Hoffnungsvoll reist Mikail mit seinen neuen Freunden, der Riesin Jekarina und dem schnellen Jäger Markus, zum Grossen Rat der Freien. Sie sollen ihn entgegen aller Tradition in das Nomadenvolk aufnehmen. Von Anfang an schon hat er einen schlechten Stand, doch als eine Gruppe Jäger angegriffen wird, wächst das Misstrauen dem früheren Städter gegenüber noch mehr. Zusammen mit Jekarina und Markus' Bruder Tabo sucht er nach den Angreifern und stösst auf eine Gruppe Menschen, dem Tode nah und voller Angst. Sie erzählen Schreckliches von dem Land, aus dem sie kommen.
Loris hingegen könnte es prächtig gehen. Nach seiner Amtszeit als Dürrekommandant hat er sich auch beim Wiederaufbau einen guten Namen gemacht, und mit MItena steht die Familienplanung an. Wäre da nur nicht dieser Fremde, der allerlei krudes Zeug erzählt und sich mit jedem anlegt, sei es der arrogante Donald oder die oberste Ratsfrau persönlich. Auch Loris gerät mit ihm aneinander – und findet sich bald darauf als Mörder in der Zelle wieder.
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Flüchtlinge
Manuela Hahn am 02.01.2024
Bewertungsnummer: 2099820
Bewertet: Buch (Taschenbuch)
Ich habe "Die Abartigen" von Sascha Raubal mit großer Vorfreude erwartet, da ich bereits seit dem ersten Band die Reise von Mikail, Loris und ihren Freunden verfolge. Jedes Mal bin ich gespannt darauf, welche Abenteuer auf sie warten und welchen Herausforderungen sie sich stellen müssen.
In diesem Band begleiten wir Mikail, der mittlerweile in Wolnosch angekommen ist, dem festen Standort der Freien. Dort werden Neuigkeiten ausgetauscht, Bildung ermöglicht und vor allem entscheidet dort der Hohe Rat, ob Mikail bei den Freien bleiben darf. Doch schon kurz nach seiner Ankunft erfährt er von einem Angriff auf einen Trupp Jäger durch andere Menschen. Um seine Loyalität zu den Freien zu beweisen und seine Unschuld zu beweisen, bricht er zusammen mit Jekatarina, Markus und Tabo, einem Überlebenden des Angriffs, auf, um die Angreifer zur Rechenschaft zu ziehen. Doch was sie vorfinden, ist eine Überraschung: statt skrupelloser Mörder treffen sie auf halbverhungerte, verzweifelte Flüchtlinge, die von einem Leben voller Angst, Unterdrückung und Not berichten.
Währenddessen scheint das Leben für Loris in Or gut zu laufen. Die große Dürre ist vorbei, und er schmiedet Pläne, um die Stadt bei der nächsten Dürre noch besser zu schützen. Zudem ist er glücklich mit Mitena und plant eine gemeinsame Zukunft. Doch Sandor, ein Kuttenträger, der mit seinen Reden die Bewohner von Or gegen sich aufbringt und gleichzeitig verunsichert, trübt das Glück. Er gewinnt immer mehr Anhänger, die seinen Predigten Glauben schenken.
Was mir besonders an diesem Buch gefallen hat, ist die Entwicklung der Charaktere und die Nuancierung der Konflikte. In den ersten Bänden schien die Welt noch in "schwarz/weiß" aufgeteilt zu sein: Städter, die alle Arten von Andersartigkeit ablehnen, und die Freien, die jede Form von Unterschiedlichkeit akzeptieren. Doch jetzt zeigt sich, dass selbst die Freien Angst vor Menschen haben, die anders sind – nicht aufgrund äußerlicher Unterschiede, sondern aufgrund ihrer Denkweise, Lebensweise und Gefühle.
Diese Parallelen zu unserer realen Gesellschaft sind sicherlich nicht zufällig. Sie erinnern uns daran, dass die Angst vor dem Unbekannten in jedem von uns steckt und dass aus dieser Angst Hass entstehen kann, wenn sie geschürt wird.
Über Sandor möchte ich nicht zu viel verraten, um nicht zu spoilern, aber meine Toleranz gegenüber ihm und seinen Reden wurde in diesem Band stark auf die Probe gestellt.
Sascha Raubal hat es erneut geschafft, mich mit seiner einfühlsamen und fesselnden Schreibweise zu überzeugen. "Die Abartigen" ist eine Reihe, die ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann.