Rezension
Wie gewinnbringend es sein kann, Literaturdidaktik aus einer historischen Perspektive zu betrachten und daraus Konzepte für die Gegenwart und Zukunft zu gewinnen, zeigt die jüngst publizierte Dissertationsschrift von Philipp Kleinfercher. Dieser unternimmt es, Traditionslinien einer Erziehung durch Literatur in der Waldorfpädagogik nachzuzeichnen, sie mit rezeptionsästhetischen Ansätzen von der Frühromantik über Wolfgang Iser bis zu aktuellen literaturdidaktischen Positionen in Verbindung zu bringen und daraus ein eigenes Programm des »Lesen[s] als künstlerische[r] Tätigkeit« (Kleinfercher 2024, S. 226) abzuleiten. Ebenso beeindruckend wie in der Lektüre bereichernd ist dabei die Breite und Vielzahl an philosophischen, rezeptionsästhetischen und literaturdidaktischen Konzepten, die Kleinfercher zusammenbringt, angefangen von Fichtes Idealismus, welcher Romantiker wie Schlegel oder Novalis inspirierte und insbesondere massgeblichen Einfluss auf Rudolf Steiners (literatur )pädagogische Überlegungen hatte, bis hin zu Spinners elf Aspekten, dem Heidelberger Unterrichtsgespräch, einer Resonanzpädagogik sensu Rosa oder auch einer responsiven Literaturdidaktik.
Johannes Odendahl, die 3-2025
Allen denjenigen, die nach einer konkreten Utopie pädagogischen Handelns in Krisenzeiten suchen und an einer anspruchsvollen geistesgeschichtlich und anthropologisch dimensionierten Grundlegung und Aktualisierung von Literaturdidaktik und Waldorfpädagogik interessiert sind, sei dieses Buch zur Lektüre dringend ans Herz gelegt.
Rita Schumacher, Journal für Waldorfpädagogik, Juli 2025, S. 83-88
Mit diesem Buch leistet der Autor einen Beitrag zu einer Anthropologie des Ästhetischen im Sinne einer vielschichtigen, transformativen Selbstwerdung durch die Rezeption literarischer Kunstwerke.
Wilfried Wulfers, AOL-Bücherbrief, Annotierte Auswahl aktueller Bücher und elektronischer Medien, Jg. 44/20253
Das Buch schliesst mit neun Gesichtspunkten, die für den Literaturunterricht entscheidend sind und Orientierung geben können – nicht nur für Schüler:innen. Auch wenn auf den ersten Blick vielleicht vor allem Pädagog:innen sich angesprochen fühlen, so sind die Fragen, die gestellt werden, für jeden interessant und bereichernd, der ein zeitgenössischer Mensch unserer komplexen und komplizierten Welt zu sein versucht.
Ariane Eichenberg, erziehungskunst waldorf.leben, 01-02/2025