Produktbild: Schneeflocken wie Feuer

Schneeflocken wie Feuer Roman

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inkl. gesetzl. MwSt., Versandkostenfrei


Beschreibung

Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

15.06.2023

Verlag

Mikrotext

Seitenzahl

304

Maße (L/B/H)

19.5/12/3.2 cm

Gewicht

378 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-948631-33-8

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Produktdetails

Einband

Gebundene Ausgabe

Erscheinungsdatum

15.06.2023

Verlag

Mikrotext

Seitenzahl

304

Maße (L/B/H)

19.5/12/3.2 cm

Gewicht

378 g

Auflage

1. Auflage

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-948631-33-8

Herstelleradresse

Mikrotext
Thiemannstraße 1
12059 Berlin
DE

Email: info@mikrotext.de

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  • MarieOn

    5/5

    11.12.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Gelungenes Zeitzeugnis

    Die achtzigjährige Frau blickt zurück in das Jahr 1962, als sie siebzehn war. Dora ging auf das Gymnasium, das befürwortete vor allem die Mutti. Sie war selbst auf ein Jungengymnasium gegangen, die einzige höhere Schule im Ort. Doras Traum von einem Studium wird vehement gestört, denn zu ihrer Zeit hatten die Mädchen gut auszusehen, um sich einen Mann zu angeln. Kochen mussten sie können, den Haushalt organisieren, die Kinder hüten und dem Mann gefällig sein, wenn der allabendlich aus dem Ernst des Lebens heimkehrte. Dora stört sich massiv an den verstockten Lehrern, die Jungen bevorzugen und vorlauten Mädchen schlechte Noten geben. Jeden Tag drohen Demütigungen. Nach der Schule räumt sie auf, putzt, kauft ein, kümmert sich um ihre kleine Schwester und massiert der Mutti den Rücken, weil die mit ihrem Rheuma kaum das Bett verlässt. Die Mutti kramt dann in ihren Erinnerungen und lässt die Tochter unfreiwillig daran teilhaben. Der Vati, der mindestens einmal am Tag die Mutti unter sich wissen will und die klebrigen Taschentücher, die diese findet, wenn sie sich ihm entzieht. Der Vati führt noch das Konto allein und dürfte bestimmen, ob die Mutti arbeiten geht, wenn sie denn könnte. Bis 1997 darf der Vati die Mutti sogar schlagen, ohne dass sich jemand daran stören würde, wenn er das täte. Dora hat das intensive Gefühl revoltieren zu müssen. Aufbegehren gegen diese Welt der Männer. Sie fasst ihren Musiklehrer ins Auge. Der trägt die glatten Haare schulterlang. Seine Kleidung ist lässig, die Lederjacke steht ihm gut zu den Stiefeln. Ihn zu besitzen wird ihr geschundenes Gemüt abkühlen. Fazit: Elfi Conrad ist ein rasantes Zeitzeugnis gelungen. Wertfrei erzählt sie aus ihrer Zeit als junge Frau. Mädchen und Frauen werden von allen Seiten unterdrückt, durch Väter, Mütter, Lehrer und Medien. Dank Sophia Loren, Brigit Bardot und Gina Lolobrigida werden Frauen darauf gedrillt, ihre Weiblichkeit nach allen Regeln der Kunst zur Schau zu stellen und sich schmackhaft unterzuordnen. Die Bestimmung ist geheiratet zu werden. Der Unterricht ist geprägt durch Kriege, Schlachten und männliche Eroberungen. Männer insgesamt sind in ihrem Auftreten gedrillt, humorlos und frei von Mitgefühl. Es ist die Zeit nach den verlorenen Kriegen. Die Protagonistin entdeckt ihre Lust, über die Anpassung an das Elternhaus hinaus, Befreiung zu erleben. Dora leidet unter der emotionalen Ausbeutung einer zutiefst unglücklichen Mutter und dem emotionslosen Vater. Interessant an dieser (autofiktionalen?) Geschichte ist, dass die Autorin stets aus der Sicht einer heutigen emanzipierten Frau, das damalige Verhalten und die gesellschaftlichen Gegebenheiten hinterfragt. Ein solider Rückblick, frei von Pathos, der mir geholfen hat, meine eigene Mutter besser zu verstehen.

