Beschreibung
Produktdetails
Einband
Gebundene Ausgabe
Erscheinungsdatum
02.10.2007
Verlag
Verlag der WeltreligionenSeitenzahl
210
Maße (L/B/H)
18.3/11.5/1.6 cm
Gewicht
222 g
Auflage
1
Sprache
Deutsch
ISBN
978-3-458-71006-6
Auch wenn das Vergehen der Gotteslästerung und seine theologische und strafrechtliche Sanktionierung pan-europäische Praxis bis weit in die Neuzeit geblieben ist, lassen sich die Veränderungen nicht übersehen. Zunächst galt die Gotteslästerung dem Fall einer buchstäblichen Kränkung der „Ehre“ Gottes. Aber seit dem 18. Jahrhundert wurde weniger Gott selbst als vielmehr die Religion, also die Organisation seiner Bekenner und Anhänger, als Adressat lästerlicher Äusserungen betrachtet, weshalb ihr – der Religion – nun „Schutzbedürftigkeit“ attestiert wurde. Später erfolgte eine weitere Transformation: Als Blasphemie konnten im Lauf des 20. Jahrhunderts auch jene Kränkungen und Beleidigungen weltanschaulicher oder religiöser Überzeugungen aufgefasst werden, die weder direkt auf Gott noch auf Religion als seine weltliche Organisationsform bezogen waren. Nun ist es vielmehr eine kulturell geprägte Subjektkonstruktion, die angegriffen wird. Während aber in der westlichen Moderne die Schwächung der »Kultur der Ehre« zugunsten einer »Moral der Würde« gleichsam als Nebenprodukt die Empfi ndsamkeit für die Gotteskränkung abnehmen liess, scheint die Rückkehr ehresensibler Kulturen in die Räume der Moderne auch die Wahrscheinlichkeit gotteslästerlicher Delikte zunehmen zu lassen. In der Spur dieser Rückkehr zeigen auch die christlichen Kirchen eine zunehmende Kränkungsbereitschaft.
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