Sommer 1820: Alexander Pusckin, auf dem Weg in die Verbannung, verliert beim euphorischen Bad im wilden Dnjepr bei Zaporoschje, einem langweiligen ukrainischen Nest, seinen wertvollen Türkisring und bekommt starkes Fieber. Neun Monate später gebärt die Wirtin des ihn beherbergenden Gasthauses ein Kind.
31. Dezember 1976, Zaporoschje: Die Familie Katz feiert in grosser Runde Silvester, selbst die über Hemingway promovierende Alka hat den langen Weg aus Moskau auf sich genommen. Doch sie ist mal wieder enerviert ob der provinziellen Rückständigkeit ihrer Verwandten, einzig der schöne Schwarzmarktkaufmann Mark aus Odessa scheint sich abzuheben vom familiären Pöbel. Schliesslich nutzt Möchtegernpoet Josik, Ehemann von Alkas Cousine Rita, die Gelegenheit, seine neueste bahnbrechende Entdeckung zu verkünden: Die Familie stammt vom grossen russischen Dichter Alexander Puschkin ab!
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Stammt die Familie Katz tatsächlich von Puschkin ab?
Jeanette Lube aus Magdeburg am 19.01.2020
Bewertungsnummer: 1285058
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch erschien 2019 in der Verlag Voland & Quist GmbH und beinhaltet 364 Seiten.
Zunächst befinden wir uns im Jahr 1820 und erfahren über den berühmten Dichter Alexander Puschkin,dass er auf seinem Weg in die Verbannung durch das ukrainische Nest Zaproschje reist und dort ungeahnte Spuren hinterlässt.
Dann,150 Jahre später,versammelt sich die jüdische Familie Katz zur Silvesterfeier, und hinter verschlossenen Türen wird geflüstert, dass die Familie ganz sicher von Puschkin abstammt. Es handelt sich hier um eine dunkel schimmernde Familiensaga von verschrobenen Träumern, von unterdrückten Sehnsüchten, inniger Literaturverehrung und trotziger Selbstbehauptung angesichts einer profanen sowjetischen Realität.
Die Autorin Svetlana Lavochkina hat einen ausgezeichneten Schreibstil. Zunächst dachte ich, dass es schwierig sein würde, dieses Buch zu lesen. Nachdem ich aber die ersten Seiten gelesen habe, konnte ich es nicht mehr aus den Händen legen. Zunächst erfahren wir etwas über Puschkin, der wohl ein Mensch zwischen Wahnsinn und Genie war. Ich fand es sehr interessant und beeindruckend, zu erfahren, wie er wohl so gewesen ist. Im nächsten Teil erfahren wir dann etwas über das Leben in der damaligen UdSSR. Ich fand die Sprache zunächst ziemlich derb, auch der Humor war sehr sarkastisch. Da ich selbst in der damaligen DDR gelebt habe, konnte ich jedoch einige Parallelen zu diesem Leben erkennen, was mich doch ziemlich zum Schmunzeln brachte. Ich finde, dass es sich hier um eine amüsante, aber auch sehr ernste Geschichte handelt, und ob die Familie Katz nun tatsächlich von Puschkin abstammt, das werdet ihr nur erfahren, wenn ihr dieses Buch selbst lest! Ich empfehle es euch auf jeden Fall! Das Leben in der damaligen Sowjetunion und auch im heutigen Russland war und ist nicht leicht. Ich war selbst schon in Sankt Petersburg, war fasziniert von der Schönheit der Stadt, von den lieben Menschen. Wenn man sich dann mit ihnen unterhält weiß man, dass sie ihr Land lieben, obwohl das Leben nicht leicht ist. Ich liebe dieses Buch und diese Geschichte, danke, Svetlana Lavochkina, für diese faszinierende, aufregende, humorvolle, aber auch ernsthafte Geschichte, die mich sehr gut unterhalten hat und mir Puschkin ein wenig näher brachte!
Sooo russisch! Extrem gute Unterhaltung
a_boatfullof_books am 15.12.2019
Bewertungsnummer: 1275117
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich habe diese Lektüre extrem genossen! Ich gebe aber zu, ich musste mich auch erst einmal in die zum Teil sehr derbe Sprache und die ein oder andere grotesk, irritierende Szene zu Beginn hinweglesen, um es genießen zu können.
Danach aber: ein großes Feuerwerk! Die Erzählsprache, der lakonische Witz, die vielen vielen so unterschiedlichen Charaktere, denen man auf den Seiten durch Jahrzehnte folgt - das war schlicht wirklich gute Unterhaltung. Gleichzeitig "lernt" man viel über die damalige Zeit, über die UdSSR und wie diese sich selbst sah, im Gegensatz zum Rest der Welt. Und das alles ohne sich belehrt zu fühlen. Ganz im Gegenteil, ich fand diese Informationen perfekt in die Erzählung eingebaut.
Der Autorin ist es auch wunderbar gelungen, ihre Geschichte immer wieder vom großen Russland in kleine Wohnzimmer zu verschieben, wo sich russische Kammerspiele entfalten und man sich ein kleines bisschen wie eine Gast auf einer Neujahrsfeier fühlte.
Und die Literatur! In jedem Wort, in jedem Satz, in jedem Streit war sie da. Von Puschkin bis Hemingway. *heart eyes* wenn ihr versteht was ich meine.
Und das Ende, hach, das Ende. Reden wir nicht drüber.
Worum also geht es? Um Puschkin? Ein Bisschen. Um Russland? Definitiv. Um die russische Seele zu einer bestimmten Zeit in der Geschichte. Um Frauen, die ihren Weg finden (oder auch nicht), um Männerfreundschaften, die Ozeane überwinden, um das Leben, das manchmal merkwürdige Kurven fährt.