  • Bewertung

    aus Renchen

    5/5

    17.04.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Von Denis Scheck in „druckfrisch“ enthusiastisch besprochen und empfohlen

    Dieser Roman von Elfi Conrad ist inzwischen ein Bestseller! Er ist NDR Buch des Monats geworden, auf der SWR-Bestenliste und wurde von Insa Wilke und anderen bekannten Rezensent*innen durchweg begeistert aufgenommen. Und ich muss sagen: zu Recht: Was für ein Wurf! Ich bin hin und weg von diesem Roman. Er ist tiefsinnig, weitgreifend, poetisch und gleichzeitig scharfkantig. Dazu noch voller Humor! Die Geschichte ist sehr gut im Klappentext zusammengefasst, die muss ich hier nicht wiederholen. Dass sich der Erzählstrang der Verführung des Musiklehrers anders als vermutet entwickelt, will ich hier nicht verraten. Das ist eine der Qualitäten des Romans. Eine weitere Qualität ist die Erzählhaltung, sie ist wirklich bestechend! Dieser aufgefächerte Blick der Ich-Erzählerin: einerseits der raffinierte unbekümmerte der 17jährigen, andererseits der kritische emanzipierte der fast 80jhrigen. Das gilt besonders für die patriarchalen Strukturen in Schule und Gesellschaft, mit denen das Mädchen kämpft und denen sie sich doch teilweise beugt. Zum Beispiel, indem sie das manierierte Getue der Sexikonen Anfang der 1960er nachahmt und damit die Verführung einleitet. Erhellend auch, wie diese Künstlichkeit mit der heutigen verglichen wird, die weiterhin von Profitgier beherrscht wird und die für die heutigen Jugendlichen noch viel krassere Zustände und Vorbilder bereithält: Modelshows, plastische Operationen, Pornos. Interessant und teilweise erschreckend bzw. traurig die Erzählungen und Ereignisse rund um die Mutter des Mädchens, die als Geflüchtete der NS-Zeit nachhängt, obwohl sie weiß, dass das Regime verbrecherisch war und sie nur sein Spielball. Schließlich gibt die Rahmenerzählung erfrischende Einblicke in das Leben einer 80jährigen, deren Begehren sich kaum von dem einer 17jährigen unterscheidet, und damit mit einigen Vorurteilen aufräumt. Und diese Sprache! Sie hat einen ganz eigenen Klang und Rhythmus, nicht nur in den eingestreuten Gedichten. Man kann sich darin verlieren! Sehr schön auch, dass sich der Verlag mikrotext, dessen Roman "Unser Deutschlandmärchen" den Belletristikpreis der Leipziger Buchmesse gewonnen hat, sich dieses Textes angenommen hat. Große Leseempfehlung für Menschen zwischen 18 und 100 und darüber hinaus!

  • Bewertung

    5/5

    02.02.2024

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Zeitzeugnis der Extraklasse

    Meine Freude auf das Buch war groß, da ich die Romane von Elf Conrad, veröffentlicht unter ihrem Pseudonym Phil Mira, regelrecht verschlungen habe. Und ich für mich kann sagen: die rückgewandte Geschichte einer Frau, Ende 70, auf ihre Zeit als 17-jährige Schülerin hat mich auf eine spannende, lehrreiche Zeitreise mitgenommen. So konnte ich mir erlesen wie das Leben in den 60iger Jahren in der BRD gewesen sein muss. Aus einer sehr autobiografischen Perspektive taucht man ein in eine Lebensgeschichte, welche immer wieder Gedankenimpulse bei mir als Leser ausgelöst hat. Dora, die 17-jährige Protagonistin im Roman, beschreibt ihr Leben, ihre Gedanken, ihr Aufbegehren und ihre Leidenschaft in einer sehr präzisen und versierten Sprache. Die Themen Feminismus, Selbstbestimmung und Gleichstellung der Frauen sind zentrale Elemente der Botschaften. Die Ausflüge zu Personen wie Josephine Baker, das kritische Betrachten von Goethes Fausts bzgl. Gretchen sowie Goethes Haltung zu Kindstötungen sind lehrreich und entführen die Leserschaft über die Grenzen eines schnöden Konsumieren einer Geschichte. Wer einen Teil „Geschichte" Deutschlands, fernab von Schlachten und Kriegen, erlesen möchte ist hier goldrichtig. Als ich zum letzten Kaptitel kam, wollte ich es einerseits vor Neugier lesen, andererseits nicht, da die Geschichte dann zu Ende ist. Der Ich-Erzählerin könnte ich noch stundenlang nachlesen und wäre wohl damals unsterblich in Dora verliebt gewesen. Meine Freude auf das Buch ist in Begeisterung und Dankbarkeit für dieses Zeitzeugnis aufgegangen.

