Hamburg, 1920: Kurt, ein waschechter „Hamburger Jung’“, ist verliebt – in Trudl. Mit charmanten Postkarten in schwungvoller Sütterlin-Schrift umwirbt er sie und tauscht mit ihr Liebesbekundungen, Gedanken zum Weltgeschehen aus – und auch mal Streitigkeiten. Vor dem Hintergrund einer Zeit des Umbruchs – Nachkriegsjahre, politische Unsicherheit, neue Lebensstile und technische Innovationen – entfaltet sich die Geschichte ihrer Beziehung: zwischen Tanzcafé und Kartoffelstippe, zwischen traditioneller Rolle und Trudls Wunsch nach beruflicher Selbstständigkeit. Welche Zukunft erwartet das Paar? Und welche Rolle spielt „Hausfreund“ Erich? Die autofiktive Ergänzung zu den originalen Karten gibt Antworten.
Kundinnen und Kunden meinen
4.8/5.0
Claudia liest
aus Swisttal
5/5
05.07.2026
Buch (Paperback)
Eine Zeitreise in die 20er Jahre
Kann man mit einem Stapel alter Postkarten als Vorlage ein Buch schreiben?
Ich finde , das ist eine außergewöhnliche Idee. Und es hat hervorragend funktioniert.
Die Autorinnen haben es „trefflich verstanden“, um es dem Schreibstil entsprechend auszudrücken, aus realen Postkarten und Briefen und fiktiven Antworten darauf, eine schlüssige Geschichte zu verfassen.
Die Geschichte spielt, wie bereits durch den Titel ersichtlich, im Hamburg der 20er Jahre. Dort schreibt Kurt regelmäßig an Trudl, der er schon eine Weile den Hof macht.
Manchmal sind es nur ein paar kurze Sätze auf einer Postkarte, manchmal auch längere Briefe. Die Postkarten, die alle in Sütterlin verfasst wurden, sind jeweils als Bild beigefügt. Es war sehr interessant, sich mit dieser alten Schrift auseinanderzusetzen. Einiges konnte ich sogar entziffern. Aber keine Sorge, die Texte sind alle übersetzt.
Aus diesen Postkarten und Briefen kann man einiges über Kurt erfahren. Er arbeitet im Gemischtwarenladen seiner Mutter und ist ein unternehmungslustiger Geselle. Doch der Kontext seiner Schreiben zeigt deutlich, dass er ganz bestimmte Erwartungen an Trudl, die er heiraten möchte, hat. So schreibt er z.B. immer sehr gönnerhaft und oft auch belehrend. Als Anrede verwendet er Formulierungen wie: „Mein liebes kleines Mädel“. Und über manches Schreiben kann man sich aus heutiger Sicht einer modernen und selbstbestimmten Frau tatsächlich etwas aufregen. Wenn er schreibt: „Trotzdem mein sonst so liebes Mädel versucht hat, mich ein bissel zu ärgern in den letzten Tagen, so soll Dir der zugedachte Sonntagsgruß doch nicht vorenthalten werden“ Wie gönnerhaft! Oder er fragt: „War sie auch brav am Sonnabend?“ Die Frage stellt man heute wohl nur noch einem kleinen Kind.
Trudl ist für damalige Verhältnisse aber bereits sehr fortschrittlich, man könnte fast sagen, emanzipiert, obwohl diese Welle ja erst viele Jahre später begann. Sie hat einen Anstellung als „Fräulein vom Amt“ und verdient damit schon ihr eigenes Geld. Sie ist lebensfroh, liebt das Tanzen und hat ihren eigenen Kopf. So geht sie auch ausweichend oder gar nicht auf seine Anspielungen zu einer baldigen Hochzeit ein. Vielmehr erzählt sie ihm, welche Träume sie hat, z. B. auf einer flotten Maschine (Motorrad) zu sitzen. Und findet es auf alle Fälle grandioser, als einen Kinderwagen durch die Straßen zu fahren.
Es prallen unterschiedliche Charaktere aufeinander. Kurt als sehr konservativer Mann, der genaue Vorstellungen von einer „braven“ Ehefrau hat. Das geht auch aus Briefen, die Kurt an seine Freunde sendet, hervor. Er hat Sorge, dass Trudl so ein „modernes Frauenzimmer“ wird. Und Trudl, die ihre eigene Meinung und auch eine eigene Vorstellung von ihrem Leben hat. Vieles vertraut sie ihrem Tagebuch an oder ihrer Freundin Ilse.
