Finnland zur Neujahrsnacht. Während alles auf den Beinen ist, um zu feiern, sitzt ein Flüchtling alleine in seiner Unterkunft. Gesellschaft leistet ihm zunächst nur der Wein, aber dann auch Jesus Christus, der über eine Leiter vom Himmel herabsteigt und an seinem Tisch Platz nimmt. Er sei gekommen, um zu vollbringen, was beim ersten Mal nicht gelungen war: die Menschheit zu erretten. Sein einziges und letztes Wunder sei es, die Botschaft der Liebe zu verkünden. Sein Gegenüber, ein fürsorglicher advocatus diaboli, zweifelt an diesem Vorhaben und will Jesus davon abbringen, denn die Menschen seien seit Golgatha nicht besser geworden. »Sie werden dich wieder ermorden! Wer Liebe sät, erntet Blutvergiessen.« Der vor Gewalt und Verfolgung Geflohene versucht also, den Retter zu retten. Und das, obwohl Jesus ihm die Liebe seines Lebens abspenstig gemacht hatte. Diese letzte Nacht, in der Jesus herabsteigt, erzählt von den grossen Fragen einer Menschheit, die nicht in Frieden leben kann. Dabei kommt es zu einer berührenden Begegnung mit einem Erlöser, der erstaunlich menschlich ist.
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Vielschichtige und bewegende Erzählung
Bewertung am 31.05.2023
Bewertungsnummer: 1952171
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Der Autor stellt in dem Roman die Tatsache, dass die Menschheit ständig in Erwartung eines Erlösers ist, infrage und kritisiert Religionen, die ein freies Leben verneinen. Ich war beim Lesen oftmals überrascht über die interessanten und ungewöhnlichen Gedankengänge des Autors, die mich selbst zum Nachdenken über den Zustand der Welt, aber auch zum Überdenken meiner eigenen Ansichten gebracht haben.
Interessant, beeindruckend…
Circlestonesbooks.blog am 21.12.2022
Bewertungsnummer: 2790095
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Interessant, beeindruckend und poetisch „Wir alle warten auf einen Fetzen Papier, um zu beweisen, dass auch wir das Recht auf Leben haben. Auf dem Papier steht geschrieben, warum, wie und wann wir geflüchtet sind – ein Haufen Geschichten, zusammengesetzt aus Wahrheiten und auch Lügen.“ (Zitat Seite 13) Inhalt Der nun sechsundvierzig Jahre alte Ich-Erzähler mochte schon als Kind keine Menschenmassen und alle hielten ihn für einen Einzelgänger. Diese Einsamkeit in ihm bleibt bestehen, auch als er längst erwachsen ist. Besonders tief sind die Einsamkeit und eine erdrückende Traurigkeit während der Weihnachtszeit. So auch in dieser Neujahrsnacht, in der er über sein Leben, seine ferne Heimat und Familie, über die Menschen und das endlose Warten auf seine Aufenthaltsbewilligung hier in Finnland nachdenkt. Genau diese Nacht wählt Jesus für seine Rückkehr auf die Erde und der kurdische Flüchtling, der allein bei Kerzenschein in seinem Zimmer in einem Flüchtlingsheim in Finnland sitzt, lädt ihn in sein Zimmer und auf ein Glas Wein ein. Aus dem Glas werden mehrere, aus dem Augenblick Stunden. Jesus ist gekommen, um alle Menschen an seine Botschaft zu erinnern, einander zu lieben. Doch seinem kritischen Gegenüber scheint der Zeitpunkt an diesem Tag, wo alle in Feierlaune sind und sicher keinen Prediger hören wollen, denkbar ungünstig. Andererseits ist er doch gespannt auf die Reaktion der Menschen. Thema und Genre Dies ist ein philosophischer, religionskritischer Roman mit zeitlos aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen. Anders als der Titel vermuten lässt, handelt es sich um eine kritische Auseinandersetzung allen Weltreligionen in unserer modernen Zeit. Der Ich-Erzähler steht der Hoffnung vieler Menschen auf eine neue Erlöserfigur kritisch gegenüber und auch dem Erlöser selbst. „Was gibt dir die Gewissheit, mich zu einem Fantasiegebilde degradieren zu können, und mich nicht als den anzuerkennen, der ich bin?“ (Zitat Seite 39) Charaktere Ein kurdischer Flüchtling in Finnland, Jesus Christus, für eine Nacht ebenfalls in Finnland, und viele Fragen. Handlung und Schreibstil 1997 begann der Autor am Manuskript für diesen Roman zu schreiben, welcher im Jahr 2012 in kurdischer Sprache erschienen ist. Der Ich-Erzähler zeigt deutlich den autobiografischen Hintergrund. Die Geschichte spielt in einer einzigen Nacht, wird jedoch ergänzt durch Kindheitserinnerungen und die Erinnerungen an prägende Ereignisse, die der Ich-Erzähler seinem Gast schildert. Natürlich spielt auch das Leben Jesu vor beinahe zweitausend Jahren auf der Erde eine Rolle. Starke philosophische und metaphorische Momente lassen unserer Phantasie als Lesende viel Spielraum für eigene Gedanken und Überlegungen. Den beiden Übersetzenden ist es gelungen, die blumige, sehr poetische orientalische Ausdrucksweise auch in dieser deutschsprachigen Ausgabe beizubehalten. Fazit Ein interessantes, intensives Leseerlebnis, das viel Raum zum Nachdenken lässt. Mich hat die Inhaltsangabe auf diese Geschichte neugierig gemacht und ich wurde nicht enttäuscht. Es sind gerade die kleinen, unabhängigen Verlage, die bewusst und persönlich entscheiden, welche Titel sie herausbringen. Dieses überzeugte Engagement ermöglicht es uns Lesenden, die persönliche Lese-Wohlfühlzone öfter mal zu verlassen und dadurch völlig neue Eindrücke und Welten zu erkunden.