Strategien der Visualisierung

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Einleitung
Herfried Münkler

Symbol,Metapher,Mythos: Komplemente oder Konkurrenten sprachlicher Visualisierung?
Enno Rudolph

Visualisierungsstrategien im politischenMachtkampf:Der Übergang vom Personenverband zum institutionellen Territorialstaat
Herfried Münkler

Visuelle Kommunikation und Politische Öffentlichkeit
Thomas Meyer

Performanz und Öffentlichkeit in der krisenhaften Moderne: Visualisierung des Politischen in Deutschland 1900-1936
Wolfgang Hardtwig

Krieg und Film: Globalisierte Visualisierungsformen und politische Instrumentalisierung
Michael Strübel

"Ich schauDir in die Augen":Die Bedeutung visuellerMedien für die politische Kommunikation in entwickelten Demokratien
Willi Hofmann

Die SS-Uniform als emblematisches Zeichen
Paula Diehl

"Heut hast Du's erlebt": Zur Darstellung politischer Konflikte in der Oper
Udo Bermbach

Künste als Medium der Sichtbarkeit und der Überblendung von Macht: Werner Tübkes "Arbeiterklasse und Intelligenz" als Exempel
Karl-Siegbert Rehberg

Jörg Immendorffs Staatsportrait Gerhard Schröders
Horst Bredekamp

Im elektronischen Panoptikum: Über die schwindende Angst des Bürgers vor der Überwachung und seinem un-heimlichen Wunsch nach Sichtbarkeit
Ronald Hitzler

Respekt im Regenwald: Über Inszenierung und Aneignung von gesellschaftlichen Ordnungsmustern im Unterhaltungsfernsehen
Andreas Dörner

Abbildungen

Autorinnen und Autoren
Band 14

Strategien der Visualisierung

Verbildlichung als Mittel politischer Kommunikation

Buch (Taschenbuch)

Fr. 45.90

inkl. gesetzl. MwSt.

Beschreibung

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

09.11.2009

Herausgeber

Herfried Münkler + weitere

Verlag

Campus

Seitenzahl

255

Beschreibung

Rezension

"Das Buch ist gut lesbar und bietet einen breit gefächerten Themenkanon." (Zeitschrift für Politikwissenschaft, 28.01.2010)

Details

Einband

Taschenbuch

Erscheinungsdatum

09.11.2009

Herausgeber

Verlag

Campus

Seitenzahl

255

Maße (L/B/H)

21.3/14.4/2.3 cm

Gewicht

328 g

Auflage

1

Sprache

Deutsch

ISBN

978-3-593-38895-3

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Einleitung Herfried Münkler So sind wohl mache Sachen, Die wir getrost belachen, Weil unsere Augen sie nicht sehn. Matthias Claudius Nicht der Armen Schlechtigkeit Hast Du mir gezeigt, sondern Der Armen Armut Zeigtet ihr mir den Armen Schlechtigkeit So zeige ich euch der schlechten Armen Leid. Bertolt Brecht Visualisierung und Visibilität bezeichnen gesellschaftliche und politische Sichtbarkeitsverhältnisse. Dabei geht es einerseits um das berühmte Sehen und Gesehen werden, das in einer bekannten lateinischen Sentenz den römischen Damen als Motiv ihrer Theaterbesuche zugeschrieben wurde und das hier als ein Modus gesellschaftlicher Ordnung ins Auge gefasst wird. Andererseits braucht es zu diesem Zwecke Orte der Übersichtlichkeit, an denen man sich zeigen und zugleich die anderen beobachten kann: aus Gründen der gesellschaftlichen Distinktion, der Konkurrenz, aber ebenso auch der Solidarität und der Fürsorglichkeit. Es bedarf darum der Orte bzw. Medien von Visibilität, die als Generatoren gesellschaftlicher Selbstvergewisserung dienen. Solche Orte bzw. Medien der Visibilität sind freilich nicht als blosse Spiegel anzusehen, in denen sich zeigt, was in die Reichweite des Spiegels gerät, sondern bei ihrer Analyse ist vor allem auf jene zu achten, die sich um die Aufstellung und Ausrichtung der gesellschaftlichen und politischen Spiegel bemühen. Sie sind es, die diese Spiegel wie Scheinwerfer benutzen, um bestimmte Personen und Gruppen sichtbar zu machen oder auch andere im Dunkeln zu belassen. Dabei kann zunächst offenbleiben, ob dieses Sichtbar-Machen oder Im-Dunkeln-Lassen deren jeweiligen Interessen entspricht oder ihnen entgegen ist. Im Unterschied zu dem in der modernen Debatte allgegenwärtigen Begriff der Transparenz bezeichnet Visualisierung, aber durchaus auch Visibilität, keine strukturelle Ordnung der Sichtbarkeit bzw. Durchsichtigkeit, sondern hebt auf gesellschaftliche Praktiken und politische Strategien ab. Es geht um Macht und Machtgebrauch, die durchweg mit dem Sehen und Gesehenwerden verbunden sind. Während die Leitvorstellung der Transparenz darauf abzielt, Macht unter Kontrolle zu bringen, gehen die sehr viel stärker deskriptiv als normativ ausgelegten Begriffe Visualisierung und Visibilität davon aus, dass politische Macht und gesellschaftlicher Einfluss aufs Engste mit der politischen und gesellschaftlichen Ordnung der Sichtbarkeit verbunden sind. Transparenz und Visualisierung bezeichnen entgegengesetzte Pole der Sichtbarkeitsverhältnisse in Politik und Gesellschaft. Transparenz ist dabei zum Schlagwort im politischen Diskurs geworden; Visualisierung und Visibilität sind dagegen politikanalytische Begriffe, die nicht normierend, sondern kritisch an die Verhältnisse herantreten. Visualisierung kann als die Sichtbarmachung von etwas ansonsten Unsichtbarem begriffen werden, was bei religiösen Praktiken etwa der Fall ist; es kann sich dabei aber auch um das In-den-Mittelpunkt-Stellen oder Ins-rechte-Licht- Rücken einer Person bzw. einer Sache handeln, die sonst eher unbeachtet bliebe. Schliesslich kann es sich dabei auch um Techniken und Verfahren einer Kultur handeln, durch die Texte oder Partituren auf die Bühne gebracht werden, um sichtbar bzw. hörbar zu sein: also um Schauspiel und Oper. Dabei kann Visualisierung herrschaftsrepräsentativ sein, aber sie kann auch die Funktion der Destruktion einer politischen und sozialen Ordnung haben. Zeigen bzw. Sichtbarmachen kann der Stabilisierung von Herrschaft dienen und der Perpetuierung einer Ordnung förderlich sein; es kann aber auch etwas aufdecken, was in herrschaftstechnischer Hinsicht besser verborgen geblieben wäre. Im einen Fall geht es um architektonische Monumente, Paläste, Standbilder, prachtvolle Einzüge oder Feste, im anderen dagegen um die Aufdeckung von etwas, das im Verborgenen bleiben soll, also um ein Ans-Licht-Zerren von geheimen Praktiken. Hier handelt es sich dann um Akte der Profanierung, auch der Aufklärung, schliesslich der Enttarnung. Im einen Fall kann es sich also um eine Stabilisierung der sozialen Ordnung handeln, im anderen um ihr blosses Ansichtig-Werden, im wieder anderen um ein Instrument der Destruktion sozialer Ordnung bzw. der Herbeiführung ihres Wandels. Gelegentlich ist die Herstellung von Visibilität auch der Anfang eines Prozesses der revolutionären Veränderung. Die Praktiken und Techniken der Visualisierung können auf eine allgemeine Öffentlichkeit bezogen sein; genauso gut können sie aber auch auf Teilöffentlichkeiten beschränkt bleiben, die sich auf diese Weise konstituieren und vom Rest der Gesellschaft absetzen. In letzterem Fall kann Visibilität auch ein Distinktionsmerkmal sein. Seit jeher hat die gute Gesellschaft bestimmte Praktiken der Visualisierung gepflegt, um sich von den anderen abzugrenzen. Dabei ist freilich zu beachten, dass eine besonders herausgehobene Sichtbarkeit nicht eo ipso mit gesellschaftlichem Einfluss und politischerMacht identisch ist. Nicht selten ist es die Aufgabe von Prominenz, deren Lebensführung im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit steht, von den Eliten abzulenken und sie jenseits der allgemei nen Aufmerksamkeit ihren Aufgaben nachgehen und ihre Entscheidungen treffen zu lassen. Prominenz ist eine Erfindung der Visibilitätsgesellschaft, um die Schaulust der Menschen zu befriedigen und ein gewisses Mass an Intransparenz für die Eliten wahren zu können. Die Erzeugung der Figur des Prominenten ist ein Visualisierungscoup der wirklichen Eliten. Das Konzept der Inszenierung hat in den Sozial- und Kulturwissenschaften zuletzt dazu gedient, bestimmte Praktiken des politischen Betriebs in ein besonders vorteilhaftes oder ein eher kritisches Licht zu rücken: Personen oder Themen werden mit dem Theaterbetrieb abgeschauten Mitteln regelrecht inszeniert, um die politische Bühne zu beherrschen bzw. die von den Regisseuren der (politischen) Inszenierung entwickelten Ideen umzusetzen. Es ist zu vermuten, dass politische Probleme und Themen auf bestimmte Formen der Verbildlichung bzw. Bebilderung angewiesen sind, um Wirkung zu zeitigen, während dafür der nackte Text oder die blosse Information nicht hinreichen. Um ein Beispiel zu geben: Kriege, von denen es keine Bilder gibt, die also invisibel sind, finden für uns faktisch nicht statt, während andere Konflikte durch die Flut der Bilder eine unverhältnismässig grosse Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Man spricht inzwischen auch vom Bilder-Krieg. Auf das Thema dieses Bandes bezogen heisst das, dass Visualisierung - auch - einMittel im politischen Kampf, im Kampf um die richtigen Bilder ist. Schliesslich gibt dieser Rahmen auch die Gelegenheit, einen Blick auf den bemerkenswerten Wandel des Materials der Visualisierungen zu werfen: Waren über die längste Zeit Stein und Metalle das Material, in dem sich Herrschaft visualisierte, weswegen die Zerstörung dieser Visibilitäten auch immer zu den zentralen Akten revolutionärer Umstürze gehörte, so sind im audiovisuellen Zeitalter an deren Stelle das Zelluloid bzw. die digitalen Nachfolgematerialen des Films getreten.Welche Folgen hat das? Handelt es sich um einen blossen Austausch des Materials oder hat sich hier ein Wandel der Visualisierung (Echtzeitübertragung in globalem Massstab) vollzogen, der Gegenwart und Zukunft gegenüber der Vergangenheit scharf abgrenzt? Die in diesem Band versammelten Beiträge sind im Zusammenhang der Ringvorlesung "Visualisierung / Visibilität" entstanden, die im Wintersemester 2006/2007 an der Humboldt-Universität zu Berlin stattgefunden hat. Vortragende waren neben einigen Mitgliedern des Berliner Sonderforschungsbereichs 640 "Repräsentationen sozialer Ordnungen" vor allem von aussen eingeladene Spezialisten, die das Experiment unternommen haben, mit Visibilität/ Visualisierung eine bestimmte Komponente des sehr viel umfassenderen Konzepts der Repräsentation einer genaueren Betrachtung zu unterziehen und auf seine Relevanz hin zu überprüfen.
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    Symbol,Metapher,Mythos: Komplemente oder Konkurrenten sprachlicher Visualisierung?
    Enno Rudolph

    Visualisierungsstrategien im politischenMachtkampf:Der Übergang vom Personenverband zum institutionellen Territorialstaat
    Herfried Münkler

    Visuelle Kommunikation und Politische Öffentlichkeit
    Thomas Meyer

    Performanz und Öffentlichkeit in der krisenhaften Moderne: Visualisierung des Politischen in Deutschland 1900-1936
    Wolfgang Hardtwig

    Krieg und Film: Globalisierte Visualisierungsformen und politische Instrumentalisierung
    Michael Strübel

    "Ich schauDir in die Augen":Die Bedeutung visuellerMedien für die politische Kommunikation in entwickelten Demokratien
    Willi Hofmann

    Die SS-Uniform als emblematisches Zeichen
    Paula Diehl

    "Heut hast Du's erlebt": Zur Darstellung politischer Konflikte in der Oper
    Udo Bermbach

    Künste als Medium der Sichtbarkeit und der Überblendung von Macht: Werner Tübkes "Arbeiterklasse und Intelligenz" als Exempel
    Karl-Siegbert Rehberg

    Jörg Immendorffs Staatsportrait Gerhard Schröders
    Horst Bredekamp

    Im elektronischen Panoptikum: Über die schwindende Angst des Bürgers vor der Überwachung und seinem un-heimlichen Wunsch nach Sichtbarkeit
    Ronald Hitzler

    Respekt im Regenwald: Über Inszenierung und Aneignung von gesellschaftlichen Ordnungsmustern im Unterhaltungsfernsehen
    Andreas Dörner

    Abbildungen

    Autorinnen und Autoren