Tipps & Tricks
Egal, ob Diplom-, Bachelor- oder Masterarbeit: Wenn eine schriftliche Arbeit ansteht, stellen sich immer wieder ähnliche Fragen: Worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen wissenschaftlichen und anderen Texten? Wie gehe ich beim Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit vor? Was heisst zitieren und wie macht man das? Worauf muss man besonders achten?
In einer Aus- oder Weiterbildung kommt man meist in die Situation, eine wissenschaftliche Arbeit verfassen zu müssen. Das mag im ersten Moment Respekt einflössen, weil man sich darunter nichts Konkretes vorstellen kann. Deshalb hilft es, sich bewusst zu machen, was die Kennzeichen solcher in einer Aus- oder Weiterbildung verfasster wissenschaftlicher Texte sind und wodurch sie sich von anderen Texten unterscheiden. Kennt man die Merkmale, kann man wissenschaftliche Arbeiten gezielt und angstfrei angehen.
Leserschaft
Mit meiner wissenschaftlichen Arbeit muss ich nicht eine möglichst grosse Zahl Interessierter erreichen. In erster Linie muss man beim Verfassen nur die Personen berücksichtigen, die die Arbeit beurteilen werden. Sofern die Arbeit einen Nutzen für die Praxis stiften soll, muss sie natürlich auch für die entsprechende Zielgruppe verständlich und nachvollziehbar sein.
Tipp: Machen Sie sich bewusst, wer Ihre Arbeit lesen wird und halten Sie sich diese Personen beim Verfassen immer vor dem geistigen Auge.
Inhalt
Schreibe ich einen Roman, habe ich völlige Freiheit, wovon er handeln soll. Verfasse ich dagegen einen Artikel für eine Zeitschrift, muss der Inhalt thematisch abgestimmt sein. Auch wissenschaftliche Arbeiten werden in einem bestimmten Kontext geschrieben. Er gibt den Inhaltsrahmen vor, innerhalb dessen man ein Thema wählt. Es gibt kaum ein Thema, das man nicht wissenschaftlich beschreiben könnte – von der Herleitung einer mathematischen Formel über die Betrachtung des Kaufverhaltens in Krisenzeiten bis zur Untersuchung der Namensgebung bei Kühen. Eine wissenschaftliche Arbeit ist so gesehen inhaltlich ziemlich frei, solange man sich im gegebenen Rahmen bewegt. Der Themenwahl kommt sehr grosse Bedeutung zu und sie ist entsprechend wohlüberlegt zu treffen.
Tipp: Suchen Sie zunächst nach einem Themenbereich, der den Vorgaben entspricht und der auch Ihrem Bauchgefühl zusagt. Grenzen Sie dann mithilfe von Gesprächen und Literaturrecherche Ihr Thema ab.
Umfang
Der Umfang einer wissenschaftlichen Arbeit in den meisten Fällen klar vorgegeben. Man muss das Thema daher sinnvoll eingrenzen, um im vorgegebenen Umfang adäquat darauf eingehen zu können.
Tipp: Haben Sie keine Angst, zu wenig Text zu haben. Meist ist das Gegenteil der Fall. Je stärker Sie das Thema eingrenzen, desto tiefer können Sie ins Detail gehen und verzetteln sich nicht.
Aufbau
Vor allem klassische Theaterstücke folgen in der Regel einem vorgegebenen Aufbau, der einen Spannungsbogen repräsentiert. Auch in der wissenschaftlichen Arbeit ist ein grundlegender Aufbau vorgegeben: In der Einleitung holt man die Lesenden ab, beschreibt die Ausgangslage, die Fragestellung bzw. das Ziel der Arbeit sowie das geplante Vorgehen. Im Hauptteil wird die Fragestellung untersucht und im Schlussteil werden die Ergebnisse zusammengefasst. Dieser grundsätzliche Aufbau wird in vielen Wegleitungen noch genauer aufgeschlüsselt.
Tipp: Unabdingbar für eine wissenschaftliche Arbeit ist eine Disposition, in der man die vorgesehene Struktur skizziert. Dazu gehören Ziel, Fragestellungen und ein grobes Inhaltsverzeichnis. Lassen Sie die fertige Arbeit auch von einer anderen Person in Bezug auf den roten Faden durchlesen.