  • Inga

    5/5

    19.06.2023

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    In einer Nacht durchgelesen

    Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen. Diese Sprache, der Inhalt, die Geschichte, die Gedichte, die Figuren. Bildhaft. Rundum ein gelungenes Buch. Ich bin begeistert von dieser schonungslosen Offenheit, dieser Selbstreflexion, diesem Gefühl für Spannug. Die Sprünge im Buch, nicht einfach jetzt und damals, sondern mal ein einziger Satz, viele einzelne Sätze die einfach so dermaßen sitzen, dass der Leser, mit einer Frage, mit seiner eigenen Vorstellung zunächst fast sitzen gelassen wird und dennoch immer eine Antwort bekommt. Ein Buch, dass man gelesen haben muss. Es ist gerade jetzt hoch aktuell. Ich hoffe die Autorin schreibt weitere Bücher. Buch des Monats Juni bei NDR zu Recht. Ich werde nun eines ihrer Bücher unter dem Pseudonym „Phil Mira“ lesen.

  • Bewertung

    4/5

    20.07.2023

    Buch (Gebundene Ausgabe)

    Ernaux goes Harz

    Wie betrachtet eine heute 80jährige ihre Erinnerungen eines Mädchens? Wie sieht sie auf die 17jährige, die sie einmal war? Eine 17jährige, die in den 1960er Jahren im westdeutschen Harz aufwuchs, in der tiefsten Provinz. Mit einer schwer gezeichneten Mutter, die aus Schlesien geflüchtet war, der aus ihrer hoffnungsvollen Jugend in der Hitlerzeit nur noch das Hinterhaus, die chronischen Schmerzen und die Verbitterung blieb. Mit einem sich entziehenden Vater, der schrie, Gewalt ausübte und Freundinnen hatte. Mit einer kleinen Schwester, für die sie zuständig war. Mit französischen Filmen voller Sexappeal, verinnerlichten Bildern einer kockettierenden Brigitte Bardot, mit Twist, Rock and Roll, Musik, mit einem sexuellen Erwachen. Mit abwertenden Lehrern, mit faden gleichaltrigen Jungs und dem 15 Jahre älteren Musiklehrer, der eine intime Beziehung mit ihr aufnahm. Oder verführte sie ihn? »Schneeflocken im Feuer« springt in den Zeitebenen zwischen der heutigen Dora, die auf ein Klassentreffen in den Harz fährt und ihren Erinnerungen an ihr früheres Ich. Flüssig las sich die an Ernaux erinnernde Archäologie des Selbsts, in der sich auf Distanz der 17jährigen angenähert wird. Die junge Dora posiert wie Brigitte Bardot, fühlt sich von Lehrern gekränkt, von den Eltern nicht gesehen, da entdeckt sie ihre Macht und Stärke durch männliches Begehren hindurch. Doch der ambivalent schonungslos nüchterne Blick auf sich selbst, der mich am Anfang begeisterte, löst sich auf. Die 80jährige erzählt die Geschichte der jungen Dora zwar weiter, diese spitzt sich auch zu, doch ist sie zunehmend mit sich selbst und ihrem eigenen reaktiven Begehren auf einen ehemaligen Mitschüler beschäftigt. Eine Bewertung, ob es sich mit dem Musiklehrer um eine Missbrauchsgeschichte handelt, bei wem Macht und Verantwortung zu sehen sind, der Mutter, des Vaters und der sich durch den gesamten Text ziehenden Fixierung auf das männliche Begehren müssen wir Lesende selbst vornehmen.

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