallen, wenn sie sich auf weniger Themen konzentriert hätte und dabei eine flüssigere Erzählstruktur zustande gekommen wäre. So springt man als Leser*in irgendwie immer hin und her. Dies lies mich am Ende etwas unbefriedigt zurück.
Künstlerisch gesehen gefällt mir der Comic jedoch sehr gut. Der farbliche Grundton neben weiß ist dunkles violett. Akzente werden mit einem sanften gelb gesetzt. Dies empfinde ich als sehr angenehm für die Augen. Die Seiten enthalten unterschiedlich viele Panels. Es finden sich Seiten mit einem großen als auch welche mit 24 kleinen Panels. Zudem gefällt mir Tillie Waldens Zeichenstil. Er ist aussagekräftig und die Zeichnungen zu betrachten machte mir großen Spaß.
Fazit
In künstlerischer Hinsicht ein toller Comic, der mich auf der Erzählebene nicht ganz abholen und überzeugen konnte. Ein Comic einer jungen Künstlerin und Autorin, von der ich jedoch noch viel Spannendes erwarte. Interessant für alle, die gerne Coming-of-Age Geschichten lesen.