Welches Königreich
Roman | »Herzzerreißend und erschütternd.« Gro Frank Rasmussen, Jury Bogforums Debutantpris | Für Leserinnen und Leser von Sylvia Plath und Tove Ditlevsen
Kopenhagen, Hochsommer: Fünf Jugendliche und die namenlose Erzählerin leben nach längeren Aufenthalten in der Psychiatrie in einem betreuten Wohnheim, das ihnen den Weg zurück in den Alltag erleichtern soll. Die Abläufe sind einfach, aber nicht selbstverständlich: kochendes Wasser ist für Tee, nicht zur Selbstverletzung gedacht und ein offenes Fenster ist keine Einladung zum Sprung. Während des fliegenden Wechsels aus Diagnosen und Bezugspersonen formiert sich eine fragile, aber zutiefst berührende Wohngemeinschaft. Kann es eine hinreichende Sprache für die Erkrankungen der Psyche geben, und weiter, Fahrpläne für das Gewöhnliche?
Fine Gråbøls Blick für die Widersprüche innerhalb des psychiatrischen Systems und die Versehrtheit der Menschen darin ist nuanciert und zeugt von feinstem literarischem Fingerspitzengefühl.
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Kleines Buechlein mit tonnenschweren Inhalt
literarisches.seemannsgarn aus Rostock am 02.07.2024
Bewertungsnummer: 2235834
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Herzliches Dankeschön an den @eccoverlag und an das Verlagshaus @harpercollinsde für das Leseexemplar.
TW: Diskriminierung, Selbstverletzendes Verhalten, Essstörung, Suizid
Ein kleines Büchlein, welches mich mit seiner tonnenschweren Thematik wortwörtlich umgehauen hat.
Wir begleiten die namenlose Ich-Erzählerin durch Ihren Alltag in einem betreuten Wohnen, für psychisch kranke Menschen.
Dort begleiten Sie unter anderem Gedanken wie, dass der Wasserkocher nicht zur Selbstverletzung da ist und ein offenes Fenster nicht zum Springen einlädt.
Es geht eigentlich darum nach und nach in den Alltag zurück zu kehren und in der Welt da draußen Überleben zu können.
Doch dabei stehen vor allem die Versuche im Vordergrund, das Ziel scheint unerreichbar.
Ich weiß nicht wirklich was ich zu diesem Buch sagen soll, ich habe es in einer Lese-Session durchgelesen und habe zeitweise den Mund nicht zugekriegt.
Der Stil von Gråbøl ist nüchtern und distanziert. Und ließ für mich die Protagonistin auch nur aus weiter Ferne beobachten.
Uns werden hier teils kurze, teils etwas längere Bröckchen Ihres Alltages serviert und diese sind zum Großteil schwer zu verdauen.
Ihr merkt schon, mir fehlen die Worte. Dennoch, ist es ein wichtiges Buch und auch außerhalb von Dänemark hochaktuell und präsent.
Ich hoffe dass es viele Menschen lesen werden und das auch noch in einigen Jahren.
Wie hat euch das Buch gefallen oder habt ihr Buch-Empfehlungen die sich mit psychischen Erkrankungen beschäftigt haben?
Liebe Grüße von der Ostsee,
J
Kurze Lektüre aus Momentaufnahmen einer psych. WG
Lia48 am 28.04.2024
Bewertungsnummer: 2189360
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
„Ich bin in meine Einzelteile zerfallen, wir versuchen, mich zusammenzukehren, doch wenn Türen sich öffnen, wirbelt der Wind Staub auf.“
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INHALT:
Fünf junge Menschen zwischen 18 und 23 Jahren, bewohnen nach einem längeren Klinikaufenthalt in der Psychiatrie, eine Art betreute psychiatrische Übergangs-WG. Diese soll ihnen Struktur und Halt geben und sie auf dem Weg in ein selbstständiges und verantwortungsvolles Leben begleiten.
Die namenlose Protagonistin erlebt die Routinen im Alltag als extrem wichtig. Ein Leben außerhalb der Einrichtung, wo sie für sich selbst und ihr Handeln Verantwortung übernehmen müsste, kann sie sich nur schwer vorstellen.
Laut ihr haben die Jungs hier Schizotypie oder sind schizophren, während die Mädchen mit Borderline, Zwangsstörungen und Essstörungen zu kämpfen haben.
Gemeinsam planen und führen sie Aktivitäten im Alltag durch, gehen einkaufen, wechseln sich beim Kochen ab, besuchen Therapien und entwickeln Strategien, um mit ihren Erkrankungen besser umgehen zu können.
Dabei hat jeder seine Geschichte und sein Päckchen zu tragen …
„Man sollte nie versuchen, die Klinik zu einem Zuhause zu machen, dafür ist sie einfach nicht gedacht, aber man muss wenigstens versuchen, es sich erträglich zu machen.
Ich betrachtete sie als Hotel; nicht weil der Aufenthalt dort etwas von Urlaub hatte, sondern weil ein Hotel eine andere Art von Ruhe ausstrahlt als ein Zuhause. Ein Hotel kann, wenn schon nichts anderes, das Zeitgefühl aufheben, dasselbe gilt für die Klinik.“
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MEINUNG:
Zu diesem Buch kann ich leider nicht allzu viel schreiben, ohne zu spoilern. Mit seinen 176 Seiten, die oft nur zur Hälfte bedruckt sind, ist die Lektüre recht kurz.
Auch die Kapitel erstrecken sich meistens nur um die 1-2 Seiten.
Dadurch wirkt der Text etwas abgehackt. Ich persönlich habe es als Stilelement aufgefasst, durch das die innere und manchmal auch äußere Unruhe der Protagonistin gut widergespiegelt wird. Sie kann nachts nicht schlafen, wird überrannt von Gedanken, wirkt impulsiv und neigt hin und wieder noch zu aggressiven Wutanfällen. Daher hat das für mich an dieser Stelle ganz gut gepasst.
In einer anderen Rezension hatte ich bereits gelesen, dass es sich im Buch hauptsächlich um Momentaufnahmen handelt. Mir ist lieber, ich weiß das vorher und bin dann nicht enttäuscht, wenn es weniger Handlung gibt, als gedacht.
Letztendlich gab es aber mehr Entwicklungen, als ich vermutet hatte, und die kurzen Episoden haben für mich gut zum Inhalt gepasst.
Die Protagonistin erzählt dabei manchmal etwas nüchtern (vllt. Durch ihr Krankheitsbild beeinflusst?) von verschiedenen Situationen im Alltag. Manche Stellen lösen Mitgefühl beim Lesen aus – davon hätte es gerne noch ein paar mehr geben können.
Der sonst recht bildliche Schreibstil hat mir gut gefallen, auch wenn er durch die kurzen Kapitel weniger zur Geltung kommt.
Das vermutlich symbolisch gemeinte und offene Ende erschien mir etwas seltsam, da ich die anderen Sequenzen als weniger symbolisch empfunden habe. Oder, ich habe hier etwas übersehen/ falsch verstanden.
Gut unterhalten hat mich das Buch dennoch.
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FAZIT: Eine kurze, aber unterhaltsame Lektüre, welche überwiegend aus Momentaufnahmen besteht - ideal für zwischendurch. 4/5 Sterne!
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(C.N.: v. a. Selbstverletzendes Verhalten, Suizidalität, Essstörungen, Ableismus)