Rezension
Wer Armand de Saint Paul kennt - und wer es nicht tut, hat was verpasst -, der weiß, dass der Zögling einer der einflussreichsten Pariser Familien des 17. Jahrhunderts generell viel Unruhe stiftet. Das liegt in seiner Natur und in der Regel brockt er sich die Probleme selbst ein. So wundert es auch in diesem sechsten Band der historischen Reihe nicht, dass Armand den Bogen wieder mal überspannt. Es muss aus Frankreich fliehen und im deutschen Kaysersberg ins Exil gehen. Was zunächst nach einem gemütlichen Leben in ländlicher Abgeschiedenheit aussieht, wandelt sich aber schnell und wird lebensgefährlich. Die Lage wird - nicht nur im übertragenden Sinne - explosiv.Ich bin mit den beiden Vorgängerbänden gut vertraut und habe sie sehr gerne gelesen. In diesem sechsten Band liegt der Fokus ganz auf einem der vertrauten Freunde, nämlich auf Armand de Saint Paul. Auch Armands Eltern werden hier prominent in Szene gesetzt, ein großartiges Paar: er - kühl, klug und streng, sie - mindestens genauso kühl und ihrem Mann ebenbürtig. Diese Eigenschaften sind auch bitter nötig, denn beide müssen ständig Fäden ziehen in der Pariser Tagespolitik, um das Überleben ihrer Familie zu sichern. Dabei begegnen sie sich selbst stets mit vornehmer Distanz. Es ist dem Autor hoch anzurechnen, dass - bei all der Eiseskälte, die den Marquis und seine Frau umgibt - immer durchscheint, dass beide tatsächlich nur aus großer Liebe zueinander handeln - und zu ihrem unberechenbaren Sohn Armand, der nicht müßig wird, sich von einem Abenteuer ins nächste zu stürzen.