Bezug zu Bestehendem
Ein Zeitungsartikel zum alljährlichen Vogelzug gegen Süden orientiert sich allenfalls an bestehenden Texten zu diesem Thema, muss sie aber nicht erwähnen. Von einer wissenschaftlichen Arbeit wird verlangt, dass sie auf den bisher zu diesem Thema gemachten Untersuchungen aufbaut. Deshalb kommt der Recherche zu Beginn der Arbeit eine sehr grosse Bedeutung zu. Auch besteht ein mehr oder weniger grosser Teil der Arbeit aus dem Zusammenfassen und Gegenüberstellen vorhandener Untersuchungen zum Thema. Ein zentraler Unterschied zu vielen anderen Texten ist das Kenntlichmachen der Quellen. In einer wissenschaftlichen Arbeit muss man klar ausweisen, welche Gedanken aus bereits gemachten Untersuchungen übernommen wurden.
Tipp: Notieren Sie sich immer, wenn Sie Literatur verwenden, sogleich die Quellenangaben dazu, die Sie benötigen (inkl. Seitenzahl). Das erspart bei der Erstellung des Literaturverzeichnisses viel Arbeit.
Objektivität
Der Kern wissenschaftlichen Arbeitens ist Objektivität. Es gibt keine Beantwortung der Fragestellung aus dem Bauch heraus oder weil man das gerade so gut findet. Aussagen werden belegt. Die Schlussfolgerungen müssen so sein, dass eine andere Person, die dieselben Methoden anwendet, zur selben Antwort gelangt.
Tipp: Seien Sie Ihren eigenen Ausführungen gegenüber sehr kritisch. Lesen Sie sie aus der Perspektive Ihrer Zielgruppe oder lassen Sie den Text von einer anderen Person speziell auf die Nachvollziehbarkeit hin durchlesen.
Sprache
Wissenschaftlich schreiben heisst nicht kompliziert schreiben, aber auch nicht umgangssprachlich. Wissenschaftlich schreiben heisst gut verständlich und möglichst prägnant zu schreiben. Wie in einer Gebrauchsanweisung ist es auch in einer wissenschaftlichen Arbeit von grosser Bedeutung, die richtigen Begriffe zu verwenden. Dass die Sprache in Bezug auf Orthografie und Interpunktion korrekt sein sollte, gilt hier ebenso wie für fast alle Textsorten.
Tipp: Wenn man die Arbeit fertig geschrieben hat, kann man sie oft nicht mehr sehen. Suchen Sie sich eine sprachkundige Person, die den Text auf Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung durchliest. Nutzen Sie im Minimum die automatische Rechtschreibkorrektur.
Das Thema ist gewählt und die Arbeit kann beginnen. Aber wie? Sehr viele Menschen haben Angst vor dem «weissen Blatt» und wissen nicht recht, wo und wie sie anfangen sollen. Das ist normal. Die folgenden Schritte haben sich bewährt. Sie werden aber nicht strikt nacheinander abgearbeitet, sondern wiederholen sich teilweise im Verlauf der Arbeit.
Grundsätzlich gilt: Halten Sie allfällige inhaltliche oder formale Vorgaben sowie Bewertungskriterien immer griffbereit und kontrollieren Sie regelmässig während der Schreibarbeit, ob Sie diesen entsprechen.
Thema eingrenzen, Fragestellungen formulieren, Vorgehen definieren
Nehmen Sie Ihr Thema und allfällige bereits formulierte Fragen, Abgrenzungen oder Ziele zur Hand. Schreiben Sie auf (z.B. in einem Mindmap), welche ganz konkreten Fragen Sie erforschen wollen. Dazu hilft manchmal bereits eine Literaturrecherche (vgl. Schritt 2). Denken Sie daran: Eine wissenschaftliche Arbeit ist kein Sammelsurium von Hinweisen zu einem Thema, sondern folgt einem roten Faden. Die Fragestellungen sind also daraufhin zu prüfen, ob sie sinnvoll zusammenhängen. Nun überlegen Sie, wie Sie vorgehen müssen, um zu Antworten zu kommen (z.B. Experteninterview, Analyse, Umfrage usw.).
