Wien, 1918: Weil er das komplizierte Verhältnis zu seinem Vater, Oberst Julian Graf von Schönborn, verbessern will, zieht der junge Friedrich an die Westfront, in der Hoffnung, ihn dadurch endlich stolz machen zu können. Von Schuldgefühlen beherrscht, reist Julian seinem Sohn nach, um sich bei ihm zu entschuldigen und ihn nach Hause zu holen. Doch Friedrich ist wie vom Erdboden verschluckt. Alles, was Julian findet, sind zwei Raben und eine Motte, die ihn auf schicksalhafte Weise begleiten. Er hält die Tiere für ein böses Omen, eine Strafe für sein Versagen als Vater und wandert immer tiefer in einen nebeligen Wald hinein, fest entschlossen, Friedrich zu finden und seine Schuld zu begleichen. Eine Geschichte über die Auswirkungen toxischer Männlichkeit und einer Gesellschaft, die ein liebevolles Verhältnis zwischen Vater und Sohn nicht duldet.
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Muss ein Sohn sterben, damit ein Vater erkennt, dass er ihn liebt`?
Bewertung am 12.10.2024
Bewertungsnummer: 2314480
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Muss ein Sohn sterben, damit ein Vater erkennt, dass er ihn liebt?
Diese Frage bildet den zentralen Kern der Novelle Rabenvater und hebt sie von anderen Werken über den Ersten Weltkrieg ab. Während viele dieser Werke das Grauen des Krieges schildern, offenbart Rabenvater den tieferen Schmerz, der sich hinter jedem Kampf verbirgt und sowohl Soldaten als auch deren Angehörige gleichermaßen trifft.
Nina Nemesia verwendet klare, emotionale Worte, die den Leser mitreißen und bewegen. Am Ende der Geschichte bleibt kaum ein Auge trocken, und es bleibt die quälende Frage: Wie konnte es nur soweit kommen?
Vom Rabenvater, dem der Krieg den Sohn entreißt
Bewertung am 05.08.2023
Bewertungsnummer: 1994746
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Ich habe dieses Buch in knapp einer Stunde durchgelesen und es bewegt mich mehr als so mancher 800seitiger Wälzer. In nur 75 Seiten schafft es die Autorin, den Leser derart mitfiebern zu lassen, dass man selbst meint, mit dem Oberst Julian im Wald vor der Front zu stehen, umgeben von trostloser Schwärze, Dunkelheit und Tod und dem Nebel, der "zögerlich, als wolle selbst er sich vor den Schrecken des Krieges hüten, hervorkriecht und sich in weißen Fäden durch den Wald zieht." (Zitat, S. 26). Besonders der bildhafte, abwechslungsreiche Schreibstil hat mich gefesselt und die wunderschöne poetische Sprache. Ein Buch, das seinen Preis wirklich wert ist und dessen Botschaft in mir noch lange nachhallen wird...