Rumänien 1945: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. "Es war 3 Uhr in der Nacht zum 15. Januar 1945, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15º C." So beginnt ein junger Mann den Bericht über seine Deportation in ein Lager nach Russland. Anhand seines Lebens erzählt Herta Müller von dem Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen. In Gesprächen mit dem Lyriker Oskar Pastior und anderen Überlebenden hat sie den Stoff gesammelt, den sie nun zu einem großen neuen Roman geformt hat. Ihr gelingt es, die Verfolgung Rumäniendeutscher unter Stalin in einer zutiefst individuellen Geschichte sichtbar zu machen.
Kundinnen und Kunden meinen
4.4/5.0
J.G.
aus Berlin
5/5
14.06.2010
Buch (Gebundene Ausgabe)
GENIAL!!!
Leo ist 17 Jahre als er in ein Lager in Russland nach dem Zweiten Weltkrieg deportiert wird und dort 5 lange Jahre Zwangsarbeit verrichten muss. Damit beginnt für Leo der Kampf ums Überleben und gegen den elendigen Hunger. Der Roman umfasst den Zeitraum vom Beginn der Reise in das Lager bis zur Rückkehr und dem Versuch sich in das alttägliche Leben zu Hause zu integrieren.
Herta Müller hat so bilderreich und poetisch geschrieben, dass es absolut gegensätzlich zum Geschehen erscheint, aber dennoch eine Einheit bildet. Genial
Mehr kann man zu diesem Roman nicht sagen. Lesen
Claudia Tross
aus Offenbach am Main
5/5
18.02.2010
Buch (Gebundene Ausgabe)
Ganz große Literatur
Es gibt Bücher, die auch den Vielleser überraschen, die aussergewöhnliche Form und Sprache besitzen und mehr als einmal gelesen werden müssen, um überhaupt annähernd erfasst zu werden.
Dazu gehört für mich "Atemschaukel" von Herta Müller.
Wir begleiten einen jungen Mann in ein russisches Straflager, wo er in den 5 Jahren Aufenthalt versuchen wird, zu überleben.
Herta Müller gelingt es, das Grauen im Lager mit derart schöner, poetischer Sprache zu schildern,dass man völlig gefesselt in den Sprachbildern schwelgt und darüber ganz vergisst, dass es hier ums nackte Überleben geht.
Ich habe das Buch immer wieder wie benommen weggelegt und Zeit gebraucht,die einzelnen Szenen zu verarbeiten.
Ganz große Literatur!Chapeau!
CaWa - die Leseratte
aus Hilden
5/5
19.11.2009
Buch (Gebundene Ausgabe)
Brilliant - poetisch - subtil
Nach Beendigung der Lektüre musste ich erst einmal tief durchatmen. Herta Müller ist ein brilliantes Werk gelungen, dessen starke Atmosphäre, selbst als geübter Rezensionist, nur sehr schwer wiederzugeben ist.
In kurzen ebenso prägnanten wie subtilen Kapiteln, erzählt die Autorin die Lebens- und Leidengeschichte eines homosexuellen jungen Mannes aus Siebenbürgen in einem russischen Arbeitslager. Angefangen bei seiner Internierung bis zum bitteren Ende, der Reintegration ins "normale" Leben.
ICH WEISS DU KOMMST WIEDER - dieser Satz ist eine Art roter Faden, der sich durch die ganze Erzählung spannt.
Eine absolute Leseempfehlung.
Mein erstes, aber bestimmt nicht das letzte Buch dieser Autorin.
Bewertung
5/5
04.09.2009
Buch (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist unglaublich, eine Entdeckung, ein Gewinn für jeden, der es gelesen hat!
Herta Müller erzählt die Geschichte von Leo, einem jungen Siebenbürger, der unter Stalin 6 Jahre in einem russischen Arbeitslager leben und beina-he sterben muss. Leo ist homosexuell, er hat schon einige Erfahrung in dieser Hinsicht und höllische Angst, entdeckt zu werden. So ist der Aufruf zu Deportation für ihn auch eine nicht unwillkommene Flucht aus der Pro-vinz. So denkt er, naiv und schicksalergeben am Anfang der Reise und wird schnell erfahren, dass diese Fahrt direkt in die Hölle führt. Was dieses Buch so einzigartig macht, ist die auf der einen Seite ganz infantile Berichterstattung von Leo, die in der Beschreibung all des Elends, der Morde, der Ratten und Flöhe, der entsetzlichen Arbeit und Kälte sehr an den Simplicissimus von Grimmelshausen erinnert und auf der anderen Seite die wunderbar lyrische Sprache, die Metapher enthält, das einem vor Ergriffenheit der Atem stockt. Die titelgebende Atemschaukel zum Beispiel bewegt sich, wenn sich der allgegenwärtige Hungerengel ganz tief im Rachen auf das Gaumensegel setzt. Bitte lesen!
Sandra
4/5
16.06.2010
Buch (Gebundene Ausgabe)
Zeitzeuge, nicht Roman
Die Sprache ist zweifelsfrei bemerkenswert - bildhaft, poetisch genau. Aber wessen Sprache es ist, bleibt ein Rätsel: Sind das die Bilder Herta Müllers? Oder die ihres Vertrauten, der während der Arbeit mit der Schriftstellerin starb? (Das Nachwort übrigens finde ich lieblos und in dieser Form vollkommen überflüssig).
Mir scheint, die "Atemschaukel" ist mehr Zeitzeuge als Roman im eigentlichen Sinn, was dem Buch aber nicht schadet. Lesenswert ist es auf jeden Fall - man muss sich darauf einlassen wollen.