Erste Literaturrecherche
Eine wissenschaftliche Arbeit sollte immer den aktuellen Forschungsstand zu diesem Thema berücksichtigen. Deshalb ist es unerlässlich, sich zu informieren, was bereits zum Thema verfasst wurde. Das ist zum einen Grundlagenliteratur (meist als Buch oder eBook), zum andern sind das gedruckte oder online publizierte wissenschaftliche Arbeiten, aktuelle Artikel in Zeitschriften, Gerichtsurteile usw. Deshalb genügt eine blosse Google-Recherche nicht. Nutzen Sie auch Online-Lexika (z.B. Wikipedia), verschaffen Sie sich dadurch einen Überblick und suchen Sie nach Quellenangaben. Suchen Sie in Bibliothekskatalogen (z.B. swisscovery) oder in Fachportalen. In Google Scholar finden Sie wissenschaftliche Literatur. Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto mehr Ideen kommen auf, was auch noch spannend wäre. Versuchen Sie, sich auf Ihre Fragestellung zu konzentrieren und Alternativen auszublenden.
Material ordnen
Verschaffen Sie sich einen Überblick über die gefundene Literatur. Lesen Sie das Inhaltsverzeichnis und – wenn vorhanden – das Management Summary. Markieren oder kopieren Sie sich wichtige Inhalte. Vergessen Sie nicht, beim Kopieren sofort die Quelle dazuzuschreiben. Erstellen Sie eine Übersicht, welche Literatur zu welcher Fragestellung gehört. Ihre Leistung besteht darin, aus vielen Quellen das herauszuschälen, was zu Ihrer Fragestellung passt.
Disposition erstellen
Eine Disposition ist ein wichtiges Planungsinstrument für die Arbeit. Darin erstellen Sie ein grobes Inhaltsverzeichnis der Arbeit und geben so die Struktur vor. Die Disposition ist oft auch Grundlage für eine Besprechung mit der Betreuungsperson.
Worddokument erstellen
Insbesondere bei Respekt vor dem leeren Blatt empfiehlt es sich, sobald wie möglich konkret zu werden und Text niederzuschreiben. Auch wenn es nur Titel sind. Wenn Sie eine Wordvorlage für die Arbeit haben, nutzen Sie diese und füllen Sie die Titel aus der Disposition ein. Andernfalls erstellen Sie anhand der formalen Vorgaben für die Arbeit eine eigene Formatvorlage. Sie können zu diesem Zeitpunkt auch schon Teile der Einleitung befüllen (z.B. Ausgangslage, Fragestellung, Methoden) oder auch andere Inhalte (bereits selbst formuliert oder noch kopiert) am entsprechenden Ort einfügen.
Literatur verarbeiten
Sichten Sie nun die Literatur genauer und fassen Sie die für die Fragestellung bedeutenden Inhalte in Ihren Worten zusammen. Vergessen Sie nicht, sich jeweils direkt die Quelle zu notieren oder die Quellenangaben jeweils bereits den Vorgaben entsprechend anzufügen (inkl. Literaturverzeichnis).
Eigene Untersuchung
Die meisten wissenschaftlichen Arbeiten bestehen nicht aus blosser Wiedergabe von Bestehendem, sondern sehen eine eigene Untersuchung vor. Das kann beispielsweise eine Marktbeobachtung, ein Experiment, eine Mitarbeiterumfrage oder eine Unternehmensanalyse sein. Diese muss früh genug initiiert werden. Die Ergebnisse werden in der Arbeit zusammengefasst, sollten aber für die Nachvollziehbarkeit im Anhang vorhanden sein.
Text vervollständigen
Ergänzen Sie Einleitung, Fazit, Verzeichnisse etc. und formulieren Sie Text, den Sie aus einer Quelle übernommen haben, in Ihren eigenen Worten um.
Formale Vorgaben umsetzen
Überprüfen Sie, ob Sie alle Quellenangaben korrekt gemacht haben, kontrollieren Sie Seitenzahlen, Randelemente, Schriftgrösse, Titel usw. und erstellen bzw. aktualisieren Sie automatisch generierte Verzeichnisse.
Text redigieren
Lesen Sie den fertigen Text mehrmals durch. Achten Sie dabei zum einen auf die Nachvollziehbarkeit / den roten Faden, zum andern auf die sprachliche Verständlichkeit und korrekte Rechtschreibung. Idealerweise lesen auch andere Personen Ihre Arbeit auf diese Kriterien hin durch.
Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehört, dass Quellen, die man verwendet, offengelegt werden.
«Weshalb muss ich überhaupt Quellen angeben?»
· Zum einen verletzt man das Urheberrecht, wenn man sich fremder Gedanken bedient, ohne das kenntlich zu machen.