Mir hat die Entwicklung des fiktiven Charakters Trudl sehr gut gefallen. Die daraus entstandene Geschichte finde ich sehr authentisch. Der Zeitgeist der 20er Jahre ist perfekt eingefangen. Man ging zum Tanzen aus, man trank Cocktails, bei den Damen war es Mode, zu rauchen und dazu die langen Zigarettenspitzen zu benutzen, die Röcke wurden kürzer und die Mode insgesamt ausgefallener. Aber auch die wunderschönen alten Postkarten lassen einen in der Zeit ankommen.
Ich habe mich beim Lesen in diese Zeit versetzt gefühlt.
Dithmarscher Deern
aus Sörup
5/5
22.06.2026
Buch (Paperback)
In jeder Hinsicht etwas Besonderes!
Das Buch "Foxtrott und Kartoffelstippe" aus dem Ammian Verlag, geschrieben vom Autorinnenduo Laura Windmann und Bea Vincent, spielt, wie der Titel schon vermuten lässt, in den 1920er Jahren. Und ... es ist in jeder Hinsicht etwas Besonderes: die Entstehungsgeschichte, die Art von Text und auch das Format des Buches!
Eine der Beiden Autorinnen hat auf einem Flohmarkt in der Nähe von Hamburg ein altes Ansichtskartensammelalbum erstanden. Es stellte sich heraus, dass es sich um Karten handelt, die alle von ein und demselben Mann, nämlich Kurt, an seine Angebetete (Gertrud, genannt Trudl) geschickt wurden. Die Autorinnen haben daraus eine Geschichte gemacht. So sind die Karten und Texte von Kurt alle "echt", die Antworten und Tagebucheinträge von Trudl, sowie verschiedene Briefe an Freunde sind fiktiv. Wie könnte Trudl, die für die damalige Zeit schon sehr moderne Ansichten hatte und als "Fräulein vom Amt" einem Beruf nachging, geantwortet haben?
Der Text spiegelt auf ganz wunderbare Weise das Leben der Zeit wieder! Die Leute hatten finanziell noch sehr unter den Auswirkungen des 1. Weltkrieges zu leiden, wollten aber einfach wieder Spaß haben ... ausgehen, tanzen usw. Manche, so wie Kurt, haben aber noch am althergebrachten Rollenbild festgehalten. Aus seinen Postkartengrüßen geht deutlich hervor, was seine Ansichten sind. So nennt er Trudl oft "mein kleines Mädel" und ist auch häufig recht belehrend. Wie wird das ausgehen?
Die Ansichtskarten von Kurt sind im Buch alle (von beiden Seiten) abgebildet. Sehr schön anzusehen, wie eine Reise in die Vergangenheit!
Ich fand das Buch über Kurt und Trudl, das nicht in Romanform, sondern in Karten-/Brief-/und Tagebucheinträge-Form geschrieben ist, super unterhaltsam! Und das Beste: das Ende hat mich wirklich überrascht!
Vorne im Buch findet man eine Übersicht der Personen, aus der deutlich hervorgeht, welche real waren oder fiktiv sind. Ein paar Rezepte aus der Zeit findet man auch.
Das wunderschöne Cover zeigt schon deutlich worum es überhaupt geht.
Alles in Allem eine begeisterte Empfehlung von mir!
Lesezauber_Zeilenreise
Thalia Book Circle Community
5/5
14.06.2026
Buch (Paperback)
Nostalgische autofiktive Zeitreise in die 20er Jahre...
…mit originalen Postkarten! Absolut Manoli!
**Inhaltsangabe Verlag:**
Hamburg, 1920: Kurt, ein waschechter „Hamburger Jung’“, ist verliebt – in Trudl. Mit charmanten Postkarten in schwungvoller Sütterlin-Schrift umwirbt er sie und tauscht mit ihr Liebesbekundungen, Gedanken zum Weltgeschehen aus – und auch mal Streitigkeiten. Vor dem Hintergrund einer Zeit des Umbruchs – Nachkriegsjahre, politische Unsicherheit, neue Lebensstile und technische Innovationen – entfaltet sich die Geschichte ihrer Beziehung: zwischen Tanzcafé und Kartoffelstippe, zwischen traditioneller Rolle und Trudls Wunsch nach beruflicher Selbstständigkeit. Welche Zukunft erwartet das Paar? Und welche Rolle spielt „Hausfreund“ Erich? Die autofiktive Ergänzung zu den originalen Karten gibt Antworten.
**Meine Inhaltsangabe:**
Kurt ist verliebt! In Trudl, die er in einem Tanzcafé kennengelernt hat. Fortan schreibt er ihr meist als Sonntagsgruß jede Woche eine Postkarte und umwirbt sie nach allen Regeln der Kunst. Trudl ist schon auch angetan von ihrem Kurtchen, auch wenn er sie doch arg in die vorgegebene Rolle der Hausfrau und Mutter zu stecken versucht, wo sie sich gar nicht sieht. Sie treffen sich öfter, hier mal ein verstecktes Küsschen, dort mal eine kleine, harmlose Berührung und jede Woche eine Postkarte. Derweil ist die spanische Grippe gerade am Abklingen, der Erste Weltkrieg noch nicht lange vorbei. Schafft die junge Liebe es durch diese Zeit des Umbruchs?
Erster Satz: »Wenn der junge Hamburger Kurt geahnt hätte, dass seine Postkarten rund einhundert Jahre später auf einem Flohmarkt in Norderstedt landen würden, welche Worte hätte er dann für seine geliebte Trudl gewählt?«
**Mein Eindruck:**
Was für eine geniale Idee hinter diesem Buch steckt! Aus einem Flohmarktfund eine Liebesgeschichte der 20er Jahre zu zaubern! Originalpostkarten von Kurt, fiktive Antworten von Trudl. Beides zusammen ergibt eine fesselnde, nostalgische, berührende, humorvolle Zeitzeugengeschichte und erlaubt einen fast schon intimen Blick auf die damalige Zeit. Sämtliche Postkarten von Kurt sind im Buch abgebildet und „übersetzt“ (sie sind in der altdeutschen Sütterlin-Schrift geschrieben und wirklich sehr schwer zu lesen). Die Motive der Postkarten sind mal zuckersüß, mal romantisch, mal verkitscht, mal ein bisschen anzüglich (zumindest für die damalige Zeit). Damals hat man sich noch anders ausgedrückt, es gab ganz andere Worte als heute. Diese wiederzuentdecken macht einfach Spaß, auch wenn es natürlich generell ein ganz anderer Schreibstil ist. Aber genau das zusammen mit den vielen Postkarten und der mal ganz anderen Liebesgeschichte macht den Charme dieses Buchs aus. Ach und ja: es gibt sogar ein paar Rezepte darin (Labskaus, veganes Labskaus, Kartoffeln mit Stippe und Cocktail Sazerac). Das Ende war dann aber der Knaller, womit ich so gar nicht gerechnet habe. Völlig unerwartet, einerseits ein bisschen traurig, andererseits aber gar nicht traurig, weil… ach nein. Das kann ich nicht verraten. Lies es selbst. Diese Lesereise in die 20er Jahre fühlt sich heute fast ein bisschen wie eine Reise in eine andere Welt an. Unglaublich wenn ich daran denke, dass meine Großeltern diese Zeit miterlebt haben. Danke für diese charmante, wunderbar arrangierte Zeitreise, die schon allein rein optisch eine Augenweide ist. 5/5 Sterne.
Bewertung
4/5
05.06.2026
Buch (Paperback)
Foxtrott & Kartoffelstippe
Heute gibt es mal ein total anderes Buch welches ich rezensiere. Für mich eine ganz neue Erfahrung und beim Lesen habe ich gemerkt wie sich in 100 Jahren unsere Sprache doch verändert hat. Viele Ausdrücke benutzen wir heute gar nicht mehr und ich denke die jüngere Generation kann damit gar nichts mehr anfangen. Trotzdem ist es ein Erlebnis das Buch zu lesen.
Es ist keine Geschichte, es sind Postkarten und Briefe die Kurt an seine Trudi geschickt hat. Es gibt aber auch noch anderen Briefverkehr. Zwischen den Zeilen erfahren wir beim Lesen aber auch noch ein ganze Menge über das Leben von vor über 100 Jahren.
Auch gibt es noch so kleine Highlights im Buch, die verrate ich euch jetzt aber nicht. Ja und achtet mal auf die Seitenzahlen, sehr interessant.
Es war nicht einfach das Buch zu lesen, da die Autorinnen es im Schreibstil der 1920ger Jahre geschrieben haben. Was ich persönlich toll fand. Die Sütterlin- Schrift einfach übersetzt . Mehr will ich nicht verraten. Es gibt tolle Bilder der originalen Postkarten im Buch und ich denke zu dem Buch gab es einiges an Recherche.
Eine tolle Umsetzung auch wenn ich mich mit dem Lesen etwas schwer getan habe.
Das Cover gefällt mir super und spiegelt die damalige Zeit wieder. Das Buch hat auch ein anderes Formal welches ich passend finde.
Ein wirklich interessantes Buch.