Wenn das Böse so fein hergerichtet ist, dass es für niemanden mehr als solches erkenntlich ist, sondern gepflegt und anständig daherkommt, dann erst wird es richtig gefährlich.
Kundinnen und Kunden meinen
4.2/5.0
hamburg.lesequeen
aus Bargfeld-Stegen
5/5
06.11.2024
Buch (Taschenbuch)
So böse
KOSMETIK DES BÖSEN
Amélie Nothomb
„Es ist doch schmeichelhaft, vergewaltigt zu werden. Das beweist, daß jemand bereit ist, meinetwegen das Gesetz zu übertreten.“ (S.43/44)
Jérôme Angust hasst Verspätungen und jetzt muss er auf seinen verspäteten Flug warten. Doch als er gerade sein Buch zur Hand nimmt, setzt sich ein fremder Mann zu ihm. Dieser Fremde beginnt ein Gespräch und hält auch nicht inne als Jérôme ihm sagt, dass er keine Unterhaltung wünscht. Der fremde Mann führt seinen Monolog fort, erzählt seine Lebensgeschichte von der Kindheit an und ignoriert weiterhin den Wunsch seines Gegenübers nach Ruhe. Die Lebensgeschichte des Mannes ist nicht schön. Jérôme ist die Geschichte zuwider und erklärt es ganz deutlich, gibt ihm immer wieder Einheit und unterstreicht, dass er in Ruhe gelassen werden will. Doch der Fremde ist penetrant und impertinent zugleich und setzt seine Erzählungen fort.
Mehr kann ich euch an dieser Stelle leider nicht erzählen, nur, dass die Geschichte zwei unglaubliche Wendungen nimmt, die ich nicht kommen sah.
Es ist eine Geschichte auf gerade einmal 100 Seiten, die bösartiger nicht sein könnte. Und wenn es jemand versteht, das Böse in Worte zu fassen, und dabei Handlungen überspitzt, scharf und schonungslos in eine Geschichte zu vereinen, dann ist es Amélie Nothomb. Chapeau.
Große Leseempfehlung.
5/ 5
Peter Kraus
aus Wien
5/5
05.07.2006
Buch (Taschenbuch)
empehlenswert für jederman/-frau! Nothomb hat wahnsinniges Talent, das sich durch all ihre Werke zieht. Obwohl ich mich gegen die bezeichnung Leiblingsbuch ausspreche, muss ich doch sagen, dass "kosmetik des Bösen" ganz weit oben steht!
Bewertung
aus Birr
4/5
20.02.2022
Buch (Taschenbuch)
Psychologisch raffiniertes Stück
Ein Mann am Flughafen wird von seinen eigenen Schattenseiten eingeholt, die er selbst abgrundtief hasst. Psychologischer Thriller über die Erfahrung mit Schattenseiten, die beim Protagonisten zu katastrophalen Auswirkungen führen. Es geht um Schuld, die ihn sehr belastet, aber auch dass die Schattenseiten selbst sozusagen ein unkontrolliertes Eigenleben haben können, was natürlich sehr destruktiv ist. Das finde ich gut beschrieben, auch mit philosophischen Aspekten zu den dazu gehörenden Themen im Ansatz zumindest.
Lia48
4/5
06.05.2019
Buch (Taschenbuch)
Etwas schräg, aber unterhaltsam für zwischendurch!
KURZREZENSION
"Der Mensch hat nur eine Schwachstelle: das Ohr." (S.29)
INHALT:
Jérôme Angust ist auf Geschäftsreise, als sich ein Fremder zu ihm in die Wartehalle des Flughafens gesellt. Dieser stellt sich als Textor Texel vor und zwingt ihm regelrecht ein Gespräch auf. Jérôme hat alles andere als Interesse an dessen Geschwätz, doch genau das scheint den Fremden nur noch mehr zu befeuern und so strapaziert dieser die Nerven seines Gegenübers immer weiter. Was dann geschieht, hätte Jérôme niemals für möglich gehalten...
MEINUNG:
Dieses dünne Büchlein besteht hauptsächlich aus abwechslungsreichen Dialogen zwischen zwei Männern.
Es war mein zweites Buch von Amélie Nothomb und zum Glück war ich etwas darauf vorbereitet, dass dieses Werk deutlich "schräger" sein könnte, als "Der japanische Verlobte".
Tatsächlich war ich überrascht von der Bandbreite, die Nothomb dem Leser in der kurzen, nur etwas über 100-seitigen Lektüre, bot. Es war alles dabei: Manchmal war ich belustigt, im nächsten Moment angeekelt, mal erstaunt oder auch total perplex. Stellenweise empfand ich die Geschichte bizarr und hin und wieder auch etwas makaber.
Und immer wieder habe ich mich gefragt, was der Fremde mit seinen Gesprächen nur bezwecken möchte.
Auch wenn mir die Geschichte gegen Ende vielleicht etwas zu schräg war und ich mir noch ein bisschen mehr Nachklang erhofft hatte, so fand ich sie doch sehr unterhaltsam und wunderbar geeignet für zwischendurch! 3,5-4/5 Sterne!
Sandra
4/5
27.03.2006
Buch (Taschenbuch)
Überraschend
Jerome Angust sitzt in der Wartehalle des Flughafens, als ihn plötzlich wie aus dem Nichts ein wildfremder, aber dafür umso penetranterer Mann anspricht. Blöd ist nur, dass er damit nicht mehr aufhört, sondern immer seltsamere und abstrusere Geschichten aus seiner Vergangenheit erzählt. Beim Lesen möchte man dem Mann, der sich als Textor Texel ausgibt, am liebsten an die Gurgel springen, um ihn endlich zum Schweigen zu bringen.
In der Mitte des Buches kommt dann aber ganz plötzlich und überraschend die Wendung. . . .