· Zum andern muss eine wissenschaftliche Arbeit für die Leserin nachvollziehbar sein. Sie muss Aussagen überprüfen oder bei Interesse die Quellen weiterverfolgen können.
Es muss also immer ersichtlich sein, ob es sich um eigene oder um fremde Gedanken und Erkenntnisse handelt. Dazu verweist man im Text auf die verwendeten Quellen
«Muss ich Quellen auch angeben, wenn ich etwas selbst formuliere?»
Immer, wenn man sich auf fremde Texte stützt, muss man die Quelle angeben. Dabei spielt es keine Rolle, ob man die fremden Inhalte wörtlich oder sinngemäss übernimmt.
· Wörtliche (direkte) Zitate sind Textstellen, die man 1:1 übernimmt. Das sollte nur sehr sparsam geschehen und nur, wenn der genaue Wortlaut wichtig ist.
· Sinngemässe (indirekte) Zitate sind Textstellen, bei denen man fremde Inhalte in eigenen Worten in der Regel gekürzt wiedergibt. Wissenschaftliche Arbeiten bestehen zu grossen Teilen aus sinngemässen Zitaten.
«Worauf muss ich beim wörtlichen und sinngemässen Zitieren achten?»
Wörtliche Zitate werden in Anführungszeichen gesetzt und/oder eingerückt oder auch in einer kleineren Schrift geschrieben. Ihnen sieht man also an, dass es sich um wörtlich zitierte Stellen handelt. Sie sollten nicht zu lang sein. Wenn ich in wörtlichen Zitaten ein oder mehrere Wörter auslasse, muss ich das mit Punkten (…) anzeigen. Eigene Ergänzungen stehen in [eckigen Klammern].
Sinngemässen Zitaten sieht man es formal nicht an, dass es sich um fremde Gedanken handelt. Deshalb muss man auch die Quellenangabe machen. Die Formulierung zeigt aber häufig die Bezugnahme auf andere, z.B. «Meier ist der Meinung…» … «Dagegen wendet Tobler ein…» … «Gemäss Müller…»… «Wie Gerber schreibt…». Sinngemässe Zitate sollten sich deutlich von der Originalaussage abheben und selbst formuliert sein. So stellt man auch sicher, dass man einen durchgängigen Stil – nämlich den eigenen – verwendet.
«Reicht es, wenn ich am Ende jeder Seite eine Quellenangabe mache?»
Nein, in der Regel nicht. Normalerweise werden in einer wissenschaftlichen Arbeit Fragestellungen anhand von unterschiedlicher Literatur bearbeitet. Entsprechend macht man eine Quellenangabe für jeden neuen Aspekt / jeden neuen Gedanken. Grob kann man sagen, dass jeder Abschnitt eine Quellenangabe haben muss, da Abschnitte ja bei inhaltlichen Übergängen gemacht werden.
«Muss ich bei jeder Quellenangabe alle Angaben zum Buch machen?»
Nein. Im Literaturverzeichnis nimmt man alle Angaben zu einem Buch / einem Artikel auf. Im Text verwendet man dann den sogenannten Kurzbeleg. Dazu gehört immer der Nachname. Je nach Zitiersystem, das verwendet wird, kommt dann noch Jahr und/oder Seitenzahl dazu. Wird mehrmals hintereinander dieselbe Quelle zitiert, kann auch die Angabe «ebd.» verwendet werden. Das bedeutet «ebenda».
«Gibt es also verschiedene Zitiersysteme?»
Ja, und in der Regel gibt die Institution, bei der Sie die Arbeit verfassen, vor, wie Sie zitieren sollen. Sehr verbreitet ist das APA-System, aktuell APA 7. Bei diesem fügt man den Kurzbeleg direkt in Klammern an den zitierten Text an wie im folgenden Beispiel (Brunner, 2022, S. 34). Es gibt auch die Variante, die Quellenangabe in der Fussnote zu machen.
«Kann ich beim Zitieren auch automatische Wordfunktionalitäten verwenden?»
Mit Word können Quellenangaben erstellt und verwaltet werden. Daraus kann auch ein automatisches Literaturverzeichnis generiert werden. APA 7 ist allerdings noch nicht Bestandteil. Insbesondere bei kürzeren Arbeiten lohnt sich der Initialaufwand oft nicht. Hier ist es oft effizienter, die Quellenangaben von Hand einzufügen und das Literaturverzeichnis selbst zu erstellen.
Jede schriftliche Arbeit ist anders und die Bewertungskriterien unterscheiden sich je nach Stufe, Inhalt und Ausbildungsinstitution. Trotzdem stolpern viele Studierende immer wieder über dieselben Hürden. Was man dagegen tun kann, erfahren Sie im folgenden Text.
Themenwahl und Zielsetzung
Wenn das Thema nicht genügend eingegrenzt wurde, ist es schwierig, eine Arbeit zu schreiben, die dem wissenschaftlichen Kriterium «Neuigkeitsgehalt» genügt. Man bleibt dann oft an der Oberfläche und findet keinen roten Faden. Wichtig ist auch ein klares Ziel. Natürlich hat man eine Betreuungsperson, die einen in der Beurteilung unterstützt, ob das Thema und die Zielsetzung passen. Hilfreich ist aber beispielsweise auch ein Dreisatz, den man aufstellt, um das Thema zu prüfen:
Ich untersuche / frage …
weil ich herausfinden möchte, wer / was / wann / wo / welche / warum / wie / ob …
um aufzuzeigen, …
Wenn dieser Dreisatz eine sinnvolle und nachvollziehbare Aussage ergibt, sind Sie auf dem richtigen Weg.
Tipp: Wenn Sie Mühe haben, ein Thema zu finden und einzugrenzen, verwenden Sie Kreativitätstechniken. Besonders fruchtbar: Versetzen Sie sich in Personen, die Sie kennen und die nichts mit Ihrer Weiterbildung zu tun haben. Erzählen Sie Ihnen von Ihrer Arbeit. Was würde Ihre Grossmutter, Ihr Neffe, die Kollegin aus dem Sportverein oder gar Roger Moore sagen und fragen? Die Themenwahl ist keine reine Kopfsache. Natürlich sollten Sie ein Thema suchen, das für Sie Sinn macht und zu dem Sie schon ein bisschen etwas wissen. Es muss aber auch ein Thema sein, das Sie interessiert und mit dem Sie einige Zeit verbringen möchten. Kurz: Auch das Bauchgefühl muss stimmen.
Recherche
Heute ist es üblich, zuerst einmal zu googlen. Das kann auch bei einer schriftlichen Arbeit der Fall sein und meistens stösst man so auch auf mögliche Literatur. Man darf sich aber nicht darauf beschränken, denn zum einen läuft man so Gefahr, nicht zitierfähige, also nicht wissenschaftlich fundierte Inhalte zu verwenden und zu wenig Facetten des Themas zu berücksichtigen, zum andern kann man dadurch kaum der Anforderung gerecht werden, dass eine wissenschaftliche Arbeit bereits bestehende Inhalte zum Thema miteinbezieht.
Tipp: Nehmen Sie sich genügend Zeit für die Literaturrecherche und starten Sie damit früh genug. Es kann auch sein, dass benötigte Literatur im Moment in der Bibliothek nicht verfügbar ist. Die Literaturrecherche ist nicht einmal abgeschlossen, sondern es ergeben sich immer wieder im Verlauf der Erstellung der Arbeit Fragen, denen Sie anhand von Literatur nachgehen müssen. Nutzen Sie Online-Recherchemöglichkeiten von Bibliotheken (swisscovery.ch), wissenschaftliche Datenbanken und suchen Sie nach wissenschaftlicher Literatur beispielsweise über Google Scholar.
Struktur
Eine Arbeit muss nachvollziehbar gegliedert sein. Das bedeutet grundsätzlich, dass sie eine Einleitung, einen Hauptteil und einen Schluss aufweist. Es bedeutet aber auch, dass die Kapitel und Unterkapitel sinnvoll aufeinander aufbauen. Es sollte keine alleinstehenden Unterkapitel geben (z.B. kein 1.1 ohne ein 1.2). Ausserdem sollte es nicht zu viele Unterkapitel geben, weil sonst der Text zu stark auseinandergerissen wird. In einer schriftlichen Arbeit von ca. 30 Seiten sollte man nicht mehr als 3 Kapitelhierarchien (z.B. 1.1.1) verwenden.
Tipp: Erstellen Sie noch während des Schreibprozesses Ihr Inhaltsverzeichnis und prüfen Sie dieses wiederholt: Macht der Aufbau Sinn, wenn Sie nur die Hauptkapitel (1. Hierarchie) anschauen? Sind die Unterkapitel wirklich hierarchisch unter den Hauptkapiteln? Gibt es keine alleinstehenden Unterkapitel?
Roter Faden
Eng verbunden mit der Struktur ist der rote Faden. Ein sehr häufiger Kritikpunkt bei wissenschaftlichen Arbeiten ist, dass dieser fehlt. Der dickste rote Faden muss zwischen Titel, Fragestellung/Zielsetzung und Antwort/Fazit bestehen und die Leserin durch die Arbeit führen. Die Herleitung der Lösung sollte auf der Theorie und auf Modellen zur Fragestellung basieren. Ausserdem sollte der Zusammenhang zwischen den einzelnen Kapiteln ersichtlich sein. Und nicht zuletzt sollten auch die einzelnen Sätze miteinander verbunden werden.
Tipp: Überprüfen Sie Ihre Arbeit immer wieder auf den roten Faden – auf der inhaltlichen und auch auf der sprachlichen Ebene:
o Steht alles, was Sie schreiben, in direktem Zusammenhang mit der Zielsetzung und Fragestellung?
o Sind inhaltliche Querbezüge hergestellt?
o Wird im Text auf Abbildungen und/oder Tabellen Bezug genommen?
o Sind Überleitungen von einem zum anderen Kapitel gemacht?
o Sind die einzelnen Sätze durch Konnektoren (z.B. weil, ausserdem, nicht nur… sondern auch, folglich etc.) verbunden?
o Lassen Sie Ihre Arbeit von einer fachfremden Person gegenlesen: Kann sie den Gedankengang nachvollziehen und sieht sie den roten Faden?
Argumentation
In einer wissenschaftlichen Arbeit darf man nicht «aus dem Bauch heraus» argumentieren, sondern sollte sich auf bestehende Ausführungen und Untersuchungen stützen. Die verschiedenen Argumente müssen geordnet und sinnvoll einander gegenübergestellt werden. Dabei sollte man sie auch kritisch begutachten. Erst zum Schluss wird ein persönliches Fazit gezogen.
Tipp: Stellen Sie die Argumentation z.B. in einem Mindmap dar und notieren Sie sofort die entsprechende Quelle. So stellen Sie zum einen sicher, dass die Argumente in einem Zusammenhang stehen und Sie nicht einfach etwas behaupten, zum andern müssen Sie nicht im Nachhinein nach den Quellen suchen.
Wissenschaftlichkeit
Grundlegend bei einer wissenschaftlichen Arbeit ist, dass jede Aussage belegt ist. Das Weglassen von Literaturhinweisen sowie das Abschreiben ohne Quellenangabe gilt als Diebstahl geistigen Eigentums (Plagiat). Die Quellenangaben müssen entsprechend den Vorgaben der Institution und einheitlich gemacht werden.
Tipp: Finden Sie zu Beginn heraus, ob es zu Ihrer Arbeit formale Vorschriften gibt, und halten Sie sich von Anfang an daran. So ersparen Sie sich viel Aufwand am Schluss.
Sprache und Darstellung
Der erste Eindruck zählt. Das gilt auch für eine schriftliche Arbeit. Ist sie optisch nicht schön gestaltet, muss man Sätze mehrmals lesen, weil man sie nicht versteht, oder findet man schon im ersten Satz einen Rechtschreibfehler, wird man der Arbeit gegenüber eher negativ eingestellt sein und entsprechend auch das inhaltliche Haar in der Suppe suchen.
Tipp: Wissenschaftlich schreiben heisst nicht kompliziert schreiben. Verwenden Sie Fachbegriffe, wo nötig. Erklären Sie sie. Halten Sie sich ansonsten möglichst einfach. Ein Satz, ein Gedanke. Schreiben Sie kurze, unverschachtelte Sätze und verwenden Sie stattdessen Verbindungswörter.
Verwenden Sie immer die automatische Rechtschreibkorrektur und Silbentrennung und lassen Sie Ihre Arbeit zum Schluss von jemandem nur auf Rechtschreibung und Zeichensetzung hin überprüfen.
Grundsätzlich ist der beste Garant für eine erfolgreiche schriftliche Arbeit, dass man weiss, was erwartet wird. Deshalb zum Schluss der wichtigste Tipp: Machen Sie sich mit den Anforderungen und – falls vorhanden – Bewertungskriterien vertraut. Lesen Sie diese während des Schreibens immer wieder durch und überprüfen Sie zum Schluss Ihre Arbeit anhand der Bewertungskriterien – wie es dann auch die begutachtenden Personen tun.



