Dublin, 1968. Der zehnjährige Paddy Clarke langweilt sich in der Schule und vertreibt sich die Zeit mit Freunden, zieht durch die Straßen, treibt Unfug oder ärgert seinen kleinen Bruder. Abends sitzt er vor dem Fernseher und knabbert Chips. Doch Paddy lebt nicht in einer heilen Welt: Sein Vater ist dem Alkohol verfallen und streitet immer häufiger mit seiner Mutter, wird sogar handgreiflich. Paddys Versuche, den Hausfrieden zu wahren, zu schlichten und die Eskalation abzuwenden, gelingen nicht und er muss wohl oder übel erwachsen werden.
Kleiner Junge trifft große Welt: In Paddy Clarke Ha Ha Ha erzählt Bestsellerautor Roddy Doyle die originelle, wilde und übersprudelnde Geschichte eines Zehnjährigen im brodelnden Dublin. Stephan Schad macht die Erzählung mit seiner eindrücklichen Intrepretation zu einem echten HörErlebnis. Die gleichnamige Buchausgabe des Romans, für dessen Originalausgabe Doyle 1993 mit dem Booker Prize ausgezeichnet wurde, erscheint bei GOYA.
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Ende einer Kindheit
Bewertung am 02.01.2025
Bewertungsnummer: 2376405
Bewertet: Hörbuch-Download
Der irische Autor Roddy Doyle gewann 1993 mit seinem Werk „Paddy Clarke Ha ha ha“ einen der wichtigsten englischsprachigen Preise, den Booker Prize und jetzt liegt er in neuer Übersetzung auf Deutsch vor. Ein Coming-of-Age-Roman, der von einer Kindheit in Dublin berichtet, von Freundschaft, Rivalität und Gemeinschaft, aber auch Kampf, Verrat, Spiel und Gefahr und dem langsamen, schwierigen und schmerzhaften Prozess des Erwachsenwerdens.
Im Zentrum stehen Patrick Clarke, der ältere Bruder einer sechsköpfigen irischen Familie, und seine Freunde, mit denen ihn die vielen alltäglichen Abenteuer, Streiche, Machtkämpfe und die Lust an Verbotenem verbinden. Mit besonderem Vergnügen wird der jüngere Bruder Sinbad / Francis gequält. Viele Überlegungen analysieren aus Kinderperspektive das Verhältnis zwischen den beiden Brüdern, changierend zwischen Liebe und Hass, Vertrauen und Neid. „Er war großartig und ich wollte ihn umbringen“, so Paddy über seinen Bruder, der überraschende Fähigkeiten beim Fußball zeigt.
Generell ist diese Darstellung des 10-jährigen Paddys überraschend, erstaunlich, wie naiv er einerseits wirkt und wie "durchtrieben" er andererseits agiert. Er macht sich Gedanken über das Fegefeuer und die Wirkung der Beichte, dann ist aber auch die Gewalt gegenüber den Kleineren Thema, besonders seinem Bruder gegenüber. Ohne Gewissensbisse oder Schuldgefühle werden verwerfliche Dinge getan, werden die Schwächeren ausgenutzt und drangsaliert. Es ist trotz der Brutalität entwaffnend, wie unzensiert und ohne moralische Beurteilung diese Verhaltensweisen in vielen kleinen Anekdoten und Erzählungen beschrieben werden.
Die Atmosphäre wirkt schon zu Beginn aufgrund der detaillierten Schilderungen von Gewalt und Aggressivität dicht und bedrohlich, wie ein Damoklesschwert, das über dem Familienalltag hängt. Paddy ist stolz auf seinen großen Vater, möchte so stark und selbstbewusst sein, wie er, glaubt auch dessen Gewalt und Übermacht den Kindern gegenüber zu verstehen und rechtfertig sie. Im Laufe des Romans dreht sich diese Sichtweise allerdings und die beiden Brüder erleben den Vater als unberechenbar und gewalttätig der geliebten, schwachen Mutter gegenüber. Sie sind voller Sorgen, fühlen sich der Situation aber machtlos ausgeliefert und versuchen auf ihre Weise das Verhältnis der Eltern zu beeinflussen und die Mutter zu schützen.
Hier wird ein alltägliches Drama voller Komik, Alltagswitz, aber auch Schmerz und Tragik gezeichnet. Die Kinder geben die erlebte Gewalt weiter, sehnen sich gleichzeitig nach Nähe und Geborgenheit - ein starkes, ungefiltertes Bild Irlands Mitte des letzten Jahrhunderts, das sprachlich authentisch und direkt ist, voller wunderbarer Dialoge, die amüsieren, erstaunen und berühren und die Protagonisten zum Leben erwecken.
Hoffen wir, dass Paddy und Sindbad aus dem Dilemma entkommen können und ihre eigene Zukunft eine Chance auf Glück und Selbstbestimmung erhält.
Lebhafte Kindheit, Abenteuer, und familiäre Herausforderungen
Bewertung aus St. Andrä-Wördern am 01.01.2025
Bewertungsnummer: 2376261
Bewertet: Buch (Gebundene Ausgabe)
Paddy Clarke Ha Ha Ha von Roddy Doyle ist ein einfühlsames Porträt eines zehnjährigen Jungen, Paddy Clarke, der in den 1960er Jahren in Barrytown, einem fiktiven Vorort von Dublin, aufwuchs.
Das Buch ist eines von Roddy Doyles besten Bücher und hat 1993 den Booker Prize gewonnen.
Doyle schreibt aus der Perspektive eines Kindes, was den Leser direkt in die Gedankenwelt von Paddy eintauchen lässt. Die erzählten Episoden werden nicht immer in der chronologischen Reihenfolge erzählt. Das vergibt dem Buch viel Authentizität und emotionale Tiefe.
Die Charaktere sind lebendig und gut entwickelt, insbesondere Paddy. Er ist ein komplexer, vielschichtiger Charakter, voller Energie, klug und sehr neugierig. Der Autor schafft es wunderbar, Paddys Naivität einzufangen. Seine Beziehungen zu seinen Freunden und seiner Familie sind komplex und oft konfliktbeladen. Man kann während des Buches gut seinen Reifeprozess verfolgen, er beginnt, die Welt um ihn herum besser zu verstehen, erkennt die Komplexität der Erwachsenenwelt und beschäftigt sich mit den Problemen in seiner Familie. Schließlich denkt er über seine eigene Identität und seine Rolle in der Familie nach.
Das Buch behandelt sehr viele Themen, die Familienbeziehungen, die Dynamik von Freundschaften, die Gemeinschaft und die Suche nach Identität während der Kindheit. Paddy wächst in Irland ist für dieses Land repräsentativ, aber gleichzeitig hat er die gleichen Probleme wie Kinder von überall, so kann man ihn leicht verstehen oder sogar kann man sich mit ihm identifizieren.
"Paddy Clarke Ha Ha Ha" ist ein packender Roman über die Freuden und Herausforderungen der Kindheit und das Erwachsenwerden, erzählt aus der Perspektive eines lebhaften zehnjährigen Jungen. Roddy Doyle's Schreibstil ist ganz besonders, er schafft es, mit viel Humor ernste Themen anzusprechen. Das Buch bringt den Leser zum Lachen und macht gleichzeitig nachdenklich.
Ein wertvolles Buch, das ich gerne weiterempfehlen würde.