Die koloniale Rechtsethnologie hat in den letzten sechzig Jahren mehrere Wandlungen durchlaufen und präsentiert sich heute als eine Anthropologie der Rechtskultur, deren bedeutende Fortschritte im Hinblick auf eine Erneuerung der Rechtskonzepte in diesem Band zusammengefasst sind. Ausgehend von Feldforschungen in Afrika, im Indischen Ozean, in Amerika und in Europa zu den Themen Bodenpolitik oder gütliche Streitbeilegung untersuchen fünf Beiträge zu Kolloquien, die zwischen 2010 und 2014 verfasst wurden, nicht nur, wie man mit alten Ethnozentrismen brechen kann, sondern auch, wie man eine zukunftsorientierte Lesart der aktuellen Innovationen entwickeln kann. Denn Komplexität prägt die Welt, in die wir eintreten, und Hans Kelsens positive Rechtsauffassung muss sich an die neuen Herausforderungen der Gegenwart anpassen, da sie sich angesichts des menschlichen Erfindungsreichtums und der Anforderungen der Globalisierung und des Kosmopolitismus als zu einfach erweist. Unter der Annahme einiger epistemologischer Brüche kann uns der aus der Soziologie bekannte Begriff der Rechtmässigkeit ermöglichen, das Ausmass dieser Herausforderungen zu erfassen, indem wir die Vergangenheit des Brauchtums mit der Zukunft des Vertragslebens verbinden und die Kunst der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens erneuern.
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