Überwältigende Naturlandschaften in Verbindung mit einer spürbaren spirituellen Atmosphäre verleihen Westtibet seine Einzigartigkeit. Dieser Teil des tibetischen Hochlandes gilt als das eigentliche „Land der Götter“, denn hier steht der Götterberg Kailash. Seit urdenklicher Zeit stellt der Berg für Gläubige aus vier alten Religionsgemeinschaften ein ersehntes, geheiligtes Pilgerziel dar, das zudem als „Zentrum der Welt“ und als Achse des Kosmos verehrt wird: als Tise von den Bönpos, als Ashtapada/Mandara von den Jaina, als Kailāśa von Hindus und Veda-Anhängern, und als Gang Rinpoche von Buddhisten. Hier war und ist der Wohnsitz der Götter Indiens und Tibets. Das erste Kapitel von Teil I des vorliegenden Bandes widmet sich in Bild und Text dem Berg Kailash, wobei Mythologie, Geschichte, Natur (die Kora) und religiöse Bedeutung des Heiligen Berges die Hauptthemen darstellen. Der Stellenwert des Kailash als „Shivas Berg“ auf dem Indischen Subkontinent, und speziell in Südindien, stellt einen besonderen Aspekt der Betrachtung dar.Dann folgt der Leser / die Leserin den Spuren des Tibetologen Giuseppe Tucci entlang der Ufer des Elefantenflusses Sutlej / Lanchen Khambab – einem der „Vier Wasser vom Kailash" – in westliche Richtung, und erreicht so das in einem riesigen, geologisch jungen intramontanen See ertränkte, in der Sonne grell leuchtende Kernland des untergegangenen Königreiches Guge. Inmitten weiter grasloser Ödnis einer fantastischen Erosionscanyon-Landschaft dieses vorzeitlichen Zanda-See-Bodens öffnet sich dem staunenden Besucher schliesslich eine wahre Schatzkammer jener einzigartigen, tantrischen indo-tibetischen Kunst, wie sie in einigen, vor dem Verfall geretteten Tempeln und Ruinen in Tholing und Tsaparang, den Zentren des ehemaligen Königreiches, in Form 500 Jahre alter, aber wunderbar brillant leuchtender Mauerfresken rudimentär noch erhalten ist. Der kürzere, zweite Teil des Buches befasst sich mit neuen Ergebnissen aus geologischer und archäologischer Forschung: Ursachen für den Aufstieg Tibets zum „Dach der Welt“, die Rolle dieses grössten Hochlandes des Planeten während der pleistozänen Eiszeiten, sowie Fragen der frühen Besiedelung durch den Menschen werden diskutiert. Die Entwicklung des grösseren indo-tibetischen Raumes in ferner Früh- und Vorzeit und die Geschichte des vor-buddhistischen, „prähistorischen“ Westtibet sind weitere Aspekte, die beleuchtet werden. Dabei werden sowohl Denkansätze der Naturwissenschaft, als auch die „ganz andere“ Perspektive des göttlichen Veda berücksichtigt.
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