Der prominente französische Historiker Emmanuel Todd sagte bereits 1976 das Ende der Sowjetunion voraus. In seinem neuen Buch wagt er wieder den Blick in die Zukunft: Er prognostiziert den endgültigen Niedergang der westlichen Welt. Im Kern verrottet, aber nach aussen expandierend steht der Westen einem Russland gegenüber, das sich stabilisiert hat und nunmehr konservativ auf die Länder der restlichen Welt wirkt, die den USA und ihren Verbündeten nicht in ihre Kriege folgen wollen. Deren Niederlage in der Ukraine ist bereits nahezu Fakt, sagt Todd. Schlussendlich ist es deshalb unvermeidlich, dass es zu einem Einfrieren des Konfliktes zwischen der Europäischen Union und Russland kommt. Ein Europa befreit von US-amerikanischem Einfluss könnte das Ergebnis sein. Deutschland kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, und diese Rolle sollte es selbstbewusst einnehmen - das ist Todds Appell in diesem Buch. Exklusiv: Mit neuem Vor- und Nachwort des Autors speziell für die deutsche Ausgabe!
Kundinnen und Kunden meinen
4.0/5.0
Gaidies
aus Hamburg
5/5
15.01.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Emmanuel Todd bietet interessa…
Emmanuel Todd bietet interessante Analysen auch aus ungewöhnlicher Perspektive. Er kann sich zugute halten, dass er schon 1976 den Zerfall der Sowjetunion voraussah. Und nun: "Der Westen im Niedergang". Was sehr viele Menschen intuitiv spüren, analysiert er. Er stellt sich hier in klarer, ironisch distanzierter Sprache gegen den westlichen Mainstream.
Bewertung
5/5
09.12.2024
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dekadenz des Westens
Ein sehr aufschlussreiches Buch, trifft den Nerv des Problems des Westens: Abkehr von der Religion, moralischer Verfall bis hin zum sog. Nullzustand, bzw. zum Nihilismus. Ausserdem sieht Herr Todd eines der Hauptprobleme des Westens in der Verringerung der Anzahl von Studierenden in technischen Wissenschaften die, im Unterschied zu Jura-, Handels- oder Finanzwissenschaften einen echten Mehrwert bringen. Auf jeden Fall ein lesenswerter Titel.
Bewertung
aus Muri b. Bern
4/5
06.06.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Klar und deutlich
Ein sehr wichtiges Buch, von einem linken Denker, der ohne ideologische Scheuklappen untersucht, wie die westlichen "Demokratien" tatsächlich vor der Welt dastehen: isoliert, industriell kastriert, bildungstechnisch im Rückstand, ohne gesellschaftsstabilisierende und einende Werte. Eine überholte Gruppe von Vasallenstaaten, angeführt vom Hegemon USA, die sich für etwas besseres halten, als jene, die alle ihre Güter herstellen: Chinesen, Kinder aus Bangladesh, Inder. Der Nihilismus des Westens und die daraus resultierende Hybris wird nach der Lektüre wohl trotzdem nur jenen Lesern klar, die mit kognitiver Dissonanz (Infragestellung der eigenen, verfestigten Vorstellung der Welt) umgehen können. Wären die Quellen zum Teil noch besser belegt (z.B. Seymour Hersh), gäbe es 5 Sterne von mir.
Bewertung
2/5
27.05.2025
Buch (Gebundene Ausgabe)
Viele Fragezeichen
Habe noch nie in einem Buch so viele Fragezeichen an den Rand gekritzelt wie in diesem. Ja, einige Grundthesen sind plausibel und interessant, das Absinken der Religionen und Sitten in die Bedeutungslosigkeit, das hat aber jeder selbst in den letzten 60 Jahren bemerkt, die veränderten Bildungsschwerpunkte auch. Aber in den politischen Einschätzungen liegt er oft dermassen daneben, dass man sich fragen muss, ist das Unkenntnis, Schludrigkeit - oder Absicht? Zwei Beispiele: Die USA seien in den 90ern friedlich gewesen: jeder kennt den ersten Irakkrieg, die Balkankriege, Russlands innere Zerstörung, Tschetschenien mit Dschihadkriegern, überall waren sie aber direkt, über NGOs oder 'gute' Extremisten beteiligt, und Brzezinskis literarische Äußerungen...? Am 2. Meidan 2014 seien sie kaum beteiligt gewesen. Da muss ich nun wirklich kein Historiker sein, dass das Quatsch ist, das ist für jeden interessierten Laien heute Standardwissen. In so einem anspruchsvollen Zusammenhang jedoch wirken solche flapsig dahingesagten Äußerungen stümperhaft, wenn nicht lächerlich. Ein Rätsel, bei einem so hoch gehandelten